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Montag, 04.12.2017

Mister Derby zürnt

Martin Männel kennt sich bestens aus mit Duellen gegen Dynamo – und ist vielleicht deshalb der beste Spieler bei Aue.

Von Daniel Klein

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Ein letztes Mal streckt sich Martin Männel vergeblich. Erich Berko erzielt gerade den Endstand zum 4:0. Bei allen Gegentreffern ist der Torwart schuld- und chancenlos.
Ein letztes Mal streckt sich Martin Männel vergeblich. Erich Berko erzielt gerade den Endstand zum 4:0. Bei allen Gegentreffern ist der Torwart schuld- und chancenlos.

© Robert Michael

Alles Rufen und Gestikulieren hilft nichts, die Niederlage fällt deutlich aus. Männel ist neben Christian Tiffert der Einzige in seinem Team, bei dem man das Gefühl hat, er weiß, wie Derby geht.
Alles Rufen und Gestikulieren hilft nichts, die Niederlage fällt deutlich aus. Männel ist neben Christian Tiffert der Einzige in seinem Team, bei dem man das Gefühl hat, er weiß, wie Derby geht.

© Robert Michael

Seine Bilanz war positiv – vor diesem Spiel. Nun ist sie in jeder Hinsicht ausgeglichen: 15 Partien, fünf Siege, fünf Unentschieden, fünf Niederlagen. Wenn man diesen emotionalen Duellen zwischen Dynamo und Aue seit 2008 ein Gesicht geben müsste, es wäre das von Martin Männel. Kein anderer Spieler hat mehr Derby-Erfahrung als der Torwart der Veilchen.

Ausgeglichen ist der 29-Jährige nach dem Schlusspfiff jedoch nicht, selbst wenn er seinen Frust nicht verbal rauslässt, sondern wohlüberlegt formuliert. Nur selten blitzt die ganze Enttäuschung hervor. „Ich werde eine unruhige Nacht haben“, sagt er. Wenn man ihn in den 90 Minuten davor erlebt hat, glaubt man ihm das sofort. Neben Christian Tiffert ist er der Einzige bei den erschreckend schwachen Erzgebirgern, die sich ernsthaft gegen das drohende Unheil wehren – und das mit allen Mitteln.

Als die Null noch steht, lässt sich Männel aufreizend viel Zeit für seine Abschläge. Später wälzt er sich im Strafraum, um ein Foul von Dynamo-Stürmer Lucas Röser vorzutäuschen. Und als Marco Hartmann beim Stand von 3:0 einen Auer Konter durch ein Foul an der Mittellinie unterbindet, rennt Männel bis an den Tatort, um sich beim Unparteiischen und beim Täter über das harte Einsteigen zu beschweren.

Es sind aber auch die Paraden, die den mit 1,84 Metern kleinsten Stammkeeper der 2. Bundesliga in den Mittelpunkt rücken lassen, vor allem in der ersten Halbzeit. „Wie er meinen Kopfball noch um den Pfosten lenkt, war schon stark“, meint Dynamo-Innenverteidiger Florian Ballas und meint die Szene nach einer Viertelstunde, als viele Anhänger bereits zum Jubeln angesetzt hatten. „Wir sind in den ersten Minuten von Dynamo überrannt worden, da hat Martin überragend gehalten“, erklärt Aue-Trainer Hannes Drews. Es ist die einzige Personalie, die er in seiner Analyse erwähnt.

„Es gab in den ersten Minuten einige Situationen, in denen ich mit den Fingerspitzen dran war, auch bei einem der beiden Lattentreffer“, erzählt Männel. „Da gehört sicher Glück dazu. Das haben wir an diesem Tag gebraucht.“ Doch es hielt nicht lange, nach 21 Minuten und dem 1:0 durch Lucas Röser war es bereits aufgebraucht. Es kehrte auch nicht mehr zurück. Nach 28 Minuten verhinderte bei einem Kopfball von Nicolai Rapp die Latte den Ausgleich zum 1:1. Es blieb die einzige nennenswerte Chance für Aue über 90 Minuten. Das ist ein bisschen wenig für ein Derby, bei dem immer mehr auf dem Spiel zu stehen scheint als die drei Punkte.

„Wir hatten im Vorfeld viel darüber gesprochen, dass wir in den vergangenen Jahren in Dresden oft gut ausgesehen haben“, erzählt Männel. „Aber diese Ergebnisse waren nie eine Selbstverständlichkeit. Sie kamen nur zustande, weil wir immer alles reingeworfen hatten. Das habe ich heute in dieser Deutlichkeit nicht gesehen.“

Es ist eine Kritik an der Einstellung seiner Vorderleute. Der will sich Drews nicht anschließen, allerdings findet auch der seit drei Monaten in Aue amtierende Trainer deutliche Worte. „Mit dem 0:4 sind wir noch gut bedient. Dynamo hat uns an die Wand gespielt“, erklärt der 35-Jährige. Die Niederlage ist auch deshalb so schmerzhaft, weil Aue nun wieder mittendrin steckt im Kampf gegen den Abstieg. Aus dieser Region hatte sich die Mannschaft seit dem Trainerwechsel Schritt für Schritt herausgearbeitet. Doch seit fünf Partien wartet Aue auf einen Sieg, die Torbilanz der beiden letzten Auswärtsspiele ist mit 0:7 besorgniserregend. „Wer in den letzten Wochen auf die Tabelle geschaut hat, weiß, wie eng es da zugeht“, sagt Drews.

Mister Derby wollte sich kurz nach dem Spiel nicht mit Plätzen und Punkten beschäftigen. Männel hatte ganz andere Sorgen. „Als Torwart will man nicht hinter sich greifen müssen – vor allem nicht viermal.“ Und erst recht nicht in Dresden.

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