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Donnerstag, 07.09.2017

Neuer großer Hoffnungsträger

Ein Mann wie ein Schrank, dazu aufgeweckt und torgefährlich – Peniel Mlapa hat Dynamo gerade noch gefehlt.

Von Tino Meyer

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Die Mimik täuscht, und das gewaltig. Peniel Mlapa hat weder Angst vorm Ball noch vor der neuen Aufgabe. Dynamos neuer Stürmer weiß vielmehr, was ihn erwartet.
Die Mimik täuscht, und das gewaltig. Peniel Mlapa hat weder Angst vorm Ball noch vor der neuen Aufgabe. Dynamos neuer Stürmer weiß vielmehr, was ihn erwartet.

© Robert Michael

Gleich beim ersten Training ist der 26-jährige Mlapa mittendrin – und an der Seite von Eero Markkanen (re.), seinem Konkurrenten im Angriff.
Gleich beim ersten Training ist der 26-jährige Mlapa mittendrin – und an der Seite von Eero Markkanen (re.), seinem Konkurrenten im Angriff.

© Robert Michael

Sein erster Arbeitstag in Dresden beginnt früh am Morgen und ist vollgepackt bis weit in den späten Nachmittag hinein. Erst der Fototermin für Porträt-Aufnahmen, die der Verband erhält, dann Vorstellungsrunde in der Kabine bei den neuen Kollegen, anschließend eine ärztliche Untersuchung, erstes Training, ein paar Statements für die Presse, noch mal Fotos und eine weitere Untersuchung, Interview für die Vereinshomepage – das zieht sich. Schließlich der vielleicht wichtigste Termin des Tages: das persönliche Gespräch mit dem Trainer.

Die gute Laune lässt sich Peniel Mlapa trotz der Fülle an Verpflichtungen nicht nehmen. Warum auch? Er, der letzte von neun Neuzugängen, gilt als der große Hoffnungsträger bei Dynamo Dresden. Zudem kommt der Angreifer mit der Empfehlung von 79 Erst- sowie 109 Zweitligaspielen, und das im Alter von 26 Jahren. Entsprechend selbstbewusst tritt Mlapa, Spitzname Penny, auch auf. „Ich denke, ich habe den richtigen Schritt gemacht“, sagt er im Grundton absoluter Überzeugung.

Und die kann er ebenso wortgewandt wie schlüssig erklären. Dynamos offensive Spielweise habe ihm zum einen imponiert. Zum anderen, und das gab letztlich den Ausschlag für den von ihm aktiv vorangetriebenen Abschied vom VfL Bochum, sei er beim dortigen neuen Trainer Ismail Atalan nicht mehr erste Wahl gewesen. „Da war relativ schnell klar, dass ich weg will“, erzählt Mlapa ohne Umschweife.

Phrasen braucht er offenbar keine, er redet einfach munter drauflos. Dass der Wechsel nach Dresden nur ein paar Stunden vor Ende der Transferfrist zustande gekommen ist, stört ihn nicht. Ist ja auch nicht seine Schuld. Mit Dynamo sei er sich jedenfalls ziemlich zügig einig gewesen. „Aber es hängt nicht nur vom Spieler ab. Auch die Vereine müssen sich einigen, und dann sind da noch andere Dinge zu besprechen“, sagt Mlapa.

Seinen Drei-Jahres-Vertrag hat er daher am 31. August weder in Bochum oder Dresden unterschrieben, sondern – die Technik macht’s möglich – in Marokko. Für sein Heimatland Togo, wo er 1991 am 20. Februar geboren wurde, war Mlapa auf Länderspielreise – doch in Gedanken immer wieder bei Dynamo.

Groß, schnell, technisch versiert

Auch da helfen die modernen Kommunikationsmittel. „Ich habe mir viele Videos von den Spielen der vergangenen Saison angesehen, auch von dieser Saison natürlich“, betont er.

Mlapa weiß also einigermaßen, was ihn erwartet, und vor allem, was man von ihm erwartet. Groß, schnell, technisch versiert, dazu torgefährlich – „diese Art von Spieler wie mich hatte Dynamo noch nicht im Kader“, erklärt Mlapa. Besser müsste man sagen: nicht mehr seit dem Abgang von Stefan Kutschke. Tatsächlich erinnert der Hüne nicht nur aufgrund seiner Statur und Spielweise oder dem selbstsicheren Auftreten an den nach Ingolstadt gewechselten Publikumsliebling der Vorsaison. Es ist auch der Karriereverlauf, der Parallelen aufweist. Denn wie Kutschke vor seiner Ausleihe nach Dresden schien auch Mlapa zuletzt in einer kleinen Sackgasse angekommen zu sein. Sportlich ging es nicht mehr so recht voran, nachdem der Togoer, der mit zwei Jahren nach München kam, schon in der Bundesliga für Hoffenheim und Mönchengladbach gespielt hatte.

Tore hat er jedoch immer erzielt – zuletzt acht in der Vorsaison, unter anderem eins gegen Dresden. Klar, dass er die Marke gerne übertreffen möchte. Doch zu einer Kampfansage lässt sich Mlapa nicht verleiten. „Ich bin Stürmer, ich will immer Tore machen. Da lastet kein besonderer Druck auf mir“, sagt der kantige Mittelstürmer. Und die Einlassung, er habe immerhin stolze 750 000 Euro Ablöse gekostet, überhört er einfach – und erinnert stattdessen an Mitspieler Lucas Röser, der ja schon zwei Tore erzielt habe.

Der Trainer hat schon eine Idee

Auch wenn beim ersten Training zwei, drei Schüsse weit das Tor verfehlen, so einer wie Mlapa hat den Schwarz-Gelben vermutlich wirklich noch gefehlt im durch späte Zugänge wie Paul Seguin insgesamt mindestens gut besetzten Kader. Mlapa könnte den Unterschied ausmachen. Jannik Müller, Dynamos Innenverteidiger, ist jedenfalls froh, nur noch im Training gegen den früheren deutschen U 21- und U 19-Nationalspieler antreten zu müssen. Und Cheftrainer Uwe Neuhaus hat auch schon konkrete Ideen, „wie es jetzt laufen könnte“.

Weil Mlapa aber nicht zuletzt nach diesem ersten Tag schon viele Eindrücke zu verarbeiten hat, geht die Wahrscheinlichkeit gegen null, dass er tags darauf im Heimspiel gegen Fürth zur Anfangsformation gehört. Im Kader stehen wird er jedoch ganz bestimmt. Mlapa selbst lacht und meint: „Ich bin frisch, ich bin da. Von meiner Seite gibt es da keine Probleme.“ Gut zu wissen.

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