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Donnerstag, 12.10.2017

Muslime suchen weiter

Nach dem Aus für den Gebetsraum an der Goethestraße gibt es für das Freitagsgebet nur eine Zwischenlösung.

Von Britta Veltzke

Das Freitagsgebet

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Die Muslime in Riesa wünschen sich einen eigenen Treffpunkt – auch für die Freitagsgebete.
Die Muslime in Riesa wünschen sich einen eigenen Treffpunkt – auch für die Freitagsgebete.

© Symbolfoto/Pawel Sosnowski

Vorübergehend finden die Freitagsgebete in der Remise statt.
Vorübergehend finden die Freitagsgebete in der Remise statt.

© Sebastian Schultz

Riesa. Sie sind immer noch auf der Suche: die in Riesa lebenden Muslime. Seit ihnen im Sommer die Nutzung von Räumen in der Goethestraße aus baurechtlichen Gründen untersagt wurde, finden sie keinen neuen Ort, an dem sie sich treffen können. Laut eines Riesaers, der sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, sei es enorm schwer, Immobilienbesitzer zu überzeugen, an die islamische Gemeinde zu vermieten. „Die Skepsis ist groß“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er befürchtet gesellschaftliche Ausgrenzung, weil er Flüchtlingen hilft. Auch er habe schon mit Maklern gesprochen. „Im Moment bin ich in Gesprächen über eine Immobilie in der Innenstadt. Aber ob das am Ende klappt, ist mal wieder fraglich.“

Übergangsweise nutzen die Gläubigen etwa eine Stunde in der Woche die Schlossremise in Gröba für ihr Freitagsgebet – die wichtigste Zusammenkunft für Muslime in der Woche (siehe Kasten). Doch dies kann, auch aus Sicht der Stadtverwaltung, nur eine Übergangslösung sein – nach SZ-Informationen gilt diese bis Ende des Jahres. Auch die Stadt ist mit den Muslimen im Gespräch. Das sei unverändert der Fall, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. „Es gab natürlich auch Gespräche der Verwaltung mit verschiedenen Immobilienbesitzern, die aber bisher noch nicht zu einem befriedigenden Resultat geführt haben.“ Voraussetzung für die Stadt ist, dass die „Sächsische Begegnungsstätte“, kurz SBS, in Zukunft außen vor bleibt. „Der Oberbürgermeister hat stets klargestellt, dass eine Organisation, die bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird, weil sie die Werte unserer Gesellschaft offenbar nicht akzeptieren möchte, wohl kaum Unterstützung erwarten darf“, erklärt Päsler.

Das Freitagsgebet

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Freitag ist für Muslime der Tag, an dem sie wöchentlich zum gemeinsamen Gottesdienst zusammenkommen.

Das gemeinschaftliche Gebet in der Gemeinde ist für Muslime an diesem Tag eine Pflicht.

Das Freitagsgebet ist das einzige Ritualgebet, das im Koran namentlich genannt wird.

Im Koran heißt es: O ihr, die ihr glaubt! Wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, lauft zum Gedenken Allahs und lasst ab von Kauf und Verkauf.

Der Freitag ist für Muslime ein besonderer Tag, fast schon ein Festtag.

Zur Erinnerung: Der letzte Gebetsraum in Riesa wurde von der SBS betrieben. Da die muslimische Gesellschaft aus Dresden der Muslimbruderschaft nahesteht, wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet. Laut der Behörde gibt es bei der Muslimbruderschaft Bestrebungen, die etwa gegen die Religionsfreiheit, die Geschlechtergleichheit oder das Existenzrecht Israels gerichtet sind.

Die Riesaer Muslime wollen sich nun allerdings unabhängig von der SBS organisieren. Dafür haben sie den Verein Islamisches Zentrum Riesa gegründet, der auch Mitglieder anderer Konfessionen aufnimmt. Dessen Vorsitzender, der Ingenieur Dr. Zuhair Qasem, lebt seit Jahrzehnten in Deutschland und spricht fließend Deutsch.

Stadtrat Andreas Näther (SPD) unterstützt die aktuelle Entwicklung: „Besonders den Ansatz, dass der Verein nicht nur einen Raum zum Beten sucht, sondern einen Begegnungsort, der grundsätzlich allen Riesaern offen steht.“ Der Bedarf sei in jedem Fall gegeben. Zu den Freitagsgebeten in der Remise versammelten sich regelmäßig rund 50 Leute.

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