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Samstag, 02.09.2017 Kommentar

Mutti befiehlt, die „Öffis“ gehorchen

SZ-Redakteur Oliver Reinhard.
SZ-Redakteur Oliver Reinhard.

© Robert Michael

Das Wort „Systemmedien“, von den Nationalsozialisten als Kampfbegriff gegen die freie Presse geprägt, ist wieder in Mode. Jedenfalls bei jenen, die behaupten, „die Medien“ im Land würden von „der Politik“, namentlich der Kanzlerin, gelenkt. Das ist natürlich grober Unfug.

Umso fataler, wenn nun ausgerechnet die Öffentlich-Rechtlichen scheinbare Indizien dafür liefern, dass am Dummwort „Systemmedien“ doch etwas dran sein könnte: Fast zwei Jahre nach der willkommenskulturellen Perspektiven-Schlagseite der Presselandschaft sind ARD und ZDF ebenso wie RTL und Sat.1 vor Merkel & Co. eingeknickt. Ursprünglich wollten die Sender beim TV-Duell der Kanzlerkandidaten die Moderatoren wechseln lassen und Zuschauer einbeziehen. Zudem sollte an zwei Abenden gesendet werden, erst öffentlich-rechtlich, dann privat.

Der Vorschlag fand bei Merkel keine Gegenliebe. Ihre Forderung: Alles bleibt gefälligst wie vor vier Jahren – eine Ausstrahlung, kein Moderatorenwechsel, keine Zuschauer. Sie achte die Pressefreiheit. Aber auch Politiker hätten „die Freiheit, zu entscheiden, ob sie eine Einladung in eine Sendung annehmen oder nicht“.

Eine klare Drohung. Und die Sender? Akzeptieren lieber Merkels Bedingungen, anstatt Kante zu zeigen und aufs Duell zu verzichten. Selbst wenn der Unterschied zwischen den beiden Sendungsvarianten faktisch wohl minimal gewesen wäre: Die „Öffis“ haben sich damit einen Bärendienst in Sachen Unabhängigkeitsanspruch erwiesen. Ebenso „die Politik“.

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