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Donnerstag, 17.05.2018

Mottenfallen für die Rosskastanie

Die Miniermotten treiben auch auf dem Friedhof ihr Unwesen. Die Mitarbeiter testen Methoden, um dem Einhalt zu gebieten.

Von Eric Mittmann

Harthas Friedhofsmeister Sebastian Markert mit einer der Fallen für die Rasskastanienminiermotte. Diese sollen die Zahl der Tiere auf dem Friedhofsgelände reduzieren und so zum Erhalt der Bäume beitragen.
Harthas Friedhofsmeister Sebastian Markert mit einer der Fallen für die Rasskastanienminiermotte. Diese sollen die Zahl der Tiere auf dem Friedhofsgelände reduzieren und so zum Erhalt der Bäume beitragen.

© André Braun

Hartha. Unauffällig sind sie, die kleinen Eimer, die an den Bäumen auf dem Harthaer Friedhof hängen. Erst bei näherer Betrachtung lässt sich der eigentliche Zweck der Konstruktion erkennen: Es sind Fallen für die Rosskastanienminiermotte.

Sechs Stück hat Friedhofsmeister Sebastian Markert zusammen mit seiner Kollegin Manuela Geißler an den Kastanien auf dem Friedhofsgelände angebracht. „Ich arbeite mittlerweile seit 2015 hier. Dabei ist mir jedes Jahr aufgefallen, dass die Blätter der Rosskastanien bereits im Sommer abfallen“, erklärt der Friedhofsmeister.

Ursache für den vorzeitigen Abwurf ist die in Mitteleuropa verbreitete Rosskastanienminiermotte. Deren Larve ernährt sich vom Blattmaterial des Baumes und frisst dabei wie ein Minenarbeiter Gänge ins Gewebe. Das ausgehöhlte Blatt vergilbt an diesen Stellen. Bei starkem Befall kann es zudem zu frühzeitigem Blattfall kommen.

Bisher habe Markert nur die Blätter aufgesammelt. In diesem Jahr wolle er jedoch einen anderen Weg versuchen. „Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, die Motten zu bekämpfen“, so der Friedhofsmeister. „Der Einsatz von Insektiziden wäre jedoch utopisch und ist im Grunde nicht einmal erwähnenswert. Deswegen haben wir uns für die Fallen entschieden.“

Diese bestehen zunächst aus einem Plastikeimer sowie einem an den Seiten geöffneten und abgerundeten Deckel. In die Mitte des Deckels wird ein mit Pheromonen gefüllter Stift eingeführt. Der Duftstoff lockt männliche Motten an, die am Eimer emporklettern, an den abgerundeten Seiten des Deckels abrutschen und im Inneren der Falle landen. Dort befindet sich eine Seifenlösung, in der die Motten ertrinken. „Die Motten sterben. Danach kippen wir den Inhalt weg“, so der Friedhofsmeister.

Fünfmal im Jahr müssen die Fallen gewechselt werden. „Es wird empfohlen, die Eimer aufzuhängen, wenn die Blüte beginnt“, erklärt Markert. „Im Frühjahr können zudem noch Leimringe an den Bäumen angebracht werden. Das werden wir dann im nächsten Jahr ausprobieren.“

Ohnehin betont der Friedhofsmeister, dass es sich bei den Fallen derzeit noch um einen Versuch handelt. „Wir probieren sie aktuell das erste Mal aus. Sollte es funktionieren, werden wir auch in Zukunft dabei bleiben“, so Markert.

Ziel des Versuchs sei es, die Zahl der Miniermotten auf dem Gelände zu verringern. „Dadurch hoffen wir, die Gesundheit unserer Kastanien zu erhalten“, sagt Friedhofsmitarbeiterin Manuela Geißler.

Dabei helfe auch das Sammeln der Blätter. Allerdings müssen diese beim Kompostieren eine hohe Temperatur erhalten, um die in ihnen enthaltenen Motten abzutöten. Eine solche Temperatur wird oftmals jedoch nicht auf dem eigenen Kompost erreicht. Stattdessen müssen größere Kompostieranlagen, -plätze oder eine thermische Verwertung genutzt werden, um der Motte Einhalt zu gebieten.

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