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Mittwoch, 15.11.2017

Närrische Thronfolge

Im faschingsverrückten Rabu ist fast nichts unmöglich. Nur eines hatten Präsident Olaf Häßlich und seine Vorgänger trotz 60 Saisons bisher nicht im Blick.

Von Sven Görner

Können sich freuen: Anja I. und André II. Und das nicht nur, weil sie Prinzenpaar in Radeburg sein dürfen. Sondern auch, weil es mit der Prinzessin jetzt erstmals eine richtige Thronfolgerin gibt.
Können sich freuen: Anja I. und André II. Und das nicht nur, weil sie Prinzenpaar in Radeburg sein dürfen. Sondern auch, weil es mit der Prinzessin jetzt erstmals eine richtige Thronfolgerin gibt.

© Volker Miethe (RCC)

Radeburg. Radeburgs Oberkarnevalist Olaf Häßlich hat mit der Auswahl des Prinzenpaares für die 61. Saison des Radeburger Carnevals Clubs wieder einmal ein gutes Händchen bewiesen. Als sich zur 1. Prunksitzung im Hirsch die Leinwand hob und dahinter Anja und André Rodewald – alias Anja I. und André II. – zum Vorschein kamen hatte nicht nur das fieberhafte Rätselraten ein Ende, sondern auch die Überraschung war riesengroß. Denn obwohl die neuen Tollitäten in Radeburg, und damit auch in Narrenkreisen, keine Unbekannten sind, „hatte uns niemand auf dem Schirm“, sagt die frischgekrönte Prinzessin.

Traurig waren die beiden Ur-Radeburger deswegen nicht. Ersparte ihnen das doch bohrende Nachfragen, die sich manche ihrer Vorgänger in den Wochen und Monaten vor der Krönung erwehren mussten. Schließlich ist das Spekulieren über das mögliche Prinzenpaar in Rabu ein beliebtes Hobby, erst recht, je näher der Start der Fünften Jahreszeit rückt. Sogar Wetten werden darauf abgeschlossen.

Fast hätte der Karnevals-Präsident diesmal das gut gehütete Geheimnis noch kurz vor dessen wieder originell inszenierten Auflösung selbst verraten. Denn einem gar zu emsig nachfragenden Narren hatte er gesagt, dass der Mädchenname der Prinzessin der gleiche ist, wie der Beruf des Prinzen. Auf Fuhrmann kam der so Informierte bis zum entscheidenden Moment dann aber trotzdem nicht.

Und so wurde in der 61. Saison nicht nur die seit Jahren gepflegte Tradition des Geheimhaltens konsequent weitergeführt, sondern zugleich auch mit einer nicht gewollten Tradition gebrochen. Denn mit Anja I. gibt es in Radeburg erstmals eine echte närrische Thronfolge. „Meine Mutter Kerstin und mein Vater Lutz waren das Prinzenpaar der 18. Saison“, sagt die neue Hoheit, die normalerweise als Sekretärin arbeitet. Erinnern kann sie sich allerdings nicht an die Regentschaft ihrer Eltern. Kein Wunder, schließlich war sie damals noch kein Jahr alt.

Bei Gina, der 2003 geborenen Tochter von Anja und André, ist das anders. Sie tanzt in der älteren Schülergarde mit und hat in den nächsten Wochen so viele gemeinsame Auftritte mit ihren Eltern. Zur Krönung war sie allerdings nicht dabei. „Die beiden Schülergarden teilen sich in die drei Prunksitzungen rein“, erklärt Olaf Häßlich. Am Sonnabend waren die jüngeren Mädchen dran. „An dieser Tradition etwas zu ändern hätte nur für Aufsehen gesorgt.“

Ohnehin musste das angehende Prinzenpaar am Sonnabend noch eine Klippe umschiffen. Denn als beide um 17 Uhr aufbrachen, um Anja zum Friseur zu bringen, wundert sich die Tochter das erste Mal. Als dann aber auch noch die in der Familie geschaltete Ortung per Handy deaktiviert war, brauchte es schon einer guten Ausrede, damit das Nachwuchs-Gardemädel keinen Verdacht schöpfte.

Völlig ahnungslos war übrigens auch Prinzessinnen-Mutter Kerstin. Zwar hatte sie sich gewundert, dass Olaf Häßlich mit ihr und anderen Ex-Prinzessinnen am Tag vor der Krönung noch ein Video gedreht hatte. Doch auf den Gedanken, dass das mit ihrer Tochter zusammenhängen könnte, war sie natürlich nicht gekommen. „Als am Samstagabend um Viertel zehn das Telefon klingelte, saß ich wegen einer Erkältung gerade mit dem Kopf über einem Thymiandampfbad“, erzählt sie. „Erst habe ich gedacht, da hat sich jemand verwählt.“ Doch dann ist sie auf den Hirsch geeilt.

André II. und Anja I. freuen sich nun schon auf ihre nächsten Auftritte. Leicht hatten es sich beide mit ihrer Entscheidung nicht gemacht. „Wir sind beide beruflich sehr eingespannt“, sagt der Prinz, der mit seinem Bruder Geschäftsführer des Familien-Transportunternehmens ist. Und neben der Tochter ist da ja auch noch der jüngere Sohn, der regelmäßig an Wochenenden zu Fußballspielen unterwegs ist.

Aber letztlich ist es eine tolle Sache, in Rabu Prinzenpaar sein zu dürfen. Und um ihren Wagen für den großen Faschingsumzug brauchen sich die beiden keine Sorgen zu machen. Da sie keiner Umzugsgruppe angehören, haben die Wagenbauer um Ex-Garde-Majorin Elisabeth Dietze auch diesmal wieder diesen Job übernommen. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren. Auch wenn sie so erneut nicht an der Umzugswertung teilnehmen können.