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Donnerstag, 04.01.2018

Mehr Platz für Eigenheime in Jessen

Ein neuer Bebauungsplan soll den Pirnaer Wohnstandort attraktiver machen. Dafür muss ein großes Wirrwarr entflochten werden.

Von Thomas Möckel

Rings um die Straße „An der Sandgrube“ in Pirna-Jessen gibt es Gärten, Gewerbe, Baustoff-Lagerplätze, Wohnhäuser – eine unübersichtliche und städtebaulich missliche Gemengelage. Ein neuer Bebauungsplan soll das Durcheinander nun ordnen.
Rings um die Straße „An der Sandgrube“ in Pirna-Jessen gibt es Gärten, Gewerbe, Baustoff-Lagerplätze, Wohnhäuser –  eine unübersichtliche und städtebaulich missliche Gemengelage. Ein neuer Bebauungsplan soll das Durcheinander nun ordnen.

© Norbert Millauer

Pirna. Der Punkt 7.1 auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses am 4.  Januar klingt zunächst ziemlich nüchtern. Das Gremium, so heißt es, möge den Vorentwurf des Bebaungsplanes „An der alten Gärtnerei Jessen“ billigen. Doch dahinter verbirgt sich Großes: Es geht um die Neuordnung eines riesigen Gebietes, um insgesamt 39 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 6,9 Hektar – so groß wie neun Fußballfelder. Es geht um mehr Platz für Eigenheime. Dafür gilt es, ein Wirrwarr an gewerblich und privat genutzten Flächen zu entflechten. Nach den Plänen der Stadt soll es so gelingen, den Wohnstandort Jessen attraktiver zu machen.

Den Beschluss, den Bebauungsplan „An der alten Gärtnerei Jessen“ aufzustellen, fasste der Pirnaer Stadtrat bereits am 21. Juni 2016. Das beplante Gebiet wird im Norden von der rekultivierten Fläche der ehemaligen Sandgrube Jessen, im Westen von der Radeberger Straße sowie im Süden und Osten von der Dorfstraße „Altjessen“ begrenzt. Pirna hat den Vorentwurf inzwischen fertig, geht er mehrheitlich im Stadtentwicklungsausschuss durch, wird das Konzept anschließend öffentlich ausgelegt, um die Öffentlichkeit frühzeitig an dem Bebauungsplan-Verfahren zu beteiligen.

Laut einer für den Bebauungsplan in Auftrag gegebenen Expertise gehört Jessen zu den begehrtesten Wohnstandorten in Pirna. In den vergangenen Jahren entstanden in dem Ortsteil zahlreiche Eigenheime. Als Vorzüge erweisen sich die Nähe zur Stadt, die verkehrsgünstige und dennoch ruhige Lage, die Nähe zur Natur und die vergleichsweise günstigen Baulandpreise. Die Gutachter attestieren, dass es über das bisherige Maß hinaus noch weitere sehr gut geeignete potenzielle Wohnstandorte in Jessen gibt. Die Erschließung sei günstig, die Nachfrage nach Wohnbauland weiter hoch. Daher sollte Pirna bestrebt sein, die Wohnqualität und das Wohnumfeld am Standort Jessen weiter zu verbessern. Doch zuvor gilt es, ein großes Problem zu lösen.

Im Norden des Ortsteiles wurde jahrelang eine Sand- und Kiesgrube betrieben. Die Flächen werden derzeit schrittweise rekultiviert, Rohstoffe werden dort künftig nicht mehr gewonnen. Aber: Unmittelbar südlich der Sandgrube befindet sich entlang der Straße „An der Sandgrube“ ein Bereich, der bisher nur unzureichend gestaltet ist und momentan noch mächtige Konflikte aufweist. Er ist durch Aufschüttungen, Ablagerungen und ein Durcheinander von verschiedenen gartenbaulichen, gewerblichen und wohnbaulichen Nutzungen geprägt. Laut des Gutachtens ergibt sich für die angrenzenden Wohngrundstücke daraus ein eher ungünstiges Wohnumfeld.

Pirna will nun mit dem Bebauungsplan den mit Defiziten behafteten Standort neu ordnen, um ein intaktes Ortsbild herzustellen. Unverträgliche Nutzungen sollen entflochten und brach fallende Flächen für Wohnzwecke erschlossen werden. Laut des Rathauses könnte auf diese Weise Baurecht für 25 bis 30 Einfamilienhäuser, Flächen für gemischte Nutzung sowie Areale für Wege und Anpflanzungen geschaffen werden. Die betrieblichen Flächen der Tief- und Rohrleitungsbau GmbH werden hingegen in den Bereich nördlich der Straße „An der Sandgrube“ verlagert und als Gewerbeflächen entwickelt. Die Firma kann später auf diesem Areal auch rekultivierte Flächen der ehemaligen Sandgrube nutzen. Und auch dem in dem Gebiet ansässigen Gartenbaubetrieb Ralf Zschieschang soll die Möglichkeit gegeben werden, sich angemessen weiterzuentwickeln.

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