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Freitag, 19.05.2017

Nichts los auf dem Kottmar

Einwohner ärgern sich über den Zustand der Baude. Andere Beispiele zeigen, dass Bergbauden durchaus laufen können.

Seit einigen Jahren ist die Kottmarbaude geschlossen, der Aussichtsturm nicht mehr begehbar.
Seit einigen Jahren ist die Kottmarbaude geschlossen, der Aussichtsturm nicht mehr begehbar.

© Thomas Eichler

Kottmar. Die Baude auf dem Kottmar liegt verlassen, am Aussichtsturm daneben bröckelt der Putz. Der traurige Anblick ärgert viele Kottmar-Bewohner. Gerade jetzt im Frühjahr und dem bevorstehenden Sommer wäre das Haus auf dem Kottmar ein schönes Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger. Aber wie es aussieht, wird wieder ein Sommer vergehen, in dem Ausflügler hier nicht einkehren können. Zwar gehört das Arreal des Kottmars der Stadt Löbau, die Gemeinde Kottmar und ihre Einwohner beschäftigt das Thema aber vorrangig. Schließlich ist der gleichnamige Berg ihr Hausberg.

Wie sieht's bei anderen Bauden aus?

Auch Günter Kneschke, einen Heimatfreund aus Obercunnersdorf, ärgert der Zustand. Er schlug deshalb jetzt im Gemeinderat vor, dass man doch wenigstens einen Imbisswagen an der Baude aufstellen könnte, um den Wanderern etwas anbieten zu können. Zumindest an den Wochenenden in der Sommersaison könnte das doch eine Variante sein, so Kneschke. Doch so einfach ist das nicht, sagt Kottmar-Bürgermeister Michael Görke. Zahlreiche Bedingungen müssten vorhanden sein und vorher abgeklärt werden. Um einen Imbiss oder ein Lokal zu betreiben, müssten beispielsweise Anschlüsse vorhanden sein für Abwasser, auch der Brandschutz müsse geklärt sein sowie in die Wasserversorgung investiert werden. „Es ist ein Trauerspiel“, findet auch der Bürgermeister. „Aber die Voraussetzungen, so etwas zu betreiben, sind heutzutage umfangreich und auch kostspielig.“

Außerdem: Baude und Turm sind in Privatbesitz. Uwe Berndt, einer der Anteilseigner an dem Baudengrundstück, kennt die Sorgen der Einwohner – und kann sie verstehen. „Das ist immer wieder Gesprächsthema“, bestätigt er. Auch, wenn in den vergangenen Jahren nach außen hin nicht viel passiert ist, gab es durchaus Aktivitäten in Sachen Kottmarbaude berichtet er der SZ auf Nachfrage. Immer wieder habe es Ideen und Interessenten gegeben. Meist scheiterten die Pläne an zu hohen Kosten. Ein Problem ist zum Beispiel auch das riesige Bettenhaus, das einst an die Baude angebaut wurde. Es zu sanieren, wäre enorm teuer.

Die Gemeinde stellt nun Überlegungen an, wie man wenigstens den Kottmar-Turm neben der Baude begehbar machen könnte, damit Ausflügler wieder die Aussicht genießen können. So wäre eine Möglichkeit mit den Besitzern ins Gespräch zu kommen, ob das Arreal des Turms herausgenommen werden könnte und sich die Gemeinde um den Turm kümmert. Aber auch das kostet, die Fläche müsste neu vermessen werden. Außerdem sei so etwas eine freiwillige Aufgabe, die sich die Gemeinde kaum leisten könne. Im Vordergrund stehen vielmehr Pflichtaufgaben, für die zunächst das Geld der Gemeinde verwendet werden muss.

Doch auch die Eigentümer selbst hegen jetzt Überlegungen zum Aussichtsturm. Zunächst müsse der Funkturm neben dem Aussichtsturm demontiert werden. Das sei der nächste wichtige Schritt, so Miteigentümer Uwe Berndt. Zum Abriss der Turmes war die Betreiberfirma gerichtlich verpflichtet worden. Zuvor hatten sich beide Seiten jahrelang gestritten, ob der Sendemast auf dem Kottmar stehen dürfe und ob eine Miete dafür fällig sei. Die Investoren wollten eine Forderung über mehr als 16000 Euro Entschädigung und den Abriss des Turms durchsetzen. Das ist ihnen gelungen. Nach dem Abriss könnten sich die Eigentümer vorstellen, den Aussichtsturm so herzurichten, dass er wieder begehbar ist. „Man könnte eine Münzanlage installieren, wie es auch an anderen Türmen gehandhabt wird“, sagt er. So könnte für den Aufstieg ein kleiner Obolus von den Wanderern kassiert werden. Der Beitrag könnte – zumindest zum Teil – bei der Refinanzierung helfen. „So eine Variante könnte ich mir vorstellen“, so Berndt.

Heimatfreunde Günter Kneschke hält es derweil nicht für aussichtslos, wieder Leben auf den Berg zu bringen. Es gebe schließlich auch positive Beispiele in der Umgebung. Den Czorneboh in Cunewalde nennt er beispielsweise. „Dort hat die Stadt Bautzen als Eigentümer 1,2 Millionen Euro investiert.“

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