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Dienstag, 21.03.2017

Neues vom Schneckenhaus

Für den Kita-Neubau in Bischofswerda steht der Baubeginn fest. Viele schöne Details wecken Vorfreude. Bei den Kosten gibt es Druck.

Von Gabriele Naß

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Die Perspektive aus Sicht der künftigen Regenbogenvilla (vorn). Jedes Kinderhaus bekommt nicht nur seinen eigenen Gebäudeteil im „Schneckenhaus“, sondern auch separate, großzügige Außenanlagen. 2880 Quadratmeter sind es für die Regenbogenvilla, 3057 Quadratmeter für das Haus Sonnenschein.
Die Perspektive aus Sicht der künftigen Regenbogenvilla (vorn). Jedes Kinderhaus bekommt nicht nur seinen eigenen Gebäudeteil im „Schneckenhaus“, sondern auch separate, großzügige Außenanlagen. 2 880 Quadratmeter sind es für die Regenbogenvilla, 3 057 Quadratmeter für das Haus Sonnenschein.

© Bauplanung Bautzen GmbH

Vorn das künftige Kinderhaus Sonnenschein. Auffallend ist die Galerie auf dem Dach. Gebaut werden soll in beiden Einrichtungen sehr individuell. Krippenkinder bekommen ihre Räume in den besonders ruhigen Gebäudeteilen.
Vorn das künftige Kinderhaus Sonnenschein. Auffallend ist die Galerie auf dem Dach. Gebaut werden soll in beiden Einrichtungen sehr individuell. Krippenkinder bekommen ihre Räume in den besonders ruhigen Gebäudeteilen.

© Bauplanung Bautzen GmbH

Bischofswerda. An mehreren Stellen gleichzeitig wird jetzt der Neubau für zwei Kindereinrichtungen unter einem Dach in Bischofswerda Süd vorbereitet. Die Stadt hat gerade zwei Fördermittelanträge fertiggestellt und eingereicht. Seit 10. März hat sie auch den Bauantrag der beauftragten Firma Bauplanung Bautzen auf den Tisch. Die Mitarbeiter der die Fördermittel bearbeitenden Behörde dürften angefangen haben, die Anträge zu prüfen oder das in den nächsten Tagen tun. Die Zeit drängt, in Bischofswerda wird bald eine Zusage gebraucht. Dass die Fördermittelanträge in allem dem entsprechen, was dafür in Sachsen Gesetz ist, garantiert die Firma Bauplanung Bautzen. Vor Abgeordneten des zuständigen Stadtratsausschusses, die die Kosten am Ende mit zu verantworten haben, und auf eine konkrete Frage zur Wahrscheinlichkeit der Bewilligung von Fördermitteln vom Abgeordneten Steffen Grafe (FDP) sagte Geschäftsführer Falko Hinz: „Wir haben seit 25 Jahren Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Fördermittelgebern. Wir arbeiten mit Prüfschema. Wir gehen von einer hohen Akzeptanz der Fördergeldprüfer aus.“

Enges zeitliches Korsett

Auf den für den Kita-Neubau in Bischofswerda zuständigen Mitarbeitern der Bauplanung Bautzen lastet derzeit vor allem Zeitdruck. Bis 10. März sollte der Bauantrag eingereicht werden. Parallel geht es um die Vorbereitung des Abrisses der leer stehenden Schule an der Bonhoefferstraße, deren Gelände zum Neubauareal gehört. Dafür liegen die Bearbeitung eines Schadstoff- und eines Entsorgungskonzeptes auf dem Tisch. Bis Ende August müssen die Unterlagen so weit bearbeitet sein, dass ausgeschrieben und die Bauleistungen für den Abriss vergeben werden können, sagte Falko Hinz. Für Anfang Juni rechnet die Bauplanung Bautzen GmbH mit der Baugenehmigung. Danach folgt bis 30. Juni die Prüfung der Statik. Anschließend werden die Verdingungsunterlagen erarbeitet und es beginnt die Ausführungsplanung. Im Juni oder Juli sollen die Arbeiten am Neubau ausgeschrieben werden. Und am Ende steht das Entscheidende: Baubeginn soll am 2. Oktober sein. Die Bodenplatte soll auf alle Fälle noch in diesem Jahr gegossen werden. Wie weit danach noch gebaut werden kann, bevor der Winter kommt, hängt ab vom Wetter.

