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Samstag, 12.08.2017

Linie Leipzig–New York nur eine Luftnummer?

Der pakistanischen Airline fehlen erst Genehmigungen, dann ein Flugzeug und der Chef. Mancher ist sogar froh darüber.

Von Michael Rothe

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Seit seiner Landung im Dezember parkt dieser Airbus 310 auf dem Flughafen Leipzig-Halle. Seine Zukunft ist unklar – wie die der angekündigten Linie nach New York und Pakistan. Um den Flieger gibt es Zoff und offene Fragen. Der Airport hätte Interesse: für Feuerwehr-Trainings und für Filmaufnahmen.
Seit seiner Landung im Dezember parkt dieser Airbus 310 auf dem Flughafen Leipzig-Halle. Seine Zukunft ist unklar – wie die der angekündigten Linie nach New York und Pakistan. Um den Flieger gibt es Zoff und offene Fragen. Der Airport hätte Interesse: für Feuerwehr-Trainings und für Filmaufnahmen.

© Michael Strohmeyer

Bernd Hildenbrand, hier mit einer Stewardess der PIA, hat Geschmack. 2010 gab er das Kochbuch „Wenn Sterne fliegen“ heraus. Nun muss der Manager eine unappetitliche Suppe auslöffeln.
Bernd Hildenbrand, hier mit einer Stewardess der PIA, hat Geschmack. 2010 gab er das Kochbuch „Wenn Sterne fliegen“ heraus. Nun muss der Manager eine unappetitliche Suppe auslöffeln.

© SZ/Archiv

Nonstop von Leipzig nach New York. Und nebenbei noch die einzige deutsche Direktverbindung nach Pakistan. Die Pläne der staatlichen Fluggesellschaft Pakistan International Airlines (PIA) hatten sich aus sächsischer Sicht schön angehört. Zu schön. Seit dem Frühjahr sollte es solche Flüge vom Airport Leipzig-Halle aus geben. Am Nikolaustag 2016 hatten die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) und PIA das Vorhaben des asiatischen Carriers mit viel Trara präsentiert. „Das ist wie ein Sechser im Lotto – mit Zusatzzahl“, hatte MFAG-Chef Johannes Jähn gejubelt. Er gehe von „einem langfristigen Engagement“ aus.

Gut acht Monate später wird der Konzern, zu dem auch der Dresdner Flughafen gehört, nur ungern auf das Thema angesprochen. Von dort heißt es auf Anfrage lediglich: Die Flüge würden „nicht wie ursprünglich vorgesehen in der laufenden Sommerflugplansaison erfolgen. Die Planungen werden seitens PIA aber grundsätzlich weiterverfolgt und sollen zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden“.

Zweimal pro Woche sollten Langstrecken-Boeings von Karatschi via Leipzig in die US-Metropole und zurück düsen. Der Plan: Die Pakistanis nehmen die 2013 eingestellten Deutschland-Flüge wieder auf, landen statt in Frankfurt in Leipzig und verzichten auf den Stopp im britischen Manchester. Ein Drittel der 297 Sitze sollte Einsteigern in Leipzig zur Verfügung stehen.

„Wir müssen noch die eine oder andere Genehmigung einholen“, hatte der deutsche Airline-Chef Bernd Hildenbrand damals erklärt. „Es geht nur noch um das Wann und nicht mehr um das Ob. Wir sind kurz davor, den Nagel einzuschlagen.“ Und der anwesende pakistanische Botschafter in Deutschland, Jauhar Saleem, ließ keine Zweifel aufkommen. Neben Kostenvorteilen, guter Infrastruktur und zusätzlicher Fracht dank des DHL-Drehkreuzes spielte beim Deal auch „Vitamin B“ eine Rolle. PIA-Manager Hildenbrand und MFAG-Co-Chef Markus Kopp sind alte Lufthansa-Kumpels, und Hildenbrand war 1999/2000 für die Kranich-Linie Standortleiter in Leipzig.

Schon bei der Bekanntgabe witterten Experten eine Luftnummer. Und bereits am Tag nach der Verkündung gab es eine Hiobsbotschaft: Im Norden Pakistans war eine weiß-grüne Propeller-Maschine mit Halbmond und Stern am Schwanz abgestürzt. Keiner der 48 Insassen überlebte.

