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Freitag, 08.12.2017

Neues Stadtquartier auf Rittergutsgelände

Investor und Volkssolidarität haben ihre Pläne für das Gebiet Am Hofwall vorgestellt. Rund 250 Leute werden dort leben, um die 70 Mitarbeiter gebraucht.

Von Sven görner

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So soll das neue Wohngebiet Am Hofwall aussehen. Das große Gebäude links ist das Pflegeheim. Die vier Häuser rechts werden für junge Familien gebaut, in denen in der Mitte wird betreutes Wohnen angeboten. Bis auf das Dach des Pflegeheims werden alle begrünt.
So soll das neue Wohngebiet Am Hofwall aussehen. Das große Gebäude links ist das Pflegeheim. Die vier Häuser rechts werden für junge Familien gebaut, in denen in der Mitte wird betreutes Wohnen angeboten. Bis auf das Dach des Pflegeheims werden alle begrünt.

© Hentschke Bau GmbH

Das Foto zeigt einen Teil der Baufläche mit den beiden unbewohnten Altgebäuden.
Das Foto zeigt einen Teil der Baufläche mit den beiden unbewohnten Altgebäuden.

© Norbert Millauer

Radeburg. Frank Stritzke, der Geschäftsführer der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V., sagte es gestern zwar nur in einem Nebensatz, aber dennoch mit Stolz: „Wir freuen uns, nach 27 Jahren wieder nach Radeburg zurückzukehren.“ Mit der Wende hatte die Volkssolidarität die Schlüssel des Seniorentreffs an die AWO übergeben müssen. Inzwischen wird der Treff von der Stadt selbst betreut.

Nun also kehrt die Volkssolidarität in die Zille-Stadt zurück. Auch mit einer neuen Begegnungsstätte, vor allem aber mit Wohnraum, in dem alte Menschen je nach Bedarf und Wunsch betreut werden können. Möglich wird das dank der Kooperation mit der Firma Hentschke GmbH aus Bautzen. Der Wohlfahrtsverein und das Unternehmen arbeiten bereits seit gut zwei Jahren zusammen, wie dessen Prokurist Volker Böhme sagt. In das Vorhaben auf dem ehemaligen Rittergutsgelände Am Hofwall will die Bautzener Firma insgesamt rund 22,5 Millionen Euro investieren. Der Vertrag mit der Volkssolidarität steht kurz vor dem Abschluss.

Und auch der vorhabenbezogene Bebauungsplan, dessen Aufstellungsbeschluss der Radeburger Stadtrat vor knapp einem Jahr gefasst hatte, befindet sich in der entscheidenden Phase. Derzeit läuft gerade noch die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. So war der Plan am Donnerstagabend auch Thema im Technischen Ausschuss des Moritzburger Gemeinderats.

Gibt es keine erheblichen Einwände und die Stadträte können den Satzungsbeschuss im Januar oder Februar fassen, plant der Bauherr den Start der Arbeiten für den April nächsten Jahres. Im III. Quartal, so das ehrgeizige Ziel, soll dann das neue Stadtquartier Am Hofwall fertig sein.

Zu diesem werden insgesamt neun dreistöckige Gebäude gehören. Im größten soll ein Pflegeheim mit 93 Plätzen untergebracht werden. Als Betreiber wird die Euro Plus Senioren-Betreuung GmbH aus Chemnitz fungieren. Sie ist ein Tochterunternehmen der Chemnitzer Volkssolidarität. In den Einrichtungen des Unternehmens von Radebeul bis Bayern arbeiten nach Auskunft von Geschäftsführer Andreas Lasseck derzeit etwa  1 100 Mitarbeiter aus rund 30 Ländern. Für das geplante Heim in der Zille-Stadt werden nach seinen Worten 70 bis 75 Mitarbeiter benötigt.

Den zweiten Bereich der Wohnanlage bilden vier Häuser mit insgesamt 52 barrierefreien Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen. Diese sollen zwischen 52 und 70 Quadratmeter groß sein. Alle Wohnungen werden entweder eine Terrasse oder eine Loggia haben. Fußbodenheizung, bodengleiche Duschen, breite Flure mit Handläufen, Automatiktüren und Fahrstuhl gehören ebenso zur Ausstattung. Angeboten werden sollen die Wohnungen zu Kaltmieten zwischen neun und 10,50 Euro je Quadratmeter. Dazu kommt noch eine Betriebskosten-Vorauszahlung von 2,30 Euro je Quadratmeter im ersten Jahr, die dann dem Verbrauch angepasst wird. Die Betreuungsleistungen werden schließlich über einen zusätzlichen Vertrag mit einer Pauschale von 150 Euro im Monat geregelt. Umgesetzt wird das betreute Wohnen in den 52 Wohnungen von der Sozialprojekt Volkssolidarität Elbtalkreis gemeinnützigen Betriebsträgergesellschaft mbH – einer hundertprozentigen Tochter der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V.

In einem dieser vier Häuser soll auch die bereits erwähnte Begegnungsstätte untergebracht werden. Deren Angebote sind zwar vorrangig für die dortigen Bewohner gedacht, sollen je nach Platzkapazität aber auch den anderen Radeburgern offenstehen.

Was sowohl Frank Stritzke als auch Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) freut, ist die Tatsache, dass die Hentschke Bau GmbH neben dem Wohnraum für alte Menschen auch vier Häuser mit 32 Wohnungen für junge Familien errichten will. Diese sollen 90 bis 108 Quadratmeter haben, der genaue Mietpreis, so Volker Böhme, sei aber noch nicht fertig kalkuliert. „Sie werden am oberen Ende der ortsüblichen Miete liegen. Also ab 7,50 Euro.“

Die beiden noch auf dem künftigen Baugelände stehenden alten Häuser werden übrigens abgerissen. Das näher an der Röder stehende sei inzwischen von der Denkmalliste genommen worden, so Volker Böhme. „Wir haben die neuen Gebäude so geplant, dass es auch hätte stehenbleiben können.“

Am 13. Dezember veranstalten die Volkssolidarität im Kulturbahnhof Radeburg eine öffentliche Projekt-Präsentation für alle Zille-Städter. Interessierte Bürger erfahren ab 15 Uhr alle Einzelheiten zu dem Bauvorhaben.