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Samstag, 12.08.2017

Meißner Händler haben vorgesorgt

Auf eine neuerliche Flut wären Ladenbesitzer an Gerber- und Neugasse vorbereitet. Probleme gibt es mit Versicherungsschutz.

Von Marcus Herrmann

Hans Uwe Köhler ist Chef der Messerschleiferei in der Gerbergasse. Im nächsten Jahr gibt es den Betrieb seit 100 Jahren – mehrerer Hochwasser zum Trotz.
Hans Uwe Köhler ist Chef der Messerschleiferei in der Gerbergasse. Im nächsten Jahr gibt es den Betrieb seit 100 Jahren – mehrerer Hochwasser zum Trotz.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die Werkstatt muss nach oben, sodass die technischen Geräte sicher sind. Das war Hans Uwe Köhler, Chef in der Traditionsschleiferei „Scharfsinn“ an der Gerbergasse 18, nach der ersten Hochwasserkatastrophe 2002 schnell klar. Als dann die Triebisch vor gut vier Jahren zum reißenden Fluss wurde, habe man Schleifmaschinen und Computer – anders als 2002 – zum Großteil evakuieren können. Auch weil man 2004 bereits in die neuen, derzeit genutzten Räume auf zwei Etagen umgezogen war.

„Trotzdem standen wir 2013 vor der Entscheidung, gehen oder bleiben. Wir wollten bleiben, die kurzen Wege zur Werkstatt aber auch nicht verlieren“, sagt Köhler. Also musste nach einem sicheren Standort in der Nähe gesucht werden – mit Erfolg. 2014 kaufte man eine passende Immobilie auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ende August wird die Werkstatt fertig sein und es kann endlich zentral – und hochwassersicher – vor Ort produziert werden, sagt Köhler. An die Flutgefahr angepasst hat er auch das Geschäft mit Verkauf und Ausstellung von Messer, Schleifmaschinen und Co. „Mithilfe des Planungsbüros Zobel haben wir den Laden schon nach dem Hochwasser 2006 umgekrempelt, Gussasphalt verlegt und eine nach unten durchlässige Isolierung eingebaut.“

Damit würde bei einer neuen Flut das Wasser zwar in das Geschäft laufen, jedoch schneller abfließen und auch schneller verdunsten. Hinzu kommt, dass man die Heizung baulich auf 1,80 Meter Höhe verlegt habe und der Fußboden im Geschäft jetzt demontierbar ist. Von daher sei man gegen ein Hochwasser besser gewappnet. „Trotzdem können wir darauf verzichten, da es immer einen langen Produktionsausfall nach sich zieht“, so Köhler.

Davon kann auch Ambrosius Bresan, Optiker an der Neugasse 7, ein Lied singen. Auch sein Laden ist bereits mehrfach abgesoffen. Mit dem Vermieter habe er sich dann jedes Mal aufs Neue verständigen müssen, wie es weitergeht. „Nach der letzten Flut ist ein neuer Betonfußboden statt der alten Dielen eingebaut worden, der das Wasser nicht mehr durchlässt“, erzählt eine Mitarbeiterin. Außerdem gebe es im Zwischenraum des Geschäfts keine Dämmung mehr, da diese sich stets mit Wasser vollsog, schlecht trocknete und stank. „Das ist im Hinblick auf drohendes Hochwasser zwar nützlich, aber im Sommer natürlich sehr warm“, so die Mitarbeiterin.

Wirklichen Schutz gebe es in der Innenstadt nicht, alleine schon wegen der vielen Schleusen, durch die das Grundwasser nach oben drücke. Ein weiteres Probleme haben die meisten Händler mit der Versicherungssituation für ihr Geschäft. „Wir bekommen momentan keine bezahlbare Versicherung für unseren Laden. Wir befinden uns in Zone vier von vier, haben damit Pech gehabt“, sagt Hans Uwe Köhler. Genauso geht es Juwelier Gert Schaller in seinem Geschäft auf der Neugasse 9.

„Ich befinde mich hier an einem der tiefsten Stellen der Straße. Eine Schadenversicherung ist daher utopisch.“ In der sächsischen Politik gibt es zwar viele Stimmen für eine bezahlbare Elementarschadenversicherung. Erst vor wenigen Monaten hatte sich Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sogar für eine „Selbstverpflichtung der Versicherungswirtschaft“ ausgesprochen. Allerdings hat es hier wegen verfassungsrechtlicher Bedenken auf Bundesebene noch keinen Durchbruch gegeben. Etwas günstiger gelegen ist das Geschäft Presse & Buch von Simone Rolle-Petrat an der Neugasse 16. Ihr Laden befindet sich in einer höheren Zone, sodass eine Hochwasserversicherung für sie aktuell zu stemmen ist.

Alleine auf eine Versicherung könne man sich aber natürlich nicht verlassen. „Ich habe bereits nach der Flut von 2006 einen speziellen Hochwasserfußboden einbauen lassen“, sagt die Inhaberin. Dieser verfüge über Gummi-Schwellen, die mit einem Handgriff entfernt werden könnten. Wasser bis zu einem Stand von zehn Zentimetern fließe dadurch aus dem Geschäft nach unten ab. Nach dem Hochwasser von 2013 haben Bauarbeiter außerdem Elektrik und Heizungstechnik ertüchtigt – und statt wie vorher im Keller im ersten Obergeschoss eingebaut.

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