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Samstag, 13.01.2018

Nieskys Loch-an-Loch-Straße

Die Goethestraße ist in schlechtem Zustand. Doch nun soll sich das ändern. Die Anwohner bleiben vorerst skeptisch.

Von Carla Mattern

Wie tief genau dieses Loch auf der Nieskyer Goethestraße ist, misst am Freitag Andreas Ducke aus. Gemeinsam mit den Nachbarn Hans-Joachim Zech, André Köhler und Rudi Hänsch kämpfen sie schon seit vielen Jahren um die Befestigung der Straße.
Wie tief genau dieses Loch auf der Nieskyer Goethestraße ist, misst am Freitag Andreas Ducke aus. Gemeinsam mit den Nachbarn Hans-Joachim Zech, André Köhler und Rudi Hänsch kämpfen sie schon seit vielen Jahren um die Befestigung der Straße.

© André Schulze

Niesky. An diesem grauen, kalten, feuchten Freitagmorgen sorgen die orangefarbenen Warnwesten der Mitarbeiter einer Königshainer Firma fast schon für einen Lichtblick. Nicht nur wegen der Farbkleckse, die sie auf die Straße zaubern, vor allem wegen des Grunds, der sie hierher geführt hat. Seit dieser Woche vermessen sie drei Straßen im Nieskyer Dichterviertel: die Goethestraße, die Herder- und die Lessingstraße. Den Auftrag dafür haben die Vermesser der Firma ProSurvey von der Stadt Niesky. Das bestätigt Enrico Bachmann, der in der Stadtverwaltung das Tiefbauamt leitet. Unter dem schützenden Dach eines großen Carports stehen André Köhler, Hans-Joachim Zech, Rudi Hänsch und Andreas Ducke. Sie alle wohnen an der Goethestraße, Andreas Ducke schon fast 70 Jahre. Er wurde in dem Haus geboren, in dem er lebt. Von großer Freude über die Vermessungsarbeiten ist bei den Männern allerdings nichts zu merken. Im Gegenteil.

Und das, obwohl sie über die Pläne aus dem Rathaus schon seit Jahresende unterrichtet sind. Da hatte Enrico Bachmann an Hans-Joachim Zech geschrieben, dass voraussichtlich Ende Februar, Anfang März alle Anwohner der Goethestraße eingeladen werden, um bei einer Informationsveranstaltung zu erfahren, welche Pläne es für ihre Straße gibt. Noch gibt es den genauen Termin nicht. Wie Enrico Bachmann sagt, legt Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann großen Wert darauf, einen Termin nach den Februarferien zu finden. Hans-Joachim Zech weiß deshalb schon davon, weil er im vergangenen Jahr selbst bei Enrico Bachmann wegen dem Zustand der Goethestraße im Rathaus war.

Irgendwie waren sie wahrscheinlich alle schon mal da und haben auf das Problem aufmerksam gemacht. Was Dichterfürst Goethe sagen würde, ob ihm Zornesröte ins Gesicht schießen oder er sich beschämt abwenden würde? Eines Goethe würdig ist die Straße jedenfalls nicht. Tiefe Löcher, große Löcher, Löcher so eng beieinander, dass man selbst mit langsamem Slalomfahren nicht mehr ausweichen kann: Auch den Namen Straße verdient die Goethestraße fast nicht mehr. Dass sie unbefestigt ist, das ist gar nicht mal unbedingt das Problem. Es gab Zeiten, da war die Straße trotzdem weitgehend in Ordnung, ließ sich gut fahren. Beileibe nicht alle Nieskyer Straßen sind so breit wie die Goethestraße, haben an beiden Seiten Gehwege. Doch diese Zeiten sind vorüber. Zweimal, dreimal im Jahr kommen Mitarbeiter des städtischen Bauhofes und füllen in die Löcher ein Mineralgemisch. „Das hält bis zum ersten Regen. Und wenn die Sonne scheint etwas länger“, sagt André Köhler. Er wohnt erst seit 2011 in dem Holzhaus und findet, dass das Dichterviertel ein schönes Nieskyer Wohngebiet ist. Wären da nicht der katastrophale Zustand einiger Straßen.

Nicht nur, dass Schuhe, Autos, Zäune leiden. Jeder schleppt sich den Straßendreck aufs Grundstück. Andere Auswirkungen sind beispielsweise, dass der an der Goethestraße wohnende Notarzt nicht vor der Haustür zum Einsatz abgeholt wird, sondern bis vor an die Kreuzung läuft. Das sei für das Fahrzeug besser und für die Gerätschaften darin, sagt André Köhler.

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Die Löcher in der Goethestraße sorgen auch für ein kollektives Fremdschämen. So beeindruckt wie die Männer von dem zahlreichen Besucherverkehr im Konrad-Wachsmann-Haus sind, so sehr schämen sie sich auch, wie schlecht die Straße davor ist und die Parkmöglichkeiten sind. Sie erleben auch immer wieder staunende Niesky-Besucher. Sie kommen aus dem denkmalgeschützten Holzhaus, das der berühmte Architekt Konrad Wachsmann entwarf und das Niesky als Museum und Trauungsstätte nutzt und das sich zu einem überregionalen Forum für den Holzhausbau entwickelt. Die Besucher freuen sich über die schönen privaten Holzhäuser hinter dem berühmten Wachsmannhaus und staunen über die so schlechte Straße.

Auch die Stadt habe erkannt, dass sich Flicken nicht mehr lohnt, wissen die Anwohner und hoffen, dass endlich was passiert. Beate Hoffmann war als Kämmerin der Stadt schon 2000 mit dem Thema befasst, weiß Andreas Ducke und zeigt einen Zeitungsbeitrag. Zur Skepsis gesellt sich auch die Frage, wie viel von den Kosten für den Straßenausbau auf die Anlieger umgelegt werden sollen.

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