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Freitag, 19.05.2017

Neues Leben im alten Kaufhaus

Am Sonnabend startet in der Steinstraße in Görlitz das elfte Zukunftsvisionen-Festival. Es nutzt drei Etagen. Die ersten Künstler sind längst da.

Von Ingo Kramer

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Das Team der Zukunftsvisionen 2017 um Franziska Brandts (links sitzend im gelben Pullover) hat sich im Parterre der Steinstraße 2 bis 5 versammelt.
Das Team der Zukunftsvisionen 2017 um Franziska Brandts (links sitzend im gelben Pullover) hat sich im Parterre der Steinstraße 2 bis 5 versammelt.

© nikolaischmidt.de

Während der Künstler Niko Wolf seine Installation im zweiten Stock aufbaut.
Während der Künstler Niko Wolf seine Installation im zweiten Stock aufbaut.

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Und Ania Caban vom Görlitzer Kollektiv KFünf neue Barhocker baut. Fotos: Nikolai Schmidt
Und Ania Caban vom Görlitzer Kollektiv KFünf neue Barhocker baut. Fotos: Nikolai Schmidt

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Görlitz. Wenn Niko Wolf die Ventilatoren anschaltet, wird es windig. Sieben Stück hat der Künstler aus Jesteburg bei Hamburg zu einer Installation verbunden und so an den Deckenbalken aufgehängt, dass sie ein „V“ bilden. „Ich habe sie zuerst in Hamburg in einem früheren Dampfbootwartezimmer gezeigt“, sagt der 34-Jährige. Als er hörte, dass auch beim Görlitzer Zukunftsvisionen-Festival Kunst in einem leer stehenden Gebäude gezeigt werden soll, beschloss er, sich mit der Installation „Das große Lüften“ zu bewerben. Und siehe da, bei der Jury kamen die Ventilatoren gut an und so ist Niko Wolf an diesem Montag nach Görlitz gereist, um „Das große Lüften 2“ im früheren Kaufhaus Totschek in der Steinstraße 2 bis 5 aufzubauen.

Am Sonnabend, 17 Uhr, beginnt hier das elfte Zukunftsvisionen-Festival. Wie immer seit 2007 sind es vor allem Studenten des Studienganges Kultur und Management, die ein leer stehendes Gebäude für ein paar Tage mit Kunst beleben, diesmal bis 27. Mai, also nächsten Sonnabend. „20 Künstler stellen im ersten und zweiten Obergeschoss aus“, sagt Franziska Brandts vom Team. Die Künstler nutzen sowohl die großen Säle als auch viele kleine Nebenräume. Das Spektrum ist breit, Fotos von leer stehenden Gebäuden sind ebenso zu sehen wie Zeichnungen und Videoinstallationen.

Und unten im Parterre gibt es an allen Tagen ein umfangreiches Rahmenprogramm, unter anderem Sagen-Poesie, einen Poetry Slam, eine Kurzfilmnacht und Workshops wie Impro-Theater oder Bodypainting, dazu natürlich jede Menge Musik. Und eine Bar. Die wird, wie schon in den Vorjahren, vom Görlitzer Kollektiv „KFünf“ betrieben. Das Filmteam, das voriges Jahr in dem Kaufhaus den Streifen „Es war einmal in Deutschland“ gedreht hat, hat KFünf ein Geschenk gemacht: Einen Schrank, der alt aussieht, aber es nicht ist. „Daraus haben wir jetzt unsere Bar gebaut“, erzählt Ania Caban von KFünf. Sie ist gerade noch dabei, ein paar Barhocker zu bauen und bunt anzumalen.

Franziska Brandts ist derweil ganz entspannt. Und das, obwohl das Festival vor einer besonderen Herausforderung steht: Die höheren Jahrgänge ihres Studienganges waren im Winter alle gleichzeitig im Auslandssemester. Deshalb wird Zukunftsvisionen diesmal ausschließlich von Erstsemestlern organisiert, also jungen Leuten, die erst seit Herbst in Görlitz sind und noch nie ein Zukunftsvisionen-Festival erlebt haben. „Seit Anfang April sind wir in der Steinstraße“, sagt Franziska Brandts. Das war genug Zeit, um – parallel zu Vorlesungen und Seminaren – das Haus zu reinigen und für das Festival herzurichten.

Auch mit Hans-Ulrich Leonhardt, der die Räume normalerweise als Ausstellungsort für seine historischen Möbel nutzt, gibt es eine gute Zusammenarbeit. Die Möbel sind immer noch da. „Aber wir haben sie nach hinten geräumt und diese Ecken mit Tüchern abgehangen, damit nichts passiert“, sagt die 19-Jährige, die aus dem bayrischen Füssen hergezogen ist. Auch der Hauseigentümer ist sehr offen für das Festival: „Er hat uns noch nicht mal einen Termin genannt, bis wann wir alles leer geräumt haben müssen“, sagt sie. Dass die Lage des Hauses optimal ist, sehen die Studenten schon in der Vorbereitungszeit: Görlitzer und Touristen gleichzeitig bevölkern die Steinstraße – und drücken sich gern mal die Nasen an den Schaufenstern platt, um zu sehen, was drinnen passiert.

Und das ist viel, die Studenten sind täglich am Bauen und Vorbereiten, wollen den großen Raum im Parterre sogar für einzelne Veranstaltungen mit 70 Stühlen ausstatten und haben zusätzlich auch einen der zwei kleinen Innenhöfe so hergerichtet, dass ihn Gäste für eine Raucherpause oder zum gemütlichen Sitzen nutzen können. Was es in dem Gebäude und auch im Hof nicht gibt, sind Toiletten. „Dafür kooperieren wir mit dem Café Hotspot, gleich um die Ecke am Obermarkt“, sagt Franziska Brandts. Es ist zu den Ausstellungszeiten geöffnet und Gäste können die dortigen Toiletten nutzen. Auch ein Konzert innerhalb des Rahmenprogramms findet im Café Hotspot statt: Der Auftritt von Dream Department an diesem Sonntag, 19 Uhr.

Und worauf freut sich Franziska Brandts selbst am Meisten? „Auf keinen einzelnen Programmpunkt, sondern darauf, dass das Festival stattfindet, auf das wir so lange hingearbeitet haben“, sagt sie. Und darauf, die Kunstwerke zu sehen, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Künstler Niko Wolf allerdings wird schon wieder abgereist sein, wenn das Festival startet. „Ich arbeite zu Hause auch als Kunstpädagoge, da kann ich nicht zu lange weg sein“, sagt er. Doch er will ein zweites Mal nach Görlitz kommen: Zum Abbau seiner Ventilatoren nach dem Festival.

Vernissage am Sonnabend, ab 17 Uhr. Danach ist bis 27. Mai geöffnet, Zeiten und Preise variieren täglich

www.zuvi-festival.de

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