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Mittwoch, 14.02.2018

Neumarkt-Wächter bekommt Preis

US-Amerikaner zeichnen Torsten Kulke aus - und loben die Vorbildwirkung Dresdens.

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Torsten Kulke von der Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden e.V.
Torsten Kulke von der Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden e.V.

© Sven Ellger

Sein Engagement hat sich nun auch über die Grenzen der Stadt hinaus ausgezahlt: Torsten Kulke, der Vorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) wird mit dem „Henry Hope Reed Award“ ausgezeichnet, den die School of Architecture der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana verleiht. Mit dem mit 50 000 Dollar dotierte Preis wird jährlich auch ein Nicht-Architekt geehrt, der „die hohen Ideale der traditionellen und klassischen Architektur“ in der heutigen Gesellschaft erfolgreich aufrecht erhält, so die Universität. Die Preisverleihung findet am 24. März in Chicago statt. Juror Richard H. Driehaus begründet die Entscheidung der Jury unter anderem damit, dass Kulke die Rekonstruktion des Neumarkts gegen erheblichen politischen Gegenwind durchgesetzt habe. Dresden sei dadurch zu einem Vorbild für die Stadterneuerung weltweit geworden. Die Anerkennung solle die Autorität von Kulke und der GHND für weitere Rekonstruktionsprojekte und neue traditionelle Architektur in und um Dresden bestärken, ebenso wie ähnliche Initiativen, so in Berlin, Potsdam und Frankfurt am Main. (SZ/kh)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Dali0815

    Torsten Kulke am „Neumarkt“? Find den Fehler. Sehr peinlich.

  2. ich

    ... hatte in schon gefunden und bereits der SZ mitgeteilt. ;-)

  3. knut knebel

    @1: Sie verweisen genau aufs Problem: Dresdens Plätze sind nicht erkennbar, sie sind öde, räumlich nicht definiert, oft austauschbar, es fehlen Strukturen einer Stadt und das Leben. Zumindest gilt das für nahezu alles zwischen winzigem Stadtkern und peripherer Randidylle. Das wäre das eigentliche Hauptthema, ist aber nicht einmal mehr bewußt. So folgt Scheitern auf Scheitern. Herr Kulke steht hingegen für einen sehr vernünftigen Weg der Stadtreparatur, welche natürlich zunächst am Neumarkt drängend war. Dabei wird nun gar nicht alles Moderne verteufelt, sondern die in ihrer Breite tatsächlich durchweg kranke und gescheiterte Moderne. Grundsätzlich ist man für alle guten Lösungen offen, aber man kann dies heute eben nicht mehr einer pathologischen Fachschaft allein überlassen, schon gar nicht einem nicht-öffentlich agierenden Stadtplanungsamt. Die GHND ist qua Entscheid legitimiert, Herrn Kulke gehört größte Hochachtung. Die Wüste ruft weiter - und zwar die sonstige Dresdner Stadtwüste.

  4. ole

    @3: Sie haben recht, was die Plätze betrifft. Gerade für die in der Inneren Neustadt (Palaisplatz, Neustädter Markt, Carolaplatz, Archivplatz) ist das eklatant. Ich glaube, das ist den Stadtplanern durchaus bewusst. Am Neumarkt funktionierte die Stadreparatur nach Vorstellungen von GHND gewiss, aber mit Einschränkungen. (Gegenbeispiel sind die nicht durchdachten Anbindungen an die Bebauung der Wilsdruffer Straße aus DDR-Zeiten.) Trotzdem kann die GHNM nun nicht einfach expandieren. Da ist es nicht mit ein paar Barockfassaden auf alten Grundrissen getan. An den genannten Plätzen wird der Gegenwind aus einer anderen Ecke wehen. Wehe dem, der sich an Dresdens Verkehrsschneisen vergreift. Am Neumarkt war dagegen gut werkeln.

  5. S.T.

    Man sieht und liest immer wieder, wie begeistert die Menschen vom Neumarkt sind, und wie belebt der Platz ist. Warum kappieren das die ganzen Investoren 300m weiter nicht?