Fragen nach realistischen Kostenermittlungen

Mit den Kosten für das Projekt beschäftigten sich immer noch Stadtverwaltung, Stadträte und Bauplanungsfirma gleichermaßen. Der Druck ist groß, das räumte Falko Hinz von Bauplanung Bautzen jetzt auch im zuständigen Stadtratsausschuss ein. Die ermittelten Kosten liegen nun bei 4,658 Millionen Euro brutto. 4,6 Millionen Euro inklusive Fördermitteln und eigenem Geld hat die Stadtverwaltung als Bauherr angesetzt. Aus Sorge um nicht finanzierbare Mehrkosten aufgrund des strengen Sparprogramms bei der Stadt fragten Stadträte vor allem aus den Reihen der Linken und von BfB nach, wie realistisch die jetzt vorgelegte Kostenermittlung ist. Er wolle noch einmal eine Lanze brechen für alle, die sich Sorgen machen wegen des geplanten Rundbaus, der den Neubau unnötig teurer machen kann, sagte Stadtrat Hans-Jürgen Stöber. „Wir haben keinerlei Reserve“, warnte er. „Reicht das Geld für die Ausstattung?“, fragte Robert Geburek (BfB). Die dafür geplante Summe käme ihm aus seiner Erfahrung als Heimleiter der Diakonie, wo gerade auch neu gebaut wird, zu gering vor. Man plane mit einer Mindestausstattung, und damit, dass in den jetzigen Einrichtungen nicht alles weggeschmissen wird, sagte Oberbürgermeister Holm Große.

Anschluss an Fernwärme

Hinterfragt wurden von den Abgeordneten auch spätere Betriebskosten. Geplant sind elektrische Jalousien an den zum Teil großen Fenstern, darunter ein Winkfenster für die Kinder, wenn sie ihren Eltern tschüss oder Hallo sagen wollen. Der Stromverbrauch dafür sei kalkuliert, er müsse kalkuliert werden, weil Fenster nach Süden und Westen den Vorschriften nach Außenjalousien haben müssen, erklärten die Experten. Innenjalousien reichten nicht. Üblich sei elektrischer Betrieb. Die Wärmeversorgung betreffend sagte Oberbürgermeister Holm Große: Der Kita-Neubau wird ans Fernwärmenetz von Bischofswerda Süd angeschlossen. Die Wärme kommt also vom Heizhaus an der Belmsdorfer Straße, das mit einem modernen Blockheizkraftwerk ausgestattet ist. Die Entscheidung ist umstritten. „Sie fiel nach einem Kostenvergleich“, so der OB. Mitarbeiter von Bauplanung Bautzen versicherten am Ende der Diskussion, alle Erfahrungen in die Waagschale zu werfen und alle Register zu ziehen, um den Bau mit der geplanten Summe fertigzustellen. Dazu gehört, Baupreise genauestens zu verfolgen, um im Ernstfall übern Winter auch ein zweites Mal auszuschreiben. Beim neuen Berufsschulcampus in Bautzen, der jetzt fertig ist und den auch Bauplanung Bautzen verantwortet hat, ist am Ende weniger Geld ausgegeben worden als geplant. Eine Garantie gibt es natürlich nicht, dass das auch in Bischofswerda gelingt, weil Baupreise genauso schnell nach oben gehen wie sie fallen.

Erzieherinnen und Eltern arbeiten an Details mit

Gut beschäftigt mit der Vorbereitung des Kita-Neubaus sind auch die Erzieherinnen und Eltern der beiden Bischofswerda Einrichtungen, die einziehen werden: Sonnenschein und Regenbogenvilla. An den vielen Details zur jetzt fertigen Raumplanung durften sie schon mitarbeiten. Die auf dem Gebäudeteil des Hauses „Sonnenschein“ aufgesetzte Galerie entspricht den Wünschen. Auch das „Winkfenster“. Insgesamt wird für 180 Kinder gebaut, 90 in jeder Einrichtung, jeweils mit Bereichen für Krippen- und Kindergartenkinder. Die Lösung als Rundbau in einer Mischung aus rund und linear orientiere sich an den Kosten, mache aber für die künftigen Nutzer, vor allem die Kinder, viel mehr möglich. „Das bietet Raum für Nischen, für Individuelles, für pädagogische Konzepte. Es ist was Besonderes. Es gibt keine Kasernenflure“, sagt Bauplaner Falko Hinz. Für ihn ist der so geplante Neubau „ein Zeichen von Haltung und Qualität. Ein Signal in Richtung Zukunft.“

Der Neubau in Bischofswerda Süd ist der Anfang vom Umbau der Kita-Landschaft in Bischofswerda. Mit dem Neubau verlässt das Kinderhaus „Sonnenschein“ auf Beschluss von Stadt und Stadtrat die Innenstadt. Die jetzige Kinderhausvilla wird voraussichtlich durch die Stadt verkauft. Welche Einrichtungen in der Innenstadt künftig wo ihren Platz haben, neu gebaut oder modernisiert werden, ist noch Teil der bisher ausschließlich intern geführten Diskussion. Unterschiedliche Meinungen vor allem zur Zukunft der Hortstruktur in der Innenstadt prallten bisher aufeinander. Auch freie Träger melden Interessen an. Was aus der von der Verwaltung angedachten Überleitung aller städtischen Kitas der Stadt in freie Trägerschaft wird, ist offen. Der Stadtrat hatte einen entsprechenden Antrag Ende letzten Jahres abgeschmettert. Jetzt muss von Neuem Anlauf genommen werden.