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Donnerstag, 07.09.2017 Kommentar

Missverständnis Privatschule

Andrea Schawe verteidigt die Entscheidung von Manuela Schwesig, ihre Kinder auf eine private Schule zu schicken.

SZ-Redakteurin Andrea Schawe
SZ-Redakteurin Andrea Schawe

© Robert Michael

Privatschulen haben ihren eigenen Ruf. „Privat“, das klingt nach Internat, Tausenden Euro Schulgeld im Jahr und Akademiker-Eltern, die ihre Kinder zur künftigen Elite erziehen lassen. Die Realität ist in Deutschland eine andere.

Wer glaubt, freie Schulen sind per se besser als staatliche Schulen, irrt. Meist sind sie einfache, kleine Einrichtungen, die auf Elterninitiative gegründet wurden. Im Unterschied zu öffentlichen Schulen finanziert der Staat nur einen Teil der Kosten der sogenannten „Ersatzschulen“. Die Folge: Lehrer verdienen meist weniger, dringende Sanierungsarbeiten müssen auf Jahre aufgeteilt werden, die Eltern werden zum Arbeitseinsatz gerufen. Und: Auch Hartz-IV-Familien können es sich leisten, ihre Kinder auf freie Schulen zu schicken – sie bekommen Rabatt, Geschwister müssen oft nichts zahlen.

Nun ist Manuela Schwesig nicht irgendwer, sondern stellvertretende Vorsitzende der SPD und Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern. Aber sie ist auch Mutter. Eine, die wie jeder andere Elternteil frei entscheiden kann, auf welche Schule ihr Kind geht. Wenn die Schule um die Ecke zufällig keine öffentliche Schule ist, aber das Konzept die Eltern überzeugt hat – warum nicht? Das ist kein Misstrauensvotum gegen das Schulsystem. Freie Schulen sind Teil dieses Systems, sie müssen sich auch an den Lehrplan halten. Aber sie machen Bildung vielfältiger. Und können so Impulsgeber sein: für modernes Lernen, kreative Ganztagsangebote oder frisches Schulessen.

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