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Montag, 20.03.2017

Messerstecher sagt aus

Ein 25-Jähriger ist wegen Totschlags angeklagt. Die Zeugen nahmen das Geschehen unterschiedlich wahr.

Von Tina Soltysiak

Auch am Tag der Fortsetzungsverhandlung bedeckte der Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaales sein Gesicht mit einer Maske. Der 25-Jährige zeigte keine Anzeichen der Reue.
Auch am Tag der Fortsetzungsverhandlung bedeckte der Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaales sein Gesicht mit einer Maske. Der 25-Jährige zeigte keine Anzeichen der Reue.

© Harry Härtel

Chemnitz/Leisnig. Ein 25-Jähriger, der einen Mann auf dem Leisniger Markt mit einem sogenannten Butterfly-Messer niedergestochen haben soll, hat sich am Montag bei der Fortsetzungsverhandlung am Landgericht Chemnitz zu den Vorwürfen geäußert. Er bestritt, einen Hund, der als Auslöser des Geschehens gilt, misshandelt zu haben. Zugegeben hat er hingegen, dass das am Tatort gefundene Messer ihm gehört. Er habe es geschenkt bekommen. „Ich habe es in meinem Schlafzimmer in einer Schublade eines Schranks aufbewahrt und nicht herausgenommen“, sagte der Angeklagte. Zudem sei er im Umgang mit dem Messer nicht geübt gewesen.

Dem Mann werden Totschlag und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. An den Tattag selbst, den 16. September 2016, habe er keinerlei Erinnerungen: „Zur Tat kann ich nichts Genaues sagen. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich am 17. September in der Zelle in der JVA Dresden aufgewacht bin.“

Der mutmaßliche Täter zeigte in der Verhandlung keine Anzeichen der Reue oder eine Regung des Mitgefühls. Das sei unmittelbar nach der tödlichen Auseinandersetzung anders gewesen, schilderte ein Polizist, der als einer der Ersten am Tatort war: „Der Angeklagte saß wie ein Häufchen Elend auf einer Bank und hat sich bereitwillig festnehmen lassen. Er hat gesagt ,Es tut mir leid. Ich hasse mich. Mein Leben ist im Arsch. Ich hoffe, er kommt durch’.“ Doch anschließend habe der mutmaßliche Täter „wie neben sich gestanden, hat wirres Zeug geredet“. Vor Ort durchgeführte Alkohol- und Drogen-Schnelltests seien negativ gewesen.

Als weitere Zeugen war ein Pärchen geladen, das sich in unmittelbarer Nähe zum Tatort aufgehalten haben soll. Es sagte übereinstimmend, dass es eine lautstarke, zunächst verbale, Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten, dem Getöteten und dessen Kumpel gegeben habe. Zudem sei es zu einer Schubserei gekommen. Niemand habe damit gerechnet, dass die Situation derart eskalieren könnte. Streitpunkt sei der Umgang des Angeklagten mit einem Hund gewesen. Die tödlichen Messerstiche hätten weder der Mann noch die Frau eindeutig gesehen.

Die Aussage des Freundes des Opfers klang anders: „Wir haben zusammen in meiner Wohnung am Markt Bier und Schnaps getrunken. Da hat mein Kumpel aus dem Fenster geschaut und den Angeklagten an der Bushaltestelle am Markt sitzen sehen. Er ist wütend raus gerannt, hat ihn zur Rede gestellt, wollte ihn boxen.“ Nach der Rangelei an der Bushaltestelle sei der Angeklagte weggegangen.

„Doch mein Kumpel ist hinterher, wollte eine Schlägerei provozieren. So derart in Rage habe ich ihn vorher noch nie gesehen.“ Der Angeklagte hingegen habe kein aggressives Verhalten gezeigt. Warum er plötzlich das Messer zog, könne er nicht nachvollziehen, sagte der Zeuge. Das eigentliche Zustechen habe er nicht wahrgenommen. „Ich sah nur, wie er das Messer aus einem Einstich in Höhe der Rippen zog.“

Laut dem Notarzt habe der Geschädigte zum Zeitpunkt seines Eintreffens einen Herz-Kreislauf-Stillstand sowie Schnappatmung gehabt, sei nicht mehr ansprechbar gewesen. Der Mediziner konnte sechs Stichverletzungen feststellen. Der Mann habe viel Blut verloren.

Die Verhandlung wird am 28. März fortgesetzt. Es sollen weitere Zeugen, darunter der Hundebesitzer, gehört werden. Ein Urteil wird für den 7. April erwartet, so die vorsitzende Richterin Simone Herberger.

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