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Freitag, 11.08.2017

Luther ist frisch gebadet zurück

Das Denkmal steht wieder auf seinem Sockel – zum dritten Mal. Dass es überhaupt noch existiert, grenzt an ein Wunder.

Von Heike Heisig

Luther in Döbeln

Nur fast wie neu ist die Lutherfigur am Freitag wieder auf ihrem angestammten Platz neben der Nicolaikirche aufgestellt worden. Das haben die Handwerker Uwe Ostmann, Tom Hentschel und Frank Hempel übernommen. Das Denkmal hat bewusst einige „Gebrauchsspuren“ behalten. Eine Wachsschicht schützt die Bronzestatue vor Witterungseinflüssen und Abgasen.
Nur fast wie neu ist die Lutherfigur am Freitag wieder auf ihrem angestammten Platz neben der Nicolaikirche aufgestellt worden. Das haben die Handwerker Uwe Ostmann, Tom Hentschel und Frank Hempel übernommen. Das Denkmal hat bewusst einige „Gebrauchsspuren“ behalten. Eine Wachsschicht schützt die Bronzestatue vor Witterungseinflüssen und Abgasen.

© André Braun

Döbeln. Mit einem kleinen Theaterspiel der Mimen Irina Schädlich, Norbert Hein und Hans Müller sowie Musikstücken vom Bläserensemble der Musikschule Mittelsachsen hat die Stadt Döbeln am Freitag eine Rückkehr gefeiert. Dabei war Luther – oder zumindest die Statue des Reformators – diesmal gar nicht so lange weg. Am 5.  April nahmen Mitarbeiter der Firma Ostmann und Hempel aus Wilsdruff das Denkmal vorsichtig von seinem Sockel auf dem Lutherplatz. Nun ist es dorthin zurückgekehrt, wo die Döbelner das Werk von Bildhauer Paul Ernst am 18. August 1902 enthüllten, wie Heimatforscher Heinz Schauer der Stadtchronik entnommen hat.

Seit jenem Augusttag vor mehr als 100  Jahren hat das Denkmal einiges mitgemacht. 1942 wurde es schon einmal vom Sockel geholt. Die Bronze sollte in Kriegswerkzeug umgearbeitet werden. Das blieb der Lutherfigur erspart. Trotzdem hielten sie die Döbelner in den folgenden 17 Jahren für verschollen – bis sie auf einem Schrottplatz in Hamburg wiederentdeckt wurde. Dann kam für damalige Zeit Erstaunliches. Dem Döbelner Kirchenvorstand gelang in tiefsten DDR-Zeiten, das Standbild wieder zurückzubringen. 1961 konnte es zum zweiten Mal an seinem eigentlichen Bestimmungsort aufgestellt werden.

Zum 500. Jahrestag der Reformation haben die Döbelner „ihrem Luther“ die sicher wohl verdiente Kur gegönnt. Die kostete 11 000 Euro. Drei Viertel davon kommt aus dem Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“ und damit vom Bund, wie Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) sagte. Dazu gehörten Steinmetzarbeiten am Sockel und Sanierungen an der Figur selbst. Dabei stand von vornherein fest, „dass die Spuren der Geschichte weiter ablesbar sein sollen“, so Uwe Ostmann, Geschäftsführer der ausführenden Handwerksfirma.

Luther in Döbeln

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Obwohl der Reformator selbst nie länger in Döbeln gewesen sein soll, hat der Döbelner Stadtrat am 9. November 1883 beschlossen, ein Lutherdenkmal zu errichten.

Das wurde am 18. August 1902 enthüllt und eingeweiht. Vorm Bau wurde der Platz Lutherplatz getauft.

Am 400. Geburtstag Luthers 1883 kamen vier Eichen aus den bekannten Lutherstädten Eisleben, Eisenach, Erfurt und Wittenberg in die Erde.

An Luthers Ehrentag, dem 11. November, könnten am Denkmal Blumen niedergelegt werden. Das wünscht sich Heimatfreund Heinz Schauer.

Spuren an Döbelns Luther hat vor allem die Zeit auf dem Schrottplatz hinterlassen, wie die Handwerker feststellten. Sie haben die Figur in einem Wannenbad ausgiebig gereinigt und starke Verschmutzungen abgelöst. „Die Patina wurde nicht entfernt, sondern nur ausgedünnt“, sagte Ostmann. Eine Wachsschicht soll jetzt dafür sorgen, dass Wind und Wetter dem Reformator nichts anhaben können.

Entspannt, die Kämpfe und das Ringen hinter sich habend, so hat der Bildhauer Martin Luther damals dargestellt. Luther war ebenfalls ein Kämpfer für eine Schulbildung für alle Kinder. „Deshalb steht Luther am Schulweg hier genau richtig“, sagte Pfarrer Stephan Siegmund. Dass er das sicher tut, dafür sorgt eine neue Befestigungskonstruktion aus Edelstahl. Vorher hat Luther auf seinem Sockel gewackelt. Das war ein Punkt, der den Handwerkern Sorge bereitete. Lösungen wurden gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege gefunden.

Im von der Firma Schmidt & Wiede aus Döbeln restaurierten Sockel sind seit Freitag drei Tafeln eingelassen. Sie geben Besuchern beim stillen Stadtrundgang durch Döbeln die wichtigsten Informationen.

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