• Einstellungen
Dienstag, 02.01.2018

Neues Jahr, selbe Vergangenheit

Leider sind die Erinnerungen zu Silvester nicht am Himmel explodiert. Ein zeitloser Rückblick.

Von Kevin Schwarzbach

Alte Motorschiffe, kleine grüne Pfeile und schöne Pferde – was uns 2017 nicht alles beschäftigt hat.
Alte Motorschiffe, kleine grüne Pfeile und schöne Pferde – was uns 2017 nicht alles beschäftigt hat.

© Sebastian Schultz und Lutz Weidler

Riesa. Das ging jetzt aber wieder schnell, liebe Leser. Kaum hatte der Dezember begonnen, kam schon der Weihnachtsmann und flog auch gleich wieder auf einer Rakete davon. 2017 war nicht anders als 2016, 2004 oder 1993, es verging so rasant und endete so laut wie jedes andere Jahr. Für viele ist Silvester der ideale Moment, die schlimmen Erinnerungen des zurückliegenden Jahres mit den bunten Feuerwerkskörpern in den Himmel zu schicken und für immer vergessen zu machen. Doch ich halte es da eher mit Baron Bresson: „Die Vergangenheit ist die Mutter der Zukunft.“

Und die wird auch 2018 von einer gigantischen Diskussion über ein kleines Symbol geprägt sein. Der sogenannte Grünpfeil, ein Schild, das Rechtsabbieger zu wahren Göttern macht und ihnen das Fahren trotz rot leuchtender Ampel erlaubt, sorgte Mitte des Jahres für Debatten. Weil es an der Kreuzung Riesapark/ Rostocker Straße im Jahr 2015 zwölf Unfälle mit drei Verletzten gab, wurde sie als Unfallhäufungsstelle eingestuft und das kleine Symbol demontiert. Der Aufschrei war riesig, die Maßnahme schien beinahe so unpopulär wie Helene Fischers Auftritt in der Halbzeit eines Fußballspiels. Nun ja, was soll man sagen? Das Rechtsabbiegen hat trotz allem überlebt.

Bei der Stadtbahn war das vergangene Jahr nicht immer sicher. Gleich mehrmals quälte sie sich durch schwere Krankheiten, bei denen teils ungewiss war, ob sie überleben wird. Die schlimmste dieser Krankheiten machte gar eine Organspende notwendig, zumindest im übertragenen Sinn. Die Freunde des blau-weißen Gefährts sammelten Geld für die Therapie, den benötigten Motor konnte sich leider keiner aus dem Leib schneidern. Dafür schlachtete ein Kind sein Sparschwein, um der Bahn das Überleben zu sichern.

Jeder will einzigartig sein, alle wollen ihren Namen exklusiv haben, wie die Käufer von Tickets der in Riesa geplanten Show Apassionata schmerzlich feststellen mussten. Die FVG sagte die Veranstaltung ab, weil sich die Macher der Show um die Nutzung des Namens fetzten. Doch wer dachte, der Name Apassionata sei deshalb nun verschwunden, musste überrascht feststellen, dass die FVG die Sachsenarena stattdessen an einen Münchner Veranstalter vermietete, der im Oktober die Pferdeshow „Apassionata – Der Traum“ präsentierte. Die Moral der Geschichte? Mann muss nicht alles verstehen, sollte aber gut auf seinen Namen aufpassen.

Das gilt auch für die BSG Stahl Riesa. Sie rückte vergangenes Jahr unerwartet in den Fokus des chinesischen Staatschefs Xi Jinping, der am Aufbau einer Nachwuchsförderung arbeitet, die zahlreiche chinesische Starfußballer hervorrufen soll. Doch bei allem Respekt: Was hat denn bitte Riesa damit zu tun? Die glorreichen Zeiten, in denen das Ernst-Grube-Stadion unter den Gesängen tausender Fans bebte, sind längst vorbei. Da sich das offenbar noch nicht bis in den fernen Osten herumgesprochen hat, besuchte einer der vielen Vertreter, die dem Staatschef bei der Förderung des Fußballs helfen sollen, unsere beschauliche Elbestadt. Schlau wie wir Riesaer sind, sagte ihm hier natürlich keiner, dass er sicherlich zu RB Leipzig wollte, aber etwas zu früh aus seinem Auto gestiegen ist. Stattdessen machten wir gleich die Unterstützung klar und können nun in China vielleicht ein Abbild unseres Fußballstolzes aufbauen. Nur unseren Namen sollten wir gut festhalten.

Auch für Träumer hielt das zurückliegende Jahr wieder spannende Wendungen bereit. So blickt die JVA Zeithain unerwartet in eine Zukunft, die es schon nicht mehr zu geben schien. Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) ist noch im Amt und will sich für ein Fortbestehen der Anstalt einsetzen, die eigentlich 2020 geschlossen werden soll. Da bleibt für die MS Riesa nur zu hoffen, dass sich das Ministerium für Wissenschaft und Kunst dafür ausspricht, das kleine Schiff in eine Kleinkunstbühne zu verwandeln, was auch immer es kosten wird. Und wenn sich die Träume für das neue Jahr nicht erfüllen, können wir wenigstens darauf vertrauen, dass eines sich auch 2018 nicht ändern wird: In Riesa und Umgebung wird gebaut werden, was das Zeug hält. Und diskutiert.

Über den Tag der Sachsen beispielsweise. Der wird noch bis 2019 und sicher auch darüber hinaus für Furore in der Region sorgen. Jahre sind eben auch nur simple Zahlen, die unser Leben in Bahnen leiten. Das neue wird wie das alte, in jedem Falle ereignisreich.

Desktopversion des Artikels