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Montag, 19.06.2017

Mit Eleganz gepunktet

Louisa Stawczynski überrascht sich bei der Wassersprung-EM selbst mit Bronze. Ihre Größe ist Fluch und Segen zugleich.

Von Daniel Klein

Gutes Aussehen kann beim Wasserspringen nicht schaden. Bei ihrer dritten EM-Teilnahme schafft es Louisa Stawczynski vom Dresdner SC erstmals aufs Podium.
Gutes Aussehen kann beim Wasserspringen nicht schaden. Bei ihrer dritten EM-Teilnahme schafft es Louisa Stawczynski vom Dresdner SC erstmals aufs Podium.

© Matthias Rietschel

Beinahe hätte sie von Vitali Klitschko ein Küsschen bekommen. Doch der ehemalige Boxweltmeister gratulierte lieber seinen Landsleuten, die im Synchronspringen bei der EM in Kiew Silber gewannen. Als die drei besten Frauen Europas vom Einmeter-Brett zum Podium schritten, war keine Ukrainerin dabei und Klitschko schon wieder verschwunden.

Vielleicht ganz gut so, denn Louisa Stawczynski war auch so nervös genug. Die erste Siegerehrung bei einem großen Wettkampf ist aufregend, da will man ja nichts falsch machen – und gerade deshalb läuft dann meist was schief. Während die beiden vor ihr Platzierten den Fotografen die bunten Seiten ihrer Medaillen entgegenstrecken, zeigt die 20-jährige Dresdnerin nur eintöniges Bronze.

Bei den fünf Sprüngen zuvor passierte ihr kein Malheur. Von Beginn an lag sie auf einem Medaillenrang, trotzdem wurde es noch einmal eng. Vor dem letzten Durchgang war der Vorsprung auf Platz vier auf winzige 0,05 Punkte geschmolzen. „Das hatte ich überhaupt nicht mitbekommen“, sagte sie. Vielleicht war das auch ganz gut so. Zum Abschluss zeigte sie den besten ihrer konstant guten Sprünge und landete auf dem dritten Platz. „Ich bin immer nervös vor dem Wettkampf. Aber heute war es besonders schlimm“, sagte die Blondine. Eine „bärenstarke Leistung“ sei das gewesen, lobte Bundestrainer Lutz Buschkow und nominierte Stawczynski spontan für die WM in einem Monat. „Dafür hat sie sich jetzt viel Selbstvertrauen geholt.“

Dabei war eine Medaille überhaupt nicht eingeplant. Platz sechs wie im Vorjahr sollte rausspringen – eine durchaus realistische Vorgabe. 2015 war sie bei ihrem EM-Debüt bereits im Vorkampf ausgeschieden, wie auch wenige Wochen später bei ihrer ersten WM. Vor einem Jahr machte sie dann erstmals mit Rang sechs bei der EM auf sich aufmerksam – für die Spiele in Rio reichte es trotzdem nicht, weil die Einmeter-Konkurrenz nicht olympisch ist.

Der bisher größte Erfolg ihrer jungen Karriere fällt zusammen mit dem Ende der Schulzeit. In den Wochen vor den Europameisterschaften standen die Abi-Prüfungen an, aufgrund der Doppelbelastung durfte sie zwei Jahre länger die Schulbank drücken als üblich. Um auch künftig genug Zeit für Training, Lehrgänge und Wettkampfreisen zu haben, bewarb sie sich um eine Stelle in der Sportfördergruppe der Bundespolizei. Sportlich sind die Aussichten auch nicht schlecht. Mit ihren 1,69 Meter gehört Stawczynski, die vor sechs Jahren wegen eines Arbeitsplatzwechsels ihrer Mutter von Berlin nach Dresden gezogen war, zu den Größten in ihrem Metier. Für die Salti, Drehungen und Schrauben ist das ein Nachteil, weil sie dafür länger braucht als die kleineren Konkurrentinnen. Und die Zeit ist zwischen Absprung und Eintauchen äußerst knapp. Durch ihre Größe wirken ihre Flugeinheiten über dem Wasser aber auch sehr elegant. Damit kann man bei den Kampfrichtern punkten.

Vereinskollegin Tina Punzel konnte das nur am Ende des Finals. Nach den ersten beiden verpatzten Sprüngen rettete sich die 21-Jährige noch auf den fünften Platz. Am Sonntag holte sie dann an der Seite der Leipzigerin Friederike Freyer vom Dreimeter-Brett die Synchron-Silbermedaille. Turmspringer Timo Barthel aus Dresden belegte den zwölften Platz.

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