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Mittwoch, 15.11.2017

Moral ist für Diebe ein Fremdwort

Gleich dreimal hintereinander nutzten an einem Tag Kriminelle das Leid anderer aus. Sie stahlen beim Unfall und im Krankenhaus.

Von Ralph Schermann

Zwar zum Glück selten, doch es kommt immer wieder vor: Diebstahl aus Patientenzimmern in Krankenhäusern. Deshalb sollten keine Wertsachen in den Zimmern aufbewahrt werden.
Zwar zum Glück selten, doch es kommt immer wieder vor: Diebstahl aus Patientenzimmern in Krankenhäusern. Deshalb sollten keine Wertsachen in den Zimmern aufbewahrt werden.

© Netpic

Görlitz. Es gibt Straftaten, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten sind. An einem Mittwochnachmittag im Oktober aber musste die Görlitzer Polizei gleich drei solcher Vorfälle bearbeiten – und alle drei Täter richteten ihre Angriffe gegen wehrlose Kranke und Verletzte. Von Moral keine Spur.

Der erste Fall wurde gegen 15 Uhr bekannt. Auf der Einmündung Biesnitzer/Kamenzer Straße geriet eine 77-jährige Frau mit ihrem Fahrrad in das Gleis der Straßenbahn und stürzte. Aus einer Wunde am Kopf blutete sie stark, Passanten alarmierten Rettungsdienst und Polizei. Während Polizisten den Unfall aufnahmen und der Notarzt sich um die Verletzte kümmerte, hatte ein bisher Unbekannter ganz anderes im Sinn: Er stahl das an der Seite zum Sechsstädteplatz abgelegte Fahrrad.

Um 16.30 Uhr meldete sich eine Schwester des St.-Carolus-Krankenhauses bei der Polizei. Ein Patient beklagte, dass ihm 50 Euro in der Geldbörse fehlen. Eine Streife machte sich auf den Weg und konnte ziemlich schnell den Dieb ermitteln. Ein Zimmernachbar des Patienten hatte die Börse durchsucht, als der 77-jährige Kranke zu einer Untersuchung musste. Als er mitbekam, dass die Polizei im Anmarsch sei, entließ sich der 57-jährige Täter selbst. Genützt hat ihm das nichts. Die Beamten sicherten an dem Portemonnaie Fingerabdrücke und DNA-Spuren des Diebes.

Um 18.15 Uhr schließlich erschien ein Rettungswagen-Fahrer auf dem Polizeirevier, um Anzeige zu erstatten. Die Besatzung seines Wagens hatte den Auftrag, einen Patienten vom Klinikum nach Hause zu fahren. Dort in Königshufen angekommen, wurde der Patient ausgeladen und mit einem Tragestuhl in die zweite Etage des Hauses gebracht. Diesen Moment nutzte ein Dieb, um die Reisetasche des Patienten zu stehlen. Die Rettungskräfte hatten die Tasche nur kurz auf einer Treppenstufe abgestellt, um den Tragestuhl besser um einen Absatz zu bekommen. Obwohl die Sanitäter sofort in alle Richtungen rund um den Hauseingang suchten, blieben Tasche und Dieb verschwunden.

Drei Fälle hintereinander, bei denen Täter keine Skrupel hatten, sich am Eigentum jener zu vergreifen, die schon unter Verletzungen und Krankheit zu leiden haben. Wie tief muss man gesunken sein, bewusst das Leid anderer zu vergrößern? „Es ist schade, dass nicht der verschärfend bestraft wird, für den Moral und Anstand Fremdworte sind“, sagte ein Polizist.

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