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Donnerstag, 07.12.2017

Lobingers Leben mit Leukämie

Der Ex-Leichtathlet bleibt stark und erobert sich jetzt Stück für Stück den Alltag zurück.

Von Ulrike John

Tim Lobinger blickt vorsichtig-optimistisch in die Zukunft.
Tim Lobinger blickt vorsichtig-optimistisch in die Zukunft.

© dpa/Kay Nietfeld

Der an Blutkrebs erkrankte Tim Lobinger kehrt Stück für Stück in die Normalität zurück. „Mein Körper hat sich soweit gut erholt, und ich konnte auch schon wieder meine Arbeit als Personal Trainer aufnehmen“, sagte der ehemalige Weltklasse-Stabhochspringer nach fünf Chemotherapien und einer Stammzellentransplantation. Seine im Mai öffentlich gemachte Diagnose löste große Betroffenheit unter Leichtathleten aus. Der 45-Jährige musste sich sieben Monate in einem Münchner Krankenhaus behandeln lassen.

Mit Prognosen hält er sich zurück. Der Weg zur vollständigen Genesung sei noch weit, da es sich um eine extrem aggressive Form der Leukämie handle. Im August fand der dreifache Familienvater einen Spender. „Auch in den schweren Phasen probierte ich zu trainieren, was nicht einfach war, aber enorm wichtig für Körper und Geist. Was die Psyche betrifft, wurde ich mit neuen Ängsten konfrontiert und versuchte mit aller Kraft, diese Achterbahnfahrten der Gefühle in Schach zu halten.“

Seinen schweren Kampf gegen die lebensbedrohliche Krankheit verarbeitete er in einem Buch, das im Frühjahr erscheint. Der Rheinländer führte all die Zeit Tagebuch, schrieb seine Schmerzen und Rückschläge, aber auch Hoffnung auf. „Die Diagnose meiner Krankheit im März überschattet natürlich vieles.“ Prägend seien aber auch die normalen und unbeschwerten Momente dazwischen gewesen: „Das Grillen im Garten und das Lachen mit Freunden und meiner Familie, das war das schönste Geschenk. Natürlich vergesse ich nie, als ich nach wochenlanger Isolation endlich wieder an die frische Luft durfte.“

1997 meisterte er als erster Deutscher die Sechs-Meter-Marke. 2003 gewann Lobinger bei der Hallen-WM in Birmingham Gold, viermal startete er bei Olympia. Jahrelang war der extrovertierte Leichtathlet eine der prägenden Figuren seiner Sportart. „Tim und seine Ärzte sind zuversichtlich, dass er die weitere Zeit gut übersteht und große Chancen auf ein gesundes Leben hat“, erklärt sein Management. Lobinger setze auch in diesem Kampf „auf Willensstärke und Disziplin“.

Er arbeitete nach seiner Leichtathletik-Karriere ab 2012 als Athletiktrainer im Profifußball bei RB Leipzig. 2016 kehrte der neunfache deutsche Freiluftmeister aus privaten Gründen mit seiner Familie nach München zurück. Da spezialisierte er sich als Fitnesscoach für Spitzensportler: „Ich wünsche mir, als Athletiktrainer wieder vermehrt Aufgaben zu übernehmen, und möchte mich weiter mit all meiner Erfahrung einbringen. Wenn es nach mir geht, dann darf das Leben weitergehen.“ (dpa)

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