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Donnerstag, 07.12.2017

Noch ist der Campingplatz vom Räumen vermüllt

Der Gemeinderat genehmigt Verkaufsverhandlungen mit dem Kleinnaundorfer Unternehmer Michael Welde.

Von Manfred Müller

Über 60 Räumungsklagen hat die Gemeinde gegen die Dauercamper angestrengt, die Jahrzehnte den Platz verbaut haben. Noch ist das Areal stark vermüllt.
Über 60 Räumungsklagen hat die Gemeinde gegen die Dauercamper angestrengt, die Jahrzehnte den Platz verbaut haben. Noch ist das Areal stark vermüllt.

© Kristin Richter

Zschorna. Die unendliche Geschichte um den Campingplatz am Zschornaer Brettmühlenteich nähert sich einem hoffnungsvollen Finale. Am Mittwochabend beschlossen die Gemeinderäte auf ihrer Ratssitzung, dass die Kommune Verhandlungen mit einem potenziellen Betreiber aufnehmen soll. Und zwar mit dem Kleinnaundorfer Michael Welde, dem Inhaber des Pizzaunternehmens Freddy Fresh. Welde ist einer von ursprünglich neun Interessenten, die bis Ende März auf die Offerte der Gemeinde Thiendorf reagiert hatten. Fünf von ihnen reichten schließlich ein Kaufangebot und ein Betreiberkonzept ein, die von einer Arbeitsgruppe des Gemeinderats geprüft wurden. Am Ende erschienen den Räten zwei davon akzeptabel. Im Unterschied zu den Verkaufsverhandlungen vor zwei Jahren, will sich die Kommune aber erst auf einen neuen Betreiber festlegen, wenn ein unterschriftsreifer Vertrag vorliegt.

Zur Erinnerung: Bei der ersten Runde hatte sich Thiendorf für eine Dresdner Interessengemeinschaft entschieden, die den Platzbetrieb zunächst kommissarisch übernahm und letztlich doch wieder absprang. Das soll diesmal nicht passieren. Allerdings ist die Situation jetzt auch völlig anders. Denn der neue Besitzer wird den Platz quasi besenrein übernehmen, denn die Kommune hatte ihn letztes Jahr geschlossen und die noch vor Ort weilenden Dauercamper aufgefordert, ihre Stellplätze zu räumen (die SZ berichtete).

Viele der 170 verbliebenen Camper zeigten zunächst wenig Bereitschaft, ihre mittlerweile zu Bungalows ausgebauten Wohnwagen vom Platz zu entfernen. Die Kommune musste mehr als 60 Räumungsklagen anstrengen und nahezu jede vorm Riesaer Amtsgericht ausfechten. „Das war nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig“, erklärt Bürgermeister Dirk Mocker. „Ich habe wahrscheinlich im Gericht schon eine Inventarnummer.“ Die Sache ist auch nicht komplett ausgestanden – im Januar stehen noch einige Verhandlungen an. Aber bei denen, die schon gelaufen sind, bekam die Kommune in jedem Falle recht. Bei den Terminen im neuen Jahr erwartet Mocker noch ein letztes Aufbäumen vonseiten der Camper, von denen einige ihren „Besitzstand“ recht hartnäckig verteidigten. Rechtlich ist die Sache allerdings klar: Die Stellplatznutzer hatten nur auf ein Jahr befristete Verträge, die jederzeit kündbar waren.

Thiendorf hatte bei der Eingemeindung des Nachbarn Tauscha, dem der Campingplatz gehörte, festschreiben lassen, dass die Kommune den Platz künftig nicht mehr selbst betreiben wird. Finanziell und logistisch gesehen eine vernünftige Entscheidung, denn eine Gemeinde hat mit Schulen, Kindertagesstätten und Feuerwehr genügend Pflichtaufgaben zu erfüllen, so dass sie sich nicht auch noch Freizeiteinrichtungen aufbürden kann. Im Falle des Camping-Areals hätten Investitionen von mehr als 200 000 Euro angestanden, und überdies wurden dort auch die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten. Viele Nutzer hätten ihre illegal ausgebauten Domizile abreißen oder zumindest versetzen müssen. Dagegen gab es erbitterten Widerstand, was letztlich den potenziellen Betreiber aus Dresden zur Aufgabe zwang.

„Durch die Schließung ist nun ein Neuanfang möglich“, sagt Gemeinderat Lutz Hessel (Wählervereinigung Kleinnaundorf). Der Platz in seinem alten Zustand habe keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten geboten. Hessels Ratskollege Jörg Noack (Regionalbauernverband) ist vor allem daran gelegen, dass das derzeit stark vermüllte Areal schnellstens beräumt wird. „Wenn der Schandfleck beräumt ist“, sagte er in der Ratssitzung, „hat die Gemeinde wiedermehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Was für die Einwohner von Thiendorf und Umgebung wirklich bedeutsam ist – die öffentliche Nutzung des Badestrandes – soll im Vertrag mit dem neuen Betreiber festgehalten werden. Als spätesten Termin für die Unterzeichnung hat die Gemeinde den 30. April 2018 ausgegeben.

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