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Samstag, 11.11.2017

Männerträume

Vom Spielzeugbagger zur tonnenschweren Maschine: Baugeräteführer werden in Sachsen gesucht – und verdienen recht gut.

Von Verena Wolff

In der Ausbildung zum Baugeräteführer lernen junge Leute wie Johannes Erdtmann unter anderem den Umgang mit Planierraupen. Foto: dpa/Jens-Ulrich Koch
In der Ausbildung zum Baugeräteführer lernen junge Leute wie Johannes Erdtmann unter anderem den Umgang mit Planierraupen. Foto: dpa/Jens-Ulrich Koch

Sein Job ist der Traum eines jeden Mannes, sagt Johannes Erdtmann. Denn der 21-Jährige arbeitet und fährt als angehender Baugeräteführer den ganzen Tag mit großen, schweren Maschinen. Nach einer ersten Ausbildung zum Verfahrenstechniker besann sich der Thüringer darauf, was ihm schon sein ganzes Leben lang Spaß macht: Bagger, Radlader, Planierraupen, Kräne. Und begann eine zweite Ausbildung bei der Strabag.

Einen Beruf ergreifen, weil man Baustellen als Kind cool fand? Das klingt naiv, ist aber die richtige Motivation, sagt Cornelia Vater. Sie ist Leiterin der Abteilung Berufsbildung im Zentralverband Deutsches Baugewerbe. „Wer schon als kleines Kind gern mit Spielzeugbaggern gespielt hat und heute an Baustellen stehenbleibt, weil ihn die Maschinen faszinieren, der sollte seine Leidenschaft zum Beruf machen.“ Denn Leute wie Johannes Erdtmann werden gesucht. In Sachsen steige die Einstellungsbereitschaft der Firmen seit drei Jahren. Im gleichen Zeitraum sei die Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken, teilt die Arbeitsagentur mit. „Jeder Jugendliche, der den Baugeräteführer auf seiner Wunschliste hatte, konnte in den vergangenen Jahren auch eine Ausbildung in dem Beruf beginnen“, sagt Agentursprecher Frank Vollgold. Es gibt einen großen Mangel an Fachkräften, die diese Maschinen bedienen können“, sagt Rupert Hammerschmidt, Sprecher der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Das gilt auf kleinen ebenso wie auf großen Baustellen im In- und Ausland. „Die Facharbeiter haben viel spezielles Wissen, das dort gebraucht wird.“

Dieses Wissen zu vermitteln, ist die Aufgabe von Christian Weise. Er ist Ausbilder bei der Strabag und hat im hessischen Bebra 88 000 Quadratmeter Fläche, auf denen Baustellen simuliert werden. „Hier kann auch mal ein Fehler passieren, ohne dass das gleich eine Katastrophe ist“, sagt er. Auf die echten Geräte kommen die Lehrlinge aber ohnehin erst, wenn sie die ersten Fertigkeiten im Simulator erworben haben. Denn es geht in der Ausbildung auf den tonnenschweren Maschinen vor allem darum, wie man sie mit Gefühl bedient. „Die jungen Leute müssen die Angst verlieren und Routine bekommen.“ Von kleinen Baggern geht es zu dem richtig schweren Gerät. Wichtig ist laut Weise ein gutes Auge und räumliches Denkvermögen. Denn die Maschine ist der verlängerte Arm des Arbeiters. Baugeräteführer bedienen die Maschinen nicht nur, sie transportieren Bagger, Mischer oder Raupen auch zu Baustellen. Für ihre Arbeit brauchen sie auch Wissen in Mathematik und Physik, vor allem in der Kräfteberechnung. Industriebetriebe setzten deshalb laut Arbeitsagentur überwiegend einen Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife, Handwerksbetriebe einen Hauptschulabschluss voraus.

Doch außer den Schulnoten und dem Abschlusszeugnis sind noch andere Eigenschaften wichtig, sagt Weise. „Man muss Spaß am Arbeiten haben und sollte keine Angst davor haben, sich schmutzig zu machen.“ Ängstliche und schüchterne Typen hätten es auf den Baustellen schwer, denn als Baugeräteführer „hat man einen Job mit Verantwortung und muss sich durchsetzen“. Und auch, wenn es erst mal nicht so klingt: Es gibt auch Frauen in dem Job, „und die sind meist sehr gut“, sagt Weise. Eigenbrötler sind dagegen auf Baustellen nicht so gut zu gebrauchen, denn es wird immer im Team gearbeitet. „Ich bin nie allein, darum muss ich schon Interesse an der Kommunikation haben.“ Auch die Maschinen selbst sollten für angehende Baugeräteführer interessant sein: „Zu den Aufgaben eines Baugeräteführers gehören auch die Kontrolle der Maschinen und das Beheben von Störungen und Fehlern“, sagt Cornelia Vater. Viel Zeit verwenden Auszubildende in den Lehrjahren für das Sammeln von Scheinen. Denn für jedes Baugerät gibt es eine Art Führerschein, so wie bei den verschiedenen Lastwagen-Typen. „Jede Maschine hat ihre Besonderheiten“, erläutert Weise. Und die muss man mit der Zeit lernen. Jeder Schein folgt dabei einer europäischen Norm, sodass die Fachleute überall einsetzbar sind.

Ein Mindestalter für den Beginn der Ausbildung gibt es nicht, auch ein regulärer Führerschein ist keine Pflicht. „Wenn sie fertig sind, sind sie auf jeden Fall volljährig“, sagt Weise. Und auf dem Weg dahin verdienen angehende Baugeräteführer gutes Geld: Im ersten Ausbildungsjahr gibt es laut den Beispielwerten der Bundesagentur für Arbeit 705 bis 785 Euro, im dritten und letzten dann 1 130 bis 1 410 Euro. Danach verdienen Facharbeiter in Sachsen durchschnittlich 2 333 Euro pro Monat. Bundesweit liegt der Schnitt bei 3 107 Euro.

Beim Facharbeiter ist aber noch nicht Schluss: Ausgelernte können sich zum Polier, Baumaschinenmeister oder Techniker weiterbilden. Auch ein Studium ist möglich. Zudem kann man sich laut Hammerschmidt auf ein Gerät spezialisieren, es kaufen und dann als Freiberufler auf Baustellen unterwegs sein. (dpa)

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