Dennoch hieß es Ende März, PIA plane „noch in der ersten Hälfte des Sommerflugplans“ die Aufnahme der Flüge via Sachsen, „für die nunmehr alle Genehmigungen vorliegen“. Tatsächlich hatte die Airline per 15. Februar eine Betriebserlaubnis für elf Boeings 777 erhalten, die „berechtigt, Liniendienste zwischen Pakistan–Leipzig–New York durchzuführen“, bestätigt das Luftfahrtbundesamt der SZ. Das Unternehmen sei nicht mehr auf der aktuellen Schwarzen Liste der EU. Dort hatten bis 2007 die meisten seiner derzeit 37 Maschinen gestanden – und damit Flugverbot.

Stehplätze und Ziegen-Opfer

„Die beanstandeten Sicherheitsmängel wurden behoben“, hatte Airline-Manager Hildenbrand versichert. Trotzdem darf der Carrier nicht direkt von Pakistan in die USA fliegen, sondern muss in der EU starten. PIA werde „wie alle anderen ausländischen Airlines regelmäßig stichprobenartig“ auf technische und flugbetriebliche Sicherheit kontrolliert, schreibt das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig. „Es gab bislang keine Beanstandungen, die den Widerruf der Verkehrsrechte hätten begründen können.“ Jene oberste Bundesbehörde für zivile Luftfahrt gibt es seit 1954 – so lange wie den pakistanischen Staatsflieger.

Als Grund für die Verzögerung bei Leipzigs Interkontinental-Verbindung habe PIA „Probleme mit den Luftfahrzeugen angegeben“, heißt es vom Amt. „Einen Zeitpunkt für die Aufnahme des Flugbetriebes konnte das Unternehmen noch nicht benennen.“ Eine Anfrage der SZ am PIA-Sitz in Karatschi ließ die Airline unbeantwortet.

Bernd Hildenbrand kann das Projekt nicht befördern, er wurde abgesetzt. Der Ex-Chef soll drei Airbusse 330 überteuert von Sri Lankan Airlines geleast und einen PIA-eigenen A 310 zu billig an ein deutsches Museum verkauft haben – gerüchteweise an sich selbst. Jener Flieger parkt seit Dezember in Leipzig. Der 62-Jährige, der sich im Netzwerk linkedin.com weiter „Acting CEO“, amtierender Vorstandschef, nennt, weist Korruptionsvorwürfe von sich. Er soll sich laut Medienberichten nach genehmigter mehrwöchiger Auszeit in Deutschland wieder in Pakistan aufhalten.

Im Rating der englischen Unternehmensberatung Skytrax erhält die PIA, welche in den letzten Jahren rund drei Milliarden Euro Verlust eingeflogen hat, drei von fünf möglichen Sternen – wie etwa Air Berlin, Germanwings und Ryanair. Allerdings machen die Pakistanis nicht nur wegen wiederholter Rauschgiftfunde an Bord immer wieder Negativschlagzeilen.

Weil im Januar ein Flug mit 416 Passagieren von Karatschi nach Medina in Saudi-Arabien überbucht war, wurden für den Vier-Stunden-Trip sieben überzählige Pilger im Stehen mitgenommen. Ende April hatte der Kapitän auf dem Weg von Islamabad nach London für zweieinhalb Stunden ein Nickerchen inmitten der 305 Passagiere gemacht und einen Azubi fliegen lassen. Im Mai hatte ein Pilot auf dem Weg von Tokio nach Peking wohl Langeweile und für zwei Stunden eine junge Chinesin ins Cockpit geholt. Wenige Tage nach dem Absturz vom 7. Dezember schnitt Bodenpersonal einer schwarzen Ziege die Kehle durch, um Unheil von ihrer baugleichen Maschine fernzuhalten. Ein via Twitter verbreitetes Foto zeigt das Opferritual.

Angesichts solcher Meldungen lässt der auf Eis gelegte Leipziger New-York-Flug manche gar aufatmen. Spötter nennen PIA auch Abkürzung für „Please inform Allah“.

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