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Donnerstag, 10.08.2017

Nordkorea sollte „sehr nervös“ sein

Die Regierungen Nordkoreas und der USA beharken sich weiter mit drastischen Worten. US-Präsident Trump hält seine umstrittene „Feuer und Wut“-Drohung sogar für „vielleicht nicht scharf genug“

Nordkorea sollte „sehr, sehr nervös“ sein, wenn es auch nur an einen Angriff auf die USA denke, sagte Trump.
Nordkorea sollte „sehr, sehr nervös“ sein, wenn es auch nur an einen Angriff auf die USA denke, sagte Trump.

© dpa

Seoul/Washington. US-Präsident Donald Trump hat im Atomkonflikt mit Nordkorea nachgelegt und das kommunistische Land eindringlich vor Militäroperationen gegen die USA gewarnt. An die Adresse des Machthabers in Pjöngjang, Kim Jong Un, sagte Trump: „Wenn er etwas in Guam unternimmt, dann wird es ein Ereignis sein, wie es noch niemand zuvor gesehen hat, was in Nordkorea passiert.“ Pjöngjang hatte zuvor mit möglichen Raketenangriffen in Richtung auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik gedroht, sollten die USA ihre „provokativen“ Handlungen nicht einstellen.

Die Top-Sicherheitsberater der Regierungen in Washington und Seoul vereinbarten nach südkoreanischen Angaben vom Freitag, ihr künftiges Vorgehen gegen die Bedrohung durch Nordkorea im Voraus zu besprechen.

Trump will von seiner umstrittenen „Feuer und Wut“-Drohung an die Adresse Nordkoreas nicht abrücken. Im Gegenteil: Die Bemerkung sei sogar „vielleicht nicht scharf genug“ gewesen, sagte der US-Präsident am Donnerstag in seinem Urlaubsdomizil in Bedminster (New Jersey) weiter. Es sei an der Zeit gewesen, dass jemand für die Amerikaner und die Menschen anderer Nationen eintrete, rechtfertigte Trump seine drastische Rhetorik gegenüber Pjöngjang.

Auf die Frage, ob er an einen Präventivschlag denke, antwortete der US-Präsident: „Darüber reden wir nicht. Ich mache das nie.“

Nordkorea sollte „sehr, sehr nervös“ sein, wenn es an einen Angriff auf die USA auch nur denke, sagte Trump weiter. Das international isolierte Land solle sich lieber zusammenreißen, andernfalls sei es in Schwierigkeiten, wie sie nur wenige Staaten erlebt hätten und niemand für möglich gehalten habe.

Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull kündigte am Freitag an, dass sein Land im Falle eines nordkoreanischen Angriffs auf die USA zum Beistand verpflichtet sei. Der pazifische Sicherheitspakt ANZUS sehe dies zwingend vor.

Trumps Wortwahl in dem derzeit wohl gefährlichsten Konflikt der Welt ist auch in den USA umstritten. Kritiker wie der republikanische Außenpolitik-Experte John McCain sagen, es sei gefährlich, Rote Linien zu ziehen und sich damit selbst unter Zugzwang zu setzen.

Der US-Präsident verwies erneut darauf, dass das US-Atomwaffenarsenal in einem guten Zustand sei. „Es ist in Tip-Top-Verfassung“, sagte Trump. „Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen.“ Er kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump.

Zwar fügte er hinzu, die USA müssten Verhandlungen jederzeit erwägen. „Aber sie haben jetzt 25 Jahre lang verhandelt.“ Dass die jüngst einstimmig im Sicherheitsrat beschlossenen UN-Sanktionen den erwünschten Effekt haben würden, zweifelte Trump offen an. Er glaube, dass China in dem Konflikt deutlich mehr tun und den Druck auf Nordkorea erhöhen werde.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert,bezeichnete die US-Politik des wirtschaftlichen Drucks als durchaus erfolgversprechend. Sie forderte, kein Land soll mehr Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen - denn das von ihnen verdiente Geld fließe nicht in die Familien, sondern in Rüstungsprogramme der Regierung.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. „Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen“, hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer „schandvollen Niederlage“ rechnen, sollten sie weiter auf „extreme militärische Abenteuer“ sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea. (dpa)