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Donnerstag, 20.04.2017

Luxus für die Bahnhofstraße

Im ehemaligen E-Markt werden jetzt edle Möbel und Teppiche verkauft. Letztere haben etwas mit einer Bankpfändung zu tun.

Von Nina Schirmer

Die Teppiche, die im neuen Geschäft auf der Bahnhofstraße verkauft werden, sind handgeknüpft, sagt der Besitzer. Außerdem vertreibt er Möbelunikate – vorwiegend aus England. Der Laden hatte länger leer gestanden, nachdem der E-Markt geschlossen wurde.
Die Teppiche, die im neuen Geschäft auf der Bahnhofstraße verkauft werden, sind handgeknüpft, sagt der Besitzer. Außerdem vertreibt er Möbelunikate – vorwiegend aus England. Der Laden hatte länger leer gestanden, nachdem der E-Markt geschlossen wurde.

© André Wirsig

Radebeul. Wohl kein anderes Schaufenster in Radebeul-West hat in den letzten Wochen so viel neugierige Passanten angelockt. Dabei gab es an der Bahnhofstraße 6 gar nichts zu sehen. Trotzdem drückten sich die Leute an der Scheibe fast die Nase platt. Denn irgendetwas tat sich im ehemaligen E-Markt. Nur wusste keiner, was.

Zuerst waren Handwerker in den Räumen zugange. Dann konnte man einen dunkelroten Tresen ausmachen, bevor die Fenster mit braunem Papier blickdicht verschlossen wurden. Seit Donnerstagvormittag verrät nun ein Schild, was in dem Geschäft in Zukunft angeboten wird: Möbel, Teppiche und Accessoires. Am Sonnabend um 10 Uhr eröffnet der Laden unter dem Namen „MT Art Deco Interiors Radebeul“.

Der Inhaber kommt aus Hamburg. Dort leitet er eine Speditionsfirma. Ein guter Freund – die beiden kennen sich seit ihrer Jugend – ist stiller Teilhaber. Der Partner bringt die Erfahrung für das Möbelgeschäft mit. Seit vielen Jahren betreibt er ein Einrichtungshaus in Hamburg, sagt der 52-Jährige. Von nun an werden die beiden Nordlichter abwechselnd im Radebeuler Geschäft stehen.

In den letzten Tagen hatten sie kräftig zu tun, damit bis zur Eröffnung alles fertig wird. Große Lastwagen hielten vor dem Laden. Helfer trugen Möbel hinein. Und Teppiche. Viele Teppiche. Im Geschäft türmen sich große Stapel davon. Die handgeknüpften Teile haben eine besondere Geschichte. Denn der Ladenbetreiber konnte einen Auftrag von einer Hamburger Bank ergattern. Das Geldinstitut hat die Teppiche, die unter anderem aus Persien kommen, von Gläubigern gepfändet. In Radebeul sollen sie jetzt wieder an neue Kunden verkauft werden.

Zwei Tage vor der Eröffnung nimmt die Einrichtung im Laden schon Gestalt an. Anrichten, Schränke, Vitrinen, Tische und Stühle sind platziert. Es handelt sich um Unikate. Die meisten kommen aus England, erzählen die Ladenbetreiber. Zum Beispiel ein antikes Bookcase, ein verglastes Holzregal, mit Furnieren aus Palisanderholz aus dem 18. Jahrhundert.

Ins Auge sticht auch ein orange-braun leuchtender Esstisch aus Eibenholz. In Deutschland darf der Baum wegen seines langsamen Wachstums nicht mehr gefällt werden. Daneben steht ein Polstersessel der Manufaktur Finkeldei, die unter anderem auf die Einrichtung von Jachten und Villen spezialisiert ist. Wenig weiter ist ein runder Mahagonitisch präsentiert. Preisschilder fehlen selbstredend. In einer Pressemitteilung des Geschäfts ist von erschwinglichen Preisen und Schnäppchen-Konditionen die Rede.

Sie wollen stilvolle und hochwertige Möbel anbieten, sagen die Betreiber. Neben den normalen Öffnungszeiten unter der Woche, soll es immer sonntags einen Schautag geben, an dem sich Interessierte umgucken können. Beraten möchten die Geschäftsmänner ihre Kunden auf Wunsch auch zu Hause. Vorschläge machen für Dekorationen. Außerdem bietet der Laden die Restaurierung von Möbelstücken und Teppichen an.

Dass es sie nach Radebeul verschlagen hat, sei eher Zufall gewesen, sagen die Hamburger. Einer war in der Region im Urlaub, habe das leerstehende Geschäft in der Bahnhofstraße entdeckt. Wo jetzt die edlen Möbel stehen, wurden zuletzt Lebensmittel übers Kassenband gezogen. Der letzte Betreiber des kleinen Supermarktes hatte noch einmal ordentlich investiert in neue Kühltruhen und Kassen, verstarb jedoch im vergangenen Jahr.