• Einstellungen
Dienstag, 21.03.2017

Mut für Oscar Niemeyer?

Radeberger Gedankenspiele für eine spannende Mischung aus Wohnen und Gewerbe auf dem einstigen Eschebach-Areal.

Von Jens Fritzsche

Seit Jahren dümpelt das Areal des einstigen Küchenproduzenten Eschebach im Herzen Radebergs ungenutzt vor sich hin. Ab und an macht es mit Brandstiftungen von sich reden, wie in der vergangenen Woche. Könnte ein Architekturwettbewerb helfen?
Seit Jahren dümpelt das Areal des einstigen Küchenproduzenten Eschebach im Herzen Radebergs ungenutzt vor sich hin. Ab und an macht es mit Brandstiftungen von sich reden, wie in der vergangenen Woche. Könnte ein Architekturwettbewerb helfen?

© Thorsten Eckert

Radeberg. Das wäre doch eine wunderbare Idee für das seit Jahren vor sich hin dümpelnde alte Eschebach-Areal in Radeberg! Star-Architektur in einer Mischung aus Wohn-, Erlebnis- und Gewerbeareal. So wie in Leipzig beispielsweise, wo jetzt auf dem Gelände des renommierten Kirow-Werks – einem Spezialisten für Kran-Anlagen – im Stadtteil Plagwitz ein futuristisches Café in Form einer gigantischen Glaskugel entstehen soll. Entworfen vom 2012 verstorbenen Oscar Niemeyer, dem legendären brasilianischen Architekten, der unter anderem die Hauptstadt Brasilia in Form eines Flugzeugs entworfen hat …

Eine Filzstiftzeichnung Niemeyers ist nun die Vorlage für den zwölf Meter hohen Bau. 2011, so geht die Geschichte dazu, hat Kirow-Geschäftsführer Ludwig Koehne einen Brief an den Architekten geschrieben und ihn gebeten, ein Restaurant für das Werksgelände an der Spinnereistraße zu entwerfen. Niemeyer tat es.

Nun gut, vielleicht sind Namen wie Oscar Niemeyer dann doch eine Nummer zu groß für das vergleichsweise kleine Radeberg. Aber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, weiß der Volksmund bekanntlich. Hätte Ludwig Koehne denn ahnen können, dass sich der prominente Brasilianer auf den Vorschlag einlässt? Wobei natürlich klar sein muss, dass hier nicht die Stadt, sondern letztlich die Bauherren auf dem Areal dann die Architekten beauftragen – und eben auch bezahlen – müssen … Aber müssen es denn unbedingt Weltrang-Architekten sein? Warum nicht einfach das Eschebach-Areal als einen Ort für spannende, für mutige Architektur auf den Weg bringen? Hier, wo einst hochmoderne und durchaus auch gewagte Küchen entwickelt und produziert worden waren …

Vielleicht könnte ein solches Projekt ja auch das angespannte Verhältnis zwischen dem aktuellen Eigentümer der Fläche und der Stadt entkrampfen helfen. Der in Weimar ansässige Immobilien-Unternehmer Josef Saller hatte das Areal ja bekanntlich vor etlichen Jahren gekauft, um hier Handelsunternehmen anzusiedeln. Deutschlandweit und auch in Osteuropa ist Saller damit erfolgreich. Aber in Radeberg stieß er auf Kritik und Gegenwehr aus dem Rathaus. Handel auf dem Eschebach-Areal, so hieß es, würde die Innenstadt ausbluten. Und so verhängte der Stadtrat zwei Mal eine Veränderungssperre für die Fläche. Um anschließend regelmäßig zu schimpfen, dass sich auf dem Areal nichts tut. Saller hält seit Jahren entgegen, dass die Vorschläge der Stadt – nämlich hier Gewerbeunternehmen anzusiedeln – bisher an der fehlenden Nachfrage scheitern. Zwischenzeitlich hatte die Stadt das Gelände sogar kaufen wollen, aber die Preisvorstellungen lagen einfach zu weit auseinander, hieß es dazu. Seither herrscht die sprichwörtliche Funkstille.

Nun aber scheint ein guter Zeitpunkt für ein erneutes „Anfunken“ zu sein. Die Gewerbeflächen in Radeberg sind weitgehend ausgelastet. Erste Unternehmen mussten sogar bereits auf benachbarte Orte ausweichen, um wachsen zu können. Hier wäre also Bedarf da. Andererseits ist Radeberg auch als Wohnstandort zunehmend gefragt. Auch dafür wird also Platz gebraucht. Und überhaupt finden nicht wenige in Radeberg, dass die Eschebach-Fläche zu schade ist, um hier ein einfach „nur“ ein Gewerbe- oder Industrie-Areal anzusiedeln. Hier, so die Hoffnung, könnte ein spannender Stadteingang vom Bahnhof aus entstehen. Einer, der zum Beispiel auch für Studenten aus dem nahen Dresden interessant ist, denn auch bezahlbarer Wohnraum für Studenten wird in Dresden knapp. Die Fahrzeit von gut 20 Minuten zwischen Uni und Radeberg per Zug könnte das Eschebach-Areal auch für studentisches Wohnen attraktiv machen – was wiederum auch Radeberg neues, frisches Leben in die Bierstadt bringen würde. Studentenkneipen und Kultur inklusive …

Also warum nicht eine Mischung aus all dem versuchen? Und das auch noch mit moderner, sich ausprobierender Architektur verbinden? Gerade mit der anstehenden 800 Jahr-Feier Radebergs im Jahr 2019 könnte da auch ein guter Start-Termin gefunden werden. Wie wäre es denn, mal an der Technischen Universität in Dresden anzufragen, ob im dortigen Studiengang Architektur vielleicht ein Projekt gesucht wird, mit dem sich Studenten ausprobieren, ja sogar „austoben“ können. Das muss letztlich ja nicht 1:1 umgesetzt werden, aber es wäre ja zumindest mal ein Versuch.