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Mittwoch, 15.11.2017

Märchenhafter Dezember im Renaissance-Schloss

Vor dem letzten Höhepunkt 2017 blicken die Mitarbeiter auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Derweil tut sich etwas im Südflügel.

Von Marcus Herrmann

Juliane Schikade ist seit April nicht nur zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Schloss und dem Kloster Altzella. Sie packt auch ganz praktisch mit an – etwa, wenn es um das Auspacken der Requisiten für den bald beginnenden Märchenkongress auf Schloss Nossen geht.
Juliane Schikade ist seit April nicht nur zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Schloss und dem Kloster Altzella. Sie packt auch ganz praktisch mit an – etwa, wenn es um das Auspacken der Requisiten für den bald beginnenden Märchenkongress auf Schloss Nossen geht.

© Claudia Hübschmann

Nossen. Vorsicht beim Tragen der Umzugskisten ist an diesem Nachmittag auf Schloss Nossen geboten. Gerade ist ein Kleintransporter mit Chemnitzer Kennzeichen auf den Innenhof gerollt. Er gehört der selbstständigen Schneiderin Kristina Meyer. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie sich aus Mittelsachsen auf den Weg gemacht – im Kofferraum haben die beiden besagte Kartons.

Darin befinden sich zahlreiche Utensilien und Requisiten, mit denen wohl fast jedes Kind sich den ganzen Tag beschäftigen könnte. Beim Auspacken behilflich ist Juliane Schikade. Seit April dieses Jahres ist die 37-Jährige für die Öffentlichkeitsarbeit auf Schloss Nossen und im Kloster Altzella zuständig. Die Historikerin hat bereits für Museen in den niedersächsischen Städten Celle und Cloppenburg gearbeitet.

„Was Frau Meyer für uns mitgebracht hat, bildet die Grundlage für unseren Anfang Dezember beginnenden Märchenkongress auf Schloss Nossen“, schaut Schikade auf den vorweihnachtlichen Höhepunkt des Jahres voraus. Mehr als 20 verschiedene Märchen sollen dabei eine Rolle spielen – vom gestiefelten Kater, über Frau Holle und Aschenbrödel bis zu Geschichten aus 1001 Nacht. Verschiedene Räume im Schloss – darunter auch das bekannte Verlies des Räubers Lips Tullian im Südturm – verwandeln sich dann in kleine Märchenkulissen. Dass im über die Jahre gewachsenen Fundus von Kristina Meyer viel dabei ist, was man in Nossen für den Märchenkongress nutzen kann, weiß man in der Muldenstadt.

Denn Meyer, die bereits diverse Kostüme für die unterschiedlichsten Theatergruppen entworfen und geschneidert hat, war mehrfach gefragter Partner für ähnliche Veranstaltungen auf Schloss Kriebstein bei Waldheim. Dieses gehört wie das Nossener Renaissanceschloss zum Schlösserland Sachsen. Somit war der Weg schnell geebnet.

Bei mehreren Veranstaltungen – beginnend mit einer erotischen Märchenlesung für Erwachsene am 1. Dezember – wird sich nun, bis einen Tag vor Heiligabend alles um Märchen drehen. Die Requisiten von der lebendig wirkenden Froschkönig-Figur bis zu den bezaubernden Prinzessinnenkleidern werden dabei zum Einsatz kommen. „An den Adventswochenenden wird es Familienführungen unter dem Motto ’Märchenfiguren am Runden Tisch‘ geben, am Tag vor Heiligabend ein Märchentheater für Kinder“, sagt Schikade

Die märchenhafte Zeit richte sich vor allem an Kitas und Schulen. Mehrere Anmeldungen aus Nossen und Umgebung für Führungen habe es bereits gegeben. Noch gäbe es aber freie Plätze. Die thematisch verschiedenen Märchen-Räume dürfen nur unter Aufsicht begutachtet werden – aus Sorge, dass nichts wegkommt.

Einen Blick auf die vergangene Saison wirft Schikade gerne. Sowohl die Ausstellung „Bekenne dich“ über den sächsischen Adel im Glaubensstreit im Schloss, als auch die Sonderausstellung „Silberrausch und Berggeschrey“ im Kloster Altzella hätten zusammen 65 000 Besucher angelockt.

Damit hätten sich circa 6 000 Gäste mehr Ausstellungen im Schloss und im Kloster angeschaut als im Vorjahr. Die Bilanz zwischen April und Ende Oktober könne sich sehen lassen, sagt die gebürtige Großenhainerin und hofft auf ein ähnlich stabiles Jahr 2018. Dabei helfen soll eine Erweiterung der Dauerausstellung zur Adelsfamilie von Schönberg.

„Dazu wird es in den Prinzenkammern etwa Neues zu sehen geben, wobei besonders die Person von Lips Tullian, des Führers einer sächsischen Räuberbande im frühen 18. Jahrhundert, im Mittelpunkt steht“, so die Historikerin. Fortschritte gebe es auch im Südturm, der mithilfe von Fördergeldern des Freistaats bis 2021 saniert werden und dann eine große Adelsschau beherbergen soll. „Architekten, Planer und Museologen sind bereits regelmäßig vor Ort um die zukünftigen Bedingungen für den Umbau und die Ausstellungsstruktur für den Südturm zu ergründen“, so Schikade.