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Mittwoch, 15.11.2017

Mit einem Trick zu neuen Umkleideräumen

Der Zweckverband möchte über 2,5 Millionen Euro in das Areal an der Seebühne investieren. Dabei ist Kreativität gefragt.

Von Tina Soltysiak

Die Schauspieler auf der Seebühne ziehen sich seit Jahren in einem Container um. Sie wünschen sich vernünftige Umkleidekabinen. Die könnten in den Hang neben der Zuschauertribüne gebaut werden. Für diese ist auch ein Sonnensegel geplant.
Die Schauspieler auf der Seebühne ziehen sich seit Jahren in einem Container um. Sie wünschen sich vernünftige Umkleidekabinen. Die könnten in den Hang neben der Zuschauertribüne gebaut werden. Für diese ist auch ein Sonnensegel geplant.

© DA-Archiv/A. Braun

Kriebstein. Der Zweckverband Kriebsteintalsperre möchte in den kommenden vier Jahren kräftig in das Areal an der Seebühne investieren: Neue Toilettenanlagen, mehr Zuschauerplätze und eine Überdachung sind vorgesehen. Damit die Vorhaben umgesetzt werden können, müssen die Gemeinde Kriebstein, die Stadt Mittweida und der Landkreis Mittelsachsen ihre Stammkapitaleinlage im Verband erhöhen. Die Hochschulstadt hatte per Beschluss über 100 000 Euro vorgelegt, Kriebstein zog am Montagabend während der Gemeinderatssitzung mit 50 000 Euro nach. „Wir rechnen mit einer Investitionssumme von rund 2,5 Millionen Euro“, sagte Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). 85 Prozent der Kosten könnten mit Fördergeld über das Programm der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) gedeckt werden. „Zur Bewilligung müssen die Eigenmittel von rund 375 000 Euro durch den Zweckverband zugesichert werden. Indem wir die Stammkapitaleinlage erhöhen, gelingt uns das“, so Schreiber.

Nun müsse nur noch vonseiten des Landkreises ein entsprechender Beschluss gefasst werden, so Schreiber. Kreiskämmerer Andreas Müller sagte auf DA-Nachfrage: „Es ist eine Gesamtsumme von 200 000 Euro verteilt auf vier Haushaltsjahre vorgesehen.“ Die Kreisräte haben dem Entwurf für den Haushalt 2018 in ihrer Oktobersitzung bereits mehrheitlich zugestimmt. Ein Beschluss steht voraussichtlich in der Dezembersitzung auf der Tagesordnung.

Besondere Dringlichkeit habe der Neubau der Toilettenanlage, sind sich Ralf Schreiber, Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (FWK) sowie Verbandsgeschäftsführer Thomas Caro einig. Für deren künftige Nutzer hat Schreiber gleich schon einmal gute Nachrichten: Künftig kann die Notdurft kostenlos verrichtet werden. „Die Anlage ist nur förderfähig, wenn keine Gebühren kassiert werden. Das gilt sowohl für die Gäste der Seebühne als auch für Wanderer und Touristen“, sagte Ralf Schreiber.

Als Budget stehen rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir reden hier nicht von tatsächlichen Baukosten, sondern einem Rahmen, der maximal förderfähigen Summe“, sagte Maria Euchler. Das Ingenieurbüro Kreuz habe alle möglichen Eventualitäten einkalkuliert: „Steigerung der Baukostenpreise, Sicherung des Hangs unmittelbar im Bereich des Sanitärtraktes und dergleichen“, erklärte sie. Die neue Anlage solle neben der Gaststätte oberhalb der Zuschauertribüne gebaut werden.

Überhaupt sei bei der Planung viel Kreativität gefragt, ergänzte Thomas Caro. Denn es werden nicht nur mehr Tribünenplätze gebaut, damit mehr Gäste die Stücke des Mittelsächsischen Theaters erleben können. Die Schauspieler wünschen sich schon lange gescheite, feste Umkleideräume anstelle der Container. „Diese sind jedoch nicht förderfähig. Die Tribünenplätze schon. Die bauen wir als eine Art Podeste in den Felsen. Wie wir den Unterbau nutzen, ist der Fördergeldstelle egal. Also legen wir es so an, dass Umkleideräume und Garderoben entstehen“, erläuterte Thomas Caro die ersten Überlegungen. Maria Euchler ergänzte: „Für die Schauspieler ergeben sich dadurch auch neue Gestaltungsspielräume. Stücke könnten zum Beispiel interaktiver werden.“

Bisher ist Platz für bis zu 800 Gäste. „Nach der Erweiterung soll es bis zu 970 Sitzplätze geben. Wir erfüllen die Voraussetzungen für den Brandschutz für bis zu 999 Plätze“, erläuterte Ralf Schreiber. Künftig sollen die Zuschauer auch besser vor den Witterungseinflüssen geschützt werden. „Ein Sonnensegel wird angebracht. Das Planungsbüro hat Kontakt mit der Firma aufgenommen, die auch das Dach des Münchner Olympiastadions errichtet hat“, sagte Mittweidas Oberbürgermeister.

Dass bereits im kommenden Jahr gebaut wird, erscheine wenig realistisch. „Erst brauchen wir die endgültige Zusage der Fördergeldstelle. Dann können wir in die Detailplanung und Auftragsvergabe gehen“, so Maria Euchler. Zudem sei das Zeitfenster für die Bautätigkeiten stark begrenzt, wie Ralf Schreiber erläuterte: „Wir haben für 2018 schon die Boots-WM auf der Talsperre extra auf den Herbst verschoben, damit das Theater im Sommer mehr Spielzeit hat. Deshalb können wir auch immer erst außerhalb der Saison bauen.“ Die Verantwortlichen bezeichnen die Projekte als „sehr ambitioniert, aber stemmbar.“ Caro sagte: „Damit wir konkurrenzfähig bleiben, sind die Investitionen dringend erforderlich.“ Das sahen auch die Gemeinderäte so und stimmten den Ausgaben uneingeschränkt zu.

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