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Dienstag, 21.03.2017

Niemand will in die Türkei

Keine Lust auf Urlaubspoker: Wegen weltweiter Querelen setzen die Menschen im Großenhainer Land auf Sicherheit.

Von Catharina Karlshaus

Im Reisebüro DER am Großenhainer Frauenmarkt zeigt Chefin Anette Spieker-Poguntke an der Weltkarte auf die Türkei. Dieses Land ist zurzeit eines der Urlaubsziele, in denen aufgrund des landesweiten Referendums am 16. April laut Auswärtigem Amt erhöhte Wachsamkeit geboten ist.
Im Reisebüro DER am Großenhainer Frauenmarkt zeigt Chefin Anette Spieker-Poguntke an der Weltkarte auf die Türkei. Dieses Land ist zurzeit eines der Urlaubsziele, in denen aufgrund des landesweiten Referendums am 16. April laut Auswärtigem Amt erhöhte Wachsamkeit geboten ist.

© Klaus Dieter Brühl

Großenhain. Die Ersten haben sich bereits im Herbst entschieden. Andere kamen im November oder trafen ihre Wahl noch kurz vor Weihnachten. Der Mensch braucht schließlich Ziele, und was ist schöner, als vom Sommerurlaub im nächsten Jahr zu träumen? „Unsere Kunden sind dieses Mal wirklich besonders früh zu uns gekommen und haben sich entsprechend beraten lassen“, sagt Anette Spieker-Poguntke.

Wie die Verkaufsleiterin des Deutschen Reisebüros auf dem Röderstädter Frauenmarkt betont, könne keine Rede von einer plötzlichen Reiseunlust sein. Ganz im Gegenteil. Die Bewohner des Großenhainer Landes ziehe es in die Ferne, auch wenn diese jetzt geografisch woanders gelegen sei als noch vor gut zwei Jahren. Besonders bei Familien mit kleineren Kindern habe sich damals die Türkei besonderer Beliebtheit erfreut.

Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse – am 13. März hatte das Auswärtige Amt neuerliche Hinweise herausgegeben – habe sich die Situation schlagartig gewandelt. Das verlockende Preis-Leistungs-Verhältnis, zahlreiche Luxushotels an Traumständen gelegen, freundliche Gastgeber und geschichtsträchtige Stätten wie Troja oder Ephesos könnten rein gar nichts gegen das persönliche Sicherheitsempfinden ausrichten.

Im Vergleich zum Vorjahr, so Anette Spieker-Poguntke, verzeichne die Branche einen Rückgang der Buchungen in die Türkei. „Und so leid es mir auch wirklich für dieses gastgeberfreundliche Land tut. Die Sicherheit und das Vertrauen sind der oberste Grundsatz für die Beratung unserer Kunden“, betont die 54-Jährige. Die Kunst liege einfach darin, adäquate Ziele zu finden. So punkteten momentan Bulgarien, die Balearen, Griechenland und auch Kreuzfahrten lägen hoch im Kurs.

Einer, mit dem sich die Reiselustigen aus Großenhain und Umgebung übrigens voll im Trend befinden. Denn während bundesweit ein Rückgang bei Buchungen in die Türkei von 30 Prozent zu verzeichnen sei, wären Zypern, Kroatien und vor allem Griechenland im Kommen. „Krisen und die politische Situation etwa in der Türkei, Ägypten und Tunesien haben bereits im vergangenen Jahr Auswirkungen auf das Reiseverhalten der Urlauber gehabt. Sie haben zu einer teilweisen Verlagerung der Urlaubsströme geführt“, weiß Torsten Schäfer.

Wie der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes betont, spiele die Sicherheit auf Reisen für viele Kunden eine ganz zentrale Rolle. Beliebt seien deshalb Ziele im westlichen Mittelmeer, Fernreisen und aufgrund ihrer günstigen Konditionen für Kinder eben Kreuzfahrten. Dass die ersten Wochen und Monate eines neuen Jahres als die traditionelle Hauptbuchungszeit gelte, habe sich auch 2017 wieder erwiesen. Der Wille zur Erholung an einem anderen Ort sei ungebrochen – aber mit Sicherheit in jeglichem Sinne. „Hier können auf jeden Fall die kompetente Beratung eines Büros und die von einem Veranstalter organisierte Reise mit einer besseren Absicherung nebst leistungsfähigem Krisenmanagement punkten“, so Schäfer.

Ein Reisebüro, wie es Steffen Rafelt erfolgreich seit 1990 in Großenhain betreibt. Der Inhaber des Touristic-Centers hat nach eigenem Bekunden schon mehrfach die Vielfältigkeit und die Last der wechselvollen Ereignisse auf die Branche erlebt. Natürlich sei das Reisen beispielsweise in die Länder der arabischen Welt eingedenk Jordanien durch die Golfkrise Anfang der 1990er Jahre wenig attraktiv gewesen.

Aufgrund verschiedener politischer Lagen änderten sich auf diese Weise die von den deutschen bevorzugten Urlaubsgebiete von Jahr zu Jahr . „Insofern wird es niemanden verwundern, dass die Türkei zurzeit bei uns keiner mehr bucht! Das ist der totale Zusammenbruch gewesen, der sich bereits 2016 schon angekündigt hat“, erklärt Steffen Rafelt. Auch für ihn und seine Mitarbeiter seien Sicherheit und Zufriedenheit der Kunden wichtigstes Gebot. Und so habe man auch in der Vergangenheit noch immer schöne und sichere Urlaubsziele gefunden.

Ganz besonders beliebt in diesem Jahr: Spanien mit den Balearen und Kanaren, Portugal sowie Griechenland. Am meisten gefragt seien allerdings Kreuzfahrten in alle Länder. „In Deutschland stellt diese Reisesparte momentan die Zukunft dar, und diese Entwicklung wird wohl auch in den nächsten Jahren noch anhalten. Die Urlauber fühlen sich auf den Kreuzfahrtschiffen einfach sicher“, sagt Steffen Rafelt.