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Dienstag, 02.01.2018

Neue Hülle für Abwasser-Tunnel

Der Rost hat dem großen Rohr an der Flügelwegbrücke stark zugesetzt. Das hat schon 110 Jahre durchgehalten.

Von Peter Hilbert

So groß ist der Abwasser-Tunnel an der Flügelwegbrücke. Hier hatten Mitarbeiter der Stadtentwässerung das Rohr 2013 gereinigt. Durch den sogenannten Düker fließt das Abwasser vom Altstädter Hauptkanal unter der Elbe hindurch zum Klärwerk.
So groß ist der Abwasser-Tunnel an der Flügelwegbrücke. Hier hatten Mitarbeiter der Stadtentwässerung das Rohr 2013 gereinigt. Durch den sogenannten Düker fließt das Abwasser vom Altstädter Hauptkanal unter der Elbe hindurch zum Klärwerk.

© André Wirsig

Das Dresdner Abwassersystem wird immer moderner. Dennoch setzt die Stadtentwässerung auch auf altbewährte Verbindungen. Die schöne Lage im Elbtal hat ihre Besonderheiten. Schließlich muss das Abwasser unter der Elbe hindurch vom linken zum rechten Ufer kommen, um letztlich im Klärwerk Kaditz gereinigt zu werden. Der Fluss ist ein enormes Hindernis. Dafür werden Rohrtunnel unter der Elbe gebraucht. Die heißen in der Fachsprache Düker, was aus dem Holländischen stammt und dort Taucher heißt.

Fünf solcher Rohrtunnel führen in Dresden unter der Elbe hindurch. Der älteste, ein sogenannter Doppeldüker, unterquert elbaufwärts der Flügelwegbrücke den Fluss. Doch der ist in die Jahre gekommen. Schließlich wurde er bereits 1907 gebaut, um den Altstädter Abfangkanal, die linkselbische Abwasser-Hauptschlagader, mit dem Klärwerk zu verbinden. Durch ein 1,1 Meter hohes Stahlrohr fließt das Abwasser bei trockenem Wetter. Dieses Rohr wurde bereits 1992 saniert. Doch jetzt ist der große, zwei Meter hohe Nachbar an der Reihe, erklärt Heiko Nytsch. Als Teamleiter Investitionen ist er bei der Stadtentwässerung für dieses Großprojekt zuständig.

Kommt bei Starkregen mehr Abwasser aus dem Altstädter Abfangkanal, reicht die kleine Leitung nicht mehr. Dann muss der große Nachbar geöffnet werden, der 340 Meter lang ist. Er ist in desolatem Zustand. Am Altstädter und Neustädter Ende besteht das Rohr jeweils aus Beton, im Anschluss und unter der Elbe auf 230 Metern Länge aus Stahl. Der Beton ist schlecht verdichtet, weist große Poren, Auskolkungen, Ausblühungen und Risse auf, erklärt Nytsch. Zum Teil drückt Grund- und Elbwasser durch die schadhaften Stellen.

Nicht besser sieht es im langen Stahlrohr aus. Besonders im unteren Teil am Boden ist es verrostet. Dort haben sich sogenannte Korrosionsmulden gebildet. Die Stadtentwässerung hat das Rohr vermessen lassen. Die einstige Wandstärke des Dükers ist von 22 um mehr als zehn Millimeter geschrumpft. Das ist ein Werk der Elbe, die schon 110 Jahre den Düker umspült. An besonders verrosteten Stellen am Boden ist die Wand sogar nur noch fünf Millimeter stark. Die Vermesser stellten außerdem eine Verformung des Rohrs fest.

Im Sommer soll die Sanierung beginnen, kündigt Nytsch an. Die Arbeiten sollen etwa vier Monate dauern. Geplant ist, sie auf bewährte Weise wieder zu stabilisieren und abzudichten. Eingezogen werden sollen zwei sogenannte Inliner. Dabei handelt es sich um mit Polyesterharz getränkte Schläuche aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Der erste ist 18 Millimeter stark und soll mit einer Winde über ein Stahlseil eingezogen werden. Dann wird eine zweite noch sechs Millimeter dickere Innenhaut mit Wasserdruck eingestülpt, erklärt Nytsch den Plan. Der jeweilige Schlauch wird in drei Abschnitten eingezogen. Dafür müssen zwei Einziehgruben gebaut werden. Über die genaue Technologie beim Einziehen wird aber noch entschieden.

Ist ein Schlauch eingezogen, füllen ihn die Sanierer mit Wasser, das auf 80 Grad erhitzt wird. So härten die Inliner aus und bilden eine dicke und feste Hülle. Dann wird Dresdens ältester Elbedüker wieder über die nötige Stabilität verfügen. Für das Großprojekt will die Stadtentwässerung knapp 2,9 Millionen Euro investieren.

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