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Montag, 16.04.2018

Machtpolitischer Punktsieg für Assad

Von Martin Gehlen

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© Katharina Eglau, Winterfeldtstr.

Wer die Bilder der qualvoll erstickten Opfer von Ost-Ghuta noch vor Augen hat, auf den müssen die jüngsten westlichen Raketenangriffe auf Syrien wirken wie ein zynisches Gemogel. Trotz einer Woche martialischer Trump-Tweets beließen es die Alliierten am Ende wieder nur bei symbolischen Luftschlägen. Und trotzdem – so hart es klingt – war das nächtliche Bombardement unter dem Strich ein Sieg der Vernunft. Der befürchtete Schlagabtausch mit Russland auf syrischem Boden fand nicht statt, aus dem sich leicht ein verheerender Weltbrand hätte entwickeln können.

Damit einher geht die Einsicht, dass für den Westen in Syrien nicht mehr viel zu machen ist. Das Regime in Damaskus hat gesiegt und wird weitgehend die Bedingungen für die Nachkriegszeit diktieren. Für Amerika und Europa dagegen ist der Zeitpunkt längst verstrichen, wenn es ihn je gab, Syriens Tragödie abzukürzen oder in andere Bahnen zu lenken. Entsprechend realitätsfremd klingen die vollmundigen Behauptungen aus Washington, Paris und London, diesmal seien große Teile des syrischen Giftgasarsenals zerstört worden. Das Regime hatte tagelang Zeit, seine dubiosen Anlagen zu evakuieren und die verbliebenen Bestände an Nervengift zu verstecken.

Für Assad war das Ganze erneut ein machtpolitischer Punktsieg. Denn der bewusst schmal kalibrierte Raketenbeschuss zeigt, der Westen hat sich längst mit dem Diktator abgefunden und lässt ihm im Prinzip freie Hand.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Realist

    Ja, Herr Gehlen, die Brutalinskis und Mörderbande um Assad, Putin und Iran haben sich in Syrien durchgesetzt. Und im Westen gibt es leider viele, die diesen drei Terrorführen auch noch huldigen. Leider. Ich stelle mir gerade vor, wie das 89 hätte ausgehen können. Honecker hätte schießen lassen und anschließend wäre der Bürgerkrieg ausgebrochen. Hätten dann diejenigen, die heute den drei Terrorfürsten zu jubeln auch geblökt: Unter Honecker gab es Stabilität. Wer hat denn den Aufstand angezettelt? Das waren doch nur der böse Westen, Herr Soros und die Mainstream-Medien??? Gott sei Dank ging dieser Kelch an uns vorbei. Für die Syrer bleibt mit diesen drei Terroristen am Hebel aber jede Perspektive verwehrt. Und damit löst sich auch das Flüchtlingsproblem bei uns nicht. Denn wer kehrt schon in die Hölle von Assad und seinen Giftgashelfern zurück? Das wird kein deutsches Gericht anordnen. Noch haben wir eine unabhängige Justiz….

  2. Dräsdnor

    In welcher Welt leben Sie, Herr Gehlen? Wieso ist ein völkerrechtswidriger Angriff ein Punktsieg für den Angegriffenen? Ist es nicht eine Niederlage für die internationale Gemeinschaft, deren Mitglieder sich als demokratisch und rechtsstaatlich ansehen? Wenn man natürlich hartnäckig das Narrativ des Schlächters Assad pflegt, der gewohnheitsmäßig unbotmäßige Bevölkerungsteile mit Giftgas diszipliniert, dann kommt man aus dieser Blase nicht mehr raus und phantasiert sich immer mehr zusammen, auf dass diese heile Welt für immer bestehen bleibt und man ja kein böses Erwachen erlebt. Dieses werden Sie aber erleben, wenn sie weiter die kriegslüsternen Irren medial unterstützen und bei Ihren Lesern für sie werben. Wir alle werden es erleben. Das zu erkennen bedarf es allerdings eines Mindestmaßes an Geschichtskenntnissen und Geschichtsverständnisses und (tut mir Leid das so drastisch sagen zu müssen, aber nur Drastisches hat die Befähigung in Betonköpfe einzudringen) an Intellekt.

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