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Freitag, 12.01.2018

Meißen wird zur Müllkippe

Seit dem Jahreswechsel haben wilde Abfallhaufen zugenommen. Die finden sich mittlerweile selbst im Zentrum.

Von Peter Anderson

Leider kein Einzelfall: Dreckecke auf der Gustav-Graf-Straße in Meißen.
Leider kein Einzelfall: Dreckecke auf der Gustav-Graf-Straße in Meißen.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Steffen Köhler kennt die neuralgischen Punkte ganz genau. Von der Fahrbahn der B 101 bei Meißen gehen kurze Abfahrten in die Natur. Wer hier mit dem Auto hält, muss keine Angst haben, im weichen Ackerboden zu versinken. Das zieht Schmutzfinken an. So hat es der ehrenamtliche Naturschutzhelfer beobachtet.

Eine Stelle, die er regelmäßig kontrolliert, liegt in Obermeisa gegenüber der Bushaltestelle. Leere Farbeimer, eine alte Tür und blaue Säcke verunzieren hier die Landschaft. Die zweite Dreckecke findet sich am Abzweig nach Gasern. Hier haben Unbekannte gleich ein ganzes Sofa abgeladen.

Doch die illegalen Müllkippen beschränken sich nicht auf Meißens Randbezirke. Mittlerweile schrecken die Abfallrowdys selbst vor der historischen Altstadt nicht zurück. Hans-Burkhardt Henschke hat sich deshalb vor wenigen Tagen an die SZ gewandt. „In letzter Zeit wird hier geradezu regelmäßig irgendwelcher Abfall abgelagert“, sagt der Meißner. Von seinen Räumen auf der Westseite des Theaterplatzes geht der Blick auf Tüten mit Restmüll, eine alte Matratze, Haushaltsgeräte und vielen Unrat mehr. Jetzt – nachdem der Platz neu gepflastert ist – fallen solche Schandflecken besonders auf. Verärgert äußert sich Henschke über das Ordnungsamt. Diesem habe er mehrfach Bescheid gegeben. Passiert sei allerdings nichts.

Von ähnlichen Erlebnissen berichtet Naturschutzhelfer Steffen Köhler. „Meistens kommt dann die Aussage, dass man gerade kein Auto hat, um das Zeug abzuholen oder zu viele Überstunden angefallen sind“, sagt er. Mit derlei Auskünften würden die Bürger abgeschreckt. Diese Reaktion trage nicht dazu bei, bürgerschaftliches Engagement zu stärken, so Köhler.

Weitere Beispiele finden sich auf der rechtselbischen Seite. Hier scheint die Gustav-Graf-Straße einen von mehreren Schwerpunkten zu bilden. Über mehrere Meter haben Unbekannte den Fußweg mit einem alten Drucker, Hifi-Gerät, Farbeimern usw. in eine regelrechte Halde verwandelt. Ex-Stadtrat Thomas Tallacker zufolge hält sich die Dreckecke bereits über mehrere Wochen.

Die Erbitterung über die zunehmende Vermüllung der Stadt hat die Meißnerin Katrin Markert veranlasst, auf ihrer Facebookseite eine Bildkombination verschiedener Schandflecken zu veröffentlichen. „Ich bin immer unterwegs in der Hoffnung, dass sich eventuell jemand wiedererkennt, wenn er seinen Müll im Netz sieht“, schreibt sie. Solche massiven Umweltprobleme dürften nicht einfach ignoriert werden. Denn der Konsequenzen seien sich viele nicht bewusst und wunderten sich, weshalb sie krank würden.

Im Rathaus ist das Problem bekannt, schreibt Katharina Reso von der Pressestelle auf SZ-Nachfrage. Das Phänomen sei meist rund um den Jahreswechsel besonders spürbar. Als Grund nennt sie Umzüge zum Jahresende, bei denen der nicht mehr benötigte Hausrat abgestellt werde. Mitunter handele es sich auch um offizielle angemeldeten Sperrmüll und Haushaltsgeräte, die Tage vor dem Abhol-Termin vor das Haus geschafft würden. An sich sollte dies erst zu dem Datum passieren, an dem der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal ein Spezialfahrzeug zum Abholen schickt.

Deshalb kontrolliere der Vollzugsdienst in diesen Fällen, ob der Müll abgeholt wird, bzw. erfragt bei der Firma Nehlsen, ob ein entsprechender Auftrag erteilt wurde, so Katharina Reso. Sollte dies nicht der Fall sein, werde die Stadt aktiv. Ein weiteres Problem seien Mülltouristen, die ihren Unrat zu offiziell abgestelltem Sperrmüll dazustellen. Wird der Verursacher festgestellt, kann dies teuer werden. Strafen bis zu 1 000 Euro stehen im Raum.

Dem für die Entsorgung zuständigen Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal zufolge steht Meißen mit seinem Problem nicht allein da. Illegale Ablagerungen gebe es im gesamten Verbandsgebiet, teilt der ZAOE am Freitag mit. Es könne nur vermutet werden, dass es in der dunklen Jahreszeit einfacher ist, den Abfall ungesehen illegal zu entsorgen. Sperrmüll wird laut ZAOE gegen Ende eines Jahres in größeren Mengen zur Abholung angemeldet. Das Kaufverhalten könnte dabei eine Rolle spielen. Größere Anschaffungen von Möbeln oder Einrichtungsgegenständen werden oft um die Weihnachtszeit getätigt.

Illegale Ablagerungen von Sperrmüll sollte es eigentlich nicht geben, da die Entsorgung des Sperrmülls in der Regel gebührenfrei ist. Jeder Haushalt hat die Möglichkeit, zweimal im Jahr eine gebührenfreie Abholung von haushaltstypischen Mengen mittels Bestellkarte zu vereinbaren oder mit Vorlage der Bestellkarte auf den Wertstoffhöfen selbst abzuliefern.

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