  6. Robby

    Herzlichen Glückwunsch. Dieser Preis bedeutet sehr viel für diese Form des Engagements. Besonders in Hinblick, dass Dresden, namentlich ihrer Verwaltung eher Gegenteiliges ermöglicht und gefördert (hat). Gerade der Gegenwind ist so bitter, da angesichts des überwältigenden Erfolges und Zuspruchs -hier auch überregional/akademisch- daran zweifeln lässt, ob der Obrigkeit das Wohl und das Streben nach dem Besten der eignen Stadt immanent ist. Dresden sollte endlich die richtigen Schlüsse ziehen und nicht stur den Maximen eines sozialistischen Vorbildes und des egozentrischen Modernistentums folgen oder sich des kapitalistischen Heuschreckentums ergeben. Eine Stadt lebt nicht vom umbauten Raum allein, sondern von Alleinstellungsmerkmalen, welche sie in der Konkurrenz der Städte unverwechselbar schön sein lässt. Ein Zustand nach 700jährigem organischen Stadtwachstums und Architektur, vor der Zerstörung durch Krieg und zwei Diktaturen, bietet da beste Orientierung. Mit guten neuen Elementen.

  7. Mkm

    Dresden ein "Vorbild für die Stadterneuerung"? Außerhalb Dresdens wird dieser Mickey-Maus-Stil eher belächelt oder mit Kopfschütteln wahrgenommen. Wirkliche Stadterneuerung würde versuchen, flächendeckend Urbanität zu erzeugen - was aber, wie ole (#4) schreibt, das Abrücken von dem breiten Auto-Schneisen bedeuten würde, die in der Zeit autogerechter Stadtplanung (und des DDR-Größenwahns) nach dem Krieg geschlagen wurden. Stadtentwicklung und Stadtplanung besteht aus viel mehr, als an neue Gebäude alse Fassaden zu kleben. Wie weit es damit ist, kann man an den neuen Planungen zur Kesselsdorfer Straße sehen: Die einstige Einkaufsstraße soll auch weiterhin mehr Einfallschneise denn Stadtraum sein. Aber da sind ein paar Fassaden natürlich einfacher durchzusetzen.

  8. knut knebel

    @7 Mkm: Versuchen Sie es doch mal mit Mkm = Mich küßt die Muse. Dann erscheinen sie vielleicht weniger lächerlich, denn gerade weil man außerhalb Dresdens geradezu neidisch auf den Neumarkt blickt (hier mal positiv), hat Herr Kulke den Preis bekommen. Ansonsten scheinen sie auch grundsätzlich das 1mal1 des Städtebaus zu entbehren, denn was sie weiter daherleiern ist Binse und an der Kellei übrigens auch gut so. Fluchen sie also nicht zu laut, ihr Plattenbau ist hellhörig. * * * @ ole: ich denke bei sowas vielmehr ans Südelbische. Ausnahmen wie Fetscher- oder Th.-Müntzer-Platz kann man finden - teil noch unfertig. Aber Rathenau-Georg-Böhnisch-Strehlener-Lennéplatz und wie sie alle heißen. Viele sind ja zudem überbaut und gar nicht mehr sichtbar. Das waren oft sogar Schmuckplätze mit Ziergrün.

  9. S.T.

    @Mkm: Ich habe es in Kommentaren schon mehrfach geschrieben. Das Problem was Sie ansprechen, haben viele Städte, weltweit. Es sind nach dem Krieg schwere Fehler gemacht wurden, nicht nur in Dresden. Es war damals modern 6-spurige Straßen quer durch die Innenstädte zu bauen, überall. Aber diese Fehler zu beheben, dauert Jahrzehnte. Und alle 4-5 Jahre Neuwahlen, sind diesbezüglich auch nicht sonderlich hilfreich. Die eine Regierung macht dies und das, die nächste wieder alles anders. Was heute so außerhalb des Neumarktes gebaut wird, da stehen mir teilweise die Haare zu Berge. Und eins noch, Dresden wird außerhalb nicht belächelt, das stimmt nicht, ganz im Gegenteil. Die meisten Oberbürgermeister anderer Städte werden grün vor Neid wenn Sie sehen, was hier in den letzten 28 Jahren geschaffen wurde. Es ist nicht alles schön, keine Frage, aber das war es noch nie.

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