• Einstellungen
Dienstag, 25.07.2017

Management-Zertifizierung - eine sinnvolle Investition auch für KMU?

ISO-Management-Zertifikate finden sich in vielen Firmenprospekten und auf Unternehmens-Websites.

Foto: pixabay.com / geralt
Foto: pixabay.com / geralt

Was steckt dahinter und welche Bedeutung haben sie für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)? Neben vielen Produktstandards legt die ISO auch Standards für gute Unternehmensführung fest. So gibt es den ISO-Standard 9001, ein Zertifikat für ein Qualitätsmanagement-System. Die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO) ist ein internationaler Zusammenschluss. Sie stellt sicher, dass Qualitätsstandards und Zertifikate weltweit anerkannt sind. Lesen Sie hier, was die Management-Zertifizierung kleinen und mittleren Unternehmen bringt.

Ob Elektrowinden oder Pflegeheime - Abläufe unter der Lupe

Ein Unternehmen, das die ISO-Standards erfüllen will, stellt seine internen Abläufe auf den Prüfstand. Unabhängige Experten untersuchen, wie das Unternehmen Qualität sichert und Management-Richtlinien umsetzt. Die Abläufe sind natürlich je nach Produkt oder Dienstleistung sehr unterschiedlich, daher ist die Zertifizierung nach ISO 9001 branchenweise organisiert.

Die Management-Zertifizierung ist für die meisten Unternehmen freiwillig. Sie wird zur Pflicht, wenn Großunternehmen das Zertifikat von ihren Zulieferern fordern. Gesetzlich vorgeschrieben ist ISO 9001 zum Beispiel im Pflegebereich und in Branchen mit hohem Haftungsrisiko wie der Medizintechnik.

Das Qualitätsmanagement unter der Lupe

Mit dem Zertifikat ISO 9001 wird dem Unternehmen bescheinigt, dass es über ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) verfügt, mit dem es Kundenanforderungen erfüllt und eine gleichbleibende Produkt- und Dienstleistungsqualität sicherstellt. Die Untersuchung dafür ist prozessorientiert. Das bedeutet, es werden alle betrieblichen Abläufe untersucht, dokumentiert und gegebenenfalls verbessert.

Die ISO 9001 untersucht insbesondere diese Bereiche:

  • Kundenorientierung und Umgang mit Kundenanforderungen
  • Management und Führung: Vision, Leitbilder und Ziele
  • Einbeziehung der Mitarbeiter
  • Abbildung der Abläufe im Unternehmen

Die ISO-9001-Zertifizierung ist ein fortlaufender Prozess: Unternehmen sollen sich nicht auf dem erreichten Zertifikat „ausruhen“, sondern das Qualitätsmanagement ständig weiterentwickeln. Die Analyse der Prozesse beruht auf Daten und Fakten. Als ein Ergebnis entsteht während der Zertifizierung ein unternehmenseigenes QMS-Handbuch.

Hersteller von Elektrowinden und Seilwinden als Beispiel für KMU

Die transprotec GmbH, ein Hersteller von Elektrowinden und Seilwinden, verfügt neben Branchen-Zertifikationen auch über das ISO 9001 Zertifikat für ein standardisiertes QMS. Damit ist die transprotec GmbH ein Beispiel für viele tausende KMU, die ihre internen Abläufe und die Kundenorientierung überprüfen und zertifizieren lassen.

Eine Entscheidung für oder gegen eine Zertifizierung hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon sind natürlich die Kosten - nicht nur für das Audit selbst, sondern für den Aufwand, der durch das Engagement der Mitarbeiter entsteht. KMU können übrigens Förderungen durch den Bund beantragen.

Diese Punkte sollten KMU bei der Entscheidung bedenken:

  • Das Unternehmen erhält den Überblick über die eigenen Prozesse, so lassen sich Schwachstellen identifizieren. Außerdem ergibt die Analyse eine gute Grundlage, um Veränderungen und Innovationen anzustoßen.
  • Die Kundenzufriedenheit wird systematisch erfasst, auch hier lassen sich Zustände, die Kunden unzufrieden machen, identifizieren. Das Unternehmen kann reagieren und die Kundenzufriedenheit erhöhen.
  • Möglicherweise stellt das Unternehmen fest, warum manche Mitarbeiter unzufrieden sind, und kann dem entgegenwirken. Allerdings ist der Zertifizierungsprozess selbst für Mitarbeiter oft eine Belastung.
  • Mit einer erfolgreichen Zertifizierung haben KMU ein gutes Argument gegenüber potenziellen Auftraggebern und Vorteile gegenüber Wettbewerbern ohne geprüftes QMS.
  • Den Kosten für ein Audit stehen langfristige Kosteneinsparungen durch verbesserte Abläufe entgegen. Allerdings ist es schwierig, diese genau zu beziffern.
  • Die Zertifizierung ist zeitaufwendig und benötigt eine klare Verpflichtung der gesamten Führungsebene auf dieses Ziel. Der Prozess kann für die Mitarbeiter durchaus belastend sein. Das Audit trägt Unruhe in die Abteilungen, eingespielte Abläufe verändern sich möglicherweise. Manchmal entsteht womöglich sogar der Eindruck, dass die bisherige Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird. Dadurch kann die Motivation leiden. Eine gute Kommunikation, die alle Mitarbeiter erreicht, ist daher besonders wichtig.

Desktopversion des Artikels