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Samstag, 08.04.2017

Mehr als eine Barbie

Barbora Purchartova beweist, dass sich Geduld beim Meister auszahlt. Jetzt will die Tschechin mit dem Dresdner SC ins Finale.

Von Michaela Widder

Wenn der blonde Pferdeschwanz fliegt und die Zeigefinger nach oben zeigen, ist es ein gutes Zeichen. Mittelblockerin Barbora Purchartova hofft gegen Stuttgart auf viele Gesten dieser Art.
Wenn der blonde Pferdeschwanz fliegt und die Zeigefinger nach oben zeigen, ist es ein gutes Zeichen. Mittelblockerin Barbora Purchartova hofft gegen Stuttgart auf viele Gesten dieser Art.

© Robert Michael

Barbie ist ein cooler Typ. Findet Alexander Waibl und meint damit nicht die langbeinige Stilikone aus Plastik. Der Trainer vom Dresdner SC hat Barbora Purchartova diesen Spitznamen verpasst. Wenn man den Vergleich anstellen möchte, hat die Tschechin durchaus Ähnlichkeit mit der berühmten Blondine: Sie ist groß, hat lange Beine, blondes Haar und ein Faible für pinkfarbene Details. Der Barbie wird ja gern nachgesagt, dass sie zickig sei, und das kann man von Purchartova nun wirklich nicht behaupten. „Sie ist ein Teamplayer, absolut positiv, und es macht extrem viel Spaß, mit ihr zu arbeiten“, erklärt Waibl.

Wenn die Reisegruppe DSC unterwegs ist, sorgt die 24-Jährige oft für gute Stimmung. Dabei musste sie in dieser Saison zum ersten Mal selbst durch ein kleines Tal gehen. Nachdem die Mittelblockerin zu Beginn der Saison oft in der Startsechs stand, bekam sie seit Weihnachten viel weniger Einsatzzeiten. „Wenn man den ganzen Sommer Nationalmannschaft spielt, ist ein kleiner Einbruch irgendwann normal“, erklärt Waibl. Der 49-Jährige hatte selbst das tschechische Nationalteam in den Sommermonaten betreut, bevor er Ende September überraschend seinen Vertrag schon wieder auflöste. „Zudem hat Barbie bisher in schwächeren Teams gespielt. Die Anforderungen an die Spielerinnen sind bei uns höher. Da kann es etwas dauern, bis sie den nächsten Schritt machen“, meint Waibl.

Für Purchartova ist das eine ungewohnte Situation. Bei früheren Vereinen, wie zuletzt bei Absteiger Straubing, stand sie so gut wie immer auf dem Feld. „In Dresden gibt es so viele gute Spielerinnen, da muss man stets um seine Position kämpfen“, sagt sie. „Ich habe mich im Training einfach weiter fokussiert und auf meine Chance gehofft. Ich habe mir gesagt: Wenn meine Zeit kommt, gebe ich alles.“

Auch die Pause nach der regulären Spielzeit hat gutgetan, sie fuhr nach Prag zu ihren Eltern und ihrem Freund Jirka. „Da habe ich den Kopf mal vom Volleyball freibekommen.“ Als es nun in die entscheidende Saisonphase ging, kam sie gestärkt zurück. „Barbie weiß, es sind keine Wunderdinge passiert. Sie hat immer weitergearbeitet, und irgendwann kommt der Benefit wieder“, erklärt Waibl. Das sei ein normaler Trainingsprozess.

Nach dem Saisonaus von Erin Johnson und der anhaltenden Verletzungspause von Brittnee Cooper ist Barbora Purchartova in den Play-offs besonders gefordert. Das macht ihr aber keinen Druck, weil die Mannschaft immer enger zusammenrückt. „Wir sind alle sehr positiv und gut vorbereitet. Keiner will noch mal nach Stuttgart fahren“, meint sie.

Bei den Schwaben hat der DSC das erste Halbfinale 3:2 gewonnen und kann an diesem Sonnabend, 17.30 Uhr, den siebenten Finaleinzug in Folge perfekt machen. „Ich denke, es wird nicht einfacher. Sie geben alles. Wir geben alles, aber wir haben unsere Fans“, meint sie. Der Auftritt vor einer Woche in Stuttgart, als der DSC schon zwei Matchbälle gegen sich hatte, gibt ihnen jedenfalls viel Selbstvertrauen. „Jede, die aufs Feld kam, hat einen großartigen Job gemacht. Es war Teamwork. Ich hatte das Gefühl, jede von uns will gewinnen.“

Die Stimmung will der DSC mitnehmen und eine dritte Partie am nächsten Samstag in Stuttgart vermeiden. Den letzten Kick am Spieltag gibt ihr ein Kaffee. Sie ist ein großer Fan des beliebten Wachmachers und hat schon ein kleines Café am Schillerplatz in ihre weltweite Top-Ten-Liste gewählt. „Es ist ein Traum, irgendwann einen eigenen Kaffeeladen zu eröffnen.“ Im Moment lebt sie aber den Traum von ihrem ersten Meisterschaftsfinale.

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