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Donnerstag, 07.12.2017

Musik als Medizin

Erstmals veranstaltet die Helios Klinik ein Mitmachkonzert. Doch nicht alle Kinder können auch etwas sehen.

Von Tina Soltysiak

Gustav Grimme und Lina Krause von der Musikschule Mittelsachsen haben beim ersten Mitmachkonzert auf der Kinderstation der Helios-Klinik Leisnig die Saiten ihrer Gitarren zum Klingen gebracht und das Stück „Gras“ dargeboten.
Gustav Grimme und Lina Krause von der Musikschule Mittelsachsen haben beim ersten Mitmachkonzert auf der Kinderstation der Helios-Klinik Leisnig die Saiten ihrer Gitarren zum Klingen gebracht und das Stück „Gras“ dargeboten.

© André Braun

Leisnig. Das Mitmach-Konzert in der Kinderabteilung der Helios-Klinik Leisnig macht seinem Namen alle Ehre. Tina Bartel von der Musikschule Mittelsachsen verteilt Triangeln, kleine Glocken und Rasseln. Die Kinder ahnen schon, mit welchem Lied es gleich losgeht: „Kling, Glöckchen“. Diese Veranstaltung ist das etwas andere Nikolausgeschenk für die jungen Patienten. Die Idee dazu habe die Musikschule an die Klinik herangetragen, sagt Dr. Hassan Issa, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin. „Anfangs konnte ich mir es gar nicht so recht vorstellen, wie das wird“, gibt er zu. Doch von der Professionalität der Organisation ist er begeistert. Der Zuspruch hingegen hält sich in Grenzen. „Darauf haben wir aber im Vorfeld keinen Einfluss. Er ist der Belegung geschuldet“, erläutert der Mediziner. Das Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin kümmert sich um die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen vom Frühgeborenen bis zum Jugendlichen. Die Station bietet Platz für 32 Patienten. „Es sind aber nie alle Betten ausschließlich mit Kindern belegt. Bei den Kleinen, die jünger als sieben Jahre sind, ist meist ein Erwachsener auch über Nacht mit vor Ort und belegt ein Bett“, erklärt Hassan Issa.

Am Mittwoch sind zwölf Kinder auf der Station behandelt worden. „Letzte Woche waren wir ausgelastet. Man merkt aber, dass es wieder etwas wärmer geworden ist, da sind weniger Kinder krank und bei uns“, sagt der Chefarzt. Von den kleinen Patienten sind auch nicht alle in der Lage gewesen, in den Gruppenraum zu kommen. „Sie sind entweder bettlägerig oder infektiös“, so Issas Begründung. So sind es am Ende vier Kinder, die auf den Stühlen im Spielzimmer Platz genommen haben, ein Jugendlicher bevorzugt es, trotz Krücken im Gang zu stehen. Trotzdem kommt Stimmung auf. Schließlich haben auch die sieben Musikschüler im Alter zwischen neun und 18 Jahren zum Teil eine Begleitung mitgebracht.

Das Konzept des Mitmachkonzertes, bei dem die Zuhörer selbst aktiv werden können, kommt von Organisator Björn-Helmer Schmidt. Für die Umsetzung sorgen die Musiklehrer Tina Bartel und Thomas Keilhauer. „Wir arbeiten viel und sehr gut mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Die sind meist aber alle gesund. Doch vor allem denjenigen, denen es gerade nicht so gut geht, kann Musik bei der Genesung helfen“, meint Schmidt. Der Chefarzt bestätigt die heilende Wirkung von Musik: „Das zeigen diverse Erfolge von Musiktherapien und Ähnlichem.“ Zudem gebe es sogar Musikärzte – allerdings nicht in Sachsen, so Issa. „Gerade in der Weihnachtszeit ist dieses Mitmachkonzert zudem einfach eine schöne Abwechslung für unsere jungen Patienten“, ergänzt er. Und damit auch die Kinder etwas davon haben, die das Bett hüten müssen, sind die Türen geöffnet worden, damit der Klang der bekannten Winter- und Weihnachtslieder bis in die letzte Ecke der Kinderstation hallt. Zu hören ist unter anderem das Flötenduett von Johann C. Pepusch aus dem 18. Jahrhundert, gemeinsam gesungen werden Rolf Zuckowskis „In der Weihnachtsbäckerei“ und der Klassiker „Jingle Bells“. Die Titel sind zum Teil neu interpretiert und arrangiert worden. „Heute gibt es Schneeflöckchen in der Lederjacke“, kündigt Thomas Keilhauer an und entlockt seiner E-Gitarre Klänge, die eher an AC/DC erinnern.

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