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Mittwoch, 14.02.2018

Neue Minister verzweifelt gesucht

Nicht jeder kann Minister sein. Fachkenntnisse allein reichen jedenfalls nicht aus. Es geht wohl um andere Fähigkeiten.

Von Thomas Lanig

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Bei den Kabinettssitzungen in Berlin versammelt die Kanzlerin ihre Minister. Wer das in einer neuen Regierung sein wird, steht noch längst nicht fest. Die Parteien suchen vor allem junges Personal.
Bei den Kabinettssitzungen in Berlin versammelt die Kanzlerin ihre Minister. Wer das in einer neuen Regierung sein wird, steht noch längst nicht fest. Die Parteien suchen vor allem junges Personal.

© action press

Natürlich muss ein Verkehrsminister nicht unbedingt Straßen bauen können, der Chef des Gesundheits-Ressorts nicht Arzt gewesen sein und ein Verteidigungsminister nicht zwingend Offizier der Bundeswehr. Aber was sind dann die Qualifikationen für ein Ministeramt? „Es geht auch um Fachwissen, aber wichtiger sind politische Führungsfähigkeiten“, sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. Fachkenntnisse ließen sich schließlich in relativ kurzer Zeit erwerben. Entscheidend sei etwas anderes: „Ein Minister braucht loyale Mitarbeiter, die ihm zuarbeiten. Das muss er im Griff haben.“

Der Politologe betont: „Mitarbeiterführung und Motivation sind das Allerwichtigste. Wenn ein Teil des Hauses gegen den Chef agiert und ihn im Regen stehen lässt, sieht das immer schlecht aus.“

Wie war das denn so mit der Sachkenntnis in der Vergangenheit? Der Historiker Stefan Winckler zitiert etwa den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der hat auf die Forderung nach Fachleuten in den Ressorts Finanzen oder Justiz gesagt: „Mit etwas überdurchschnittlicher Intelligenz kann man das.“

Dass die Pharmazeutin Irmgard Adam-Schwätzer Bauministerin wurde, oder der Grund- und Hauptschullehrer Jürgen Möllemann Wirtschaftsminister, hatte auch nichts mit fachlicher Qualifikation zu tun. Entwicklungsminister Dirk Niebel war Diplom-Verwaltungswirt und ehemaliger Fallschirmjäger. Dass er weithin für eine Fehlbesetzung galt, hatte aber andere Gründe.

Vor allem der Job des Außenministers gilt als ebenso prestigeträchtig wie schwierig. Der Politologe Niedermayer bescheinigt dem amtierenden Chefdiplomaten Sigmar Gabriel, er habe sich sehr schnell und gut in die Außenminister-Rolle eingearbeitet. „Da war Fachwissen am Anfang bestimmt nicht so vorhanden.“

Ein ganz anderes Beispiel: Guido Westerwelle, der das Auswärtige Amt unbedingt haben wollte, dann aber in der Bevölkerung und im Haus selbst ziemlich unbeliebt war. „Westerwelle hat sich eben nicht eingelassen auf das Amt“, so Niedermayer. Er sei immer in erster Linie Parteipolitiker geblieben.

Für die mögliche Neubesetzung des Auswärtigen Amts sieht Niedermayer durchaus fähige SPD-Kandidaten: Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen etwa hätte die politischen Fähigkeiten, vor allem aber die amtierende Familienministerin Katarina Barley: „Frau Barley könnte sich schnell einarbeiten.“ Dazu kämen ihre Sprachkenntnisse und ihre internationale Biografie als Tochter eines Briten.

Zu den erforderlichen Führungs- und Managementfähigkeiten gehört sicher auch politisches Gespür, das in einer langjährigen Parteikarriere wohl am ehesten erworben wird. So muss ein Minister ein Gefühl haben für die Probleme, die in seinem Haus auftreten. Das habe Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eben nicht immer gezeigt, sagt Niedermayer. „Das ist dramatisch wichtig. Man muss sich darauf verlassen können, dass das Frühwarnsystem der eigenen Leute funktioniert.“

Garantien für den Erfolg gibt es nicht. Und was ist eigentlich mit den sogenannten Expertenregierungen, die es in anderen Ländern immer wieder gibt? Niedermayer ist sich sicher: „Das funktioniert nicht, es reicht nicht aus, Experte zu sein. Solche Leute sind für den Politikbetrieb in der Regel nicht geeignet.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Thomas

    Richtig ein Minister muß ein guter Verkäufer sein. Vorallem wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben und es eindeutig zu ihren Gunsten ist.

  2. f.weber

    ich will finanzminister werden .... wo kann ich meine bewerbung hinschicken. ich ab kein parteibuch. hab aber ahnung. ich war noch nie pleite (wie andere politiker) und zahle brav meine steuern ohne steueroase.

  3. Berg

    Es gab mal eine Zeit, da wurden alle Führungskader genötigt, sich einer Partei anzuschließen, am besten der führenden, weil man dann die Richtlinien, Beschlusslagen der Staatsführung automatisch kennen lernte. - Heute wird bei keinem Chefarzt, Direktor, Uni-Professor, Manager, Schriftsteller, Regisseure, Schauspieler und sonstigen Experten eine Parteizugehörigkeit erwartet - im Gegenteil: könnte ja von diversen Thomassen als Lobbyist un Verruf gebracht werden. Also sind erstmal alle führenden Fachleute parteilos - bis auf Ausnahmen. Folge: die zweite Reihe (also die zweitqualifizierten) leisten sich noch Parteiarbeit - und werden gewählt! Folge: Zweitrangigkeit regiert. Bäääh! - Man sollte wieder führenden Leuten aus allen Bereichen Parteiarbeit nahelegen!

  4. Jonas

    Kein Wunder, dass die Zuarbeiter der Minister ihre Loyalität nur so lange halten, wie deren Privilegien , sprich Beamtenpensionen, Beihilfe, Private Krankenversicherung u.v.m. erhalten bleiben. Auch bei den aktuellsten Versuchen von Regierungsbildungen, werden dem Bürger die Kosten für deren Privilegien verschwiegen und zukünftigen Generationen vor die Füße geworfen. Es ist immer von Nachteil, wenn ein Minister auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Und die mehr als 60 % Verbeamteten Parlamentarier im Bundestag, tragen ihren Anteil dazu bei, dass das alles schön so bleibt.

  5. Steinhardt

    Also ich kann mir überhaupt keine Fachkenntnisse v.d.Layen im militärischen Bereich vorstellen. Aber komischerweise ist Sie seit Jahren Verteidigungsministerin. Und natürlich reichen rein theoretische Kenntnisse (auch mit Doktortitel) in irgendeinem Fach oder "Frauenquoten" nicht, um ein Ministerium oder gar den Staat erfolgreich zu leiten.

  6. mausi

    Hat denn je ein Minister von irgendwas Fachkenntnisse gehabt?Beim heutigen Zeitung lesen, nicht nur SZ,komme ich aus dem Lachen nicht mehr raus.

  7. Steinhardt

    Kommt Leute, habt euch nicht so, gebt mir den freien Ministerposten und ich ziehe das Ding mal 4 Jahre lang durch. Experten und Komissionen kann ich auch anfordern. Mit mir gibt es dann auch 4 Jahre mal keine Gehaltserhöhungen. Den Zugang von Lobbyisten zum Ministerium verbiete ich auch für 4 Jahre. Also Leute traut euch, ich bin Euer Mann.

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