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Samstag, 04.11.2017

Letzte Worte

Trauerredner reden nicht nur, sie begleiten die Angehörigen. Eine einheitliche Ausbildung dafür gibt es aber nicht.

Von Julia Ruhnau

Trauerrednerin Judith Kolschen war Krankenschwester und arbeitet inzwischen als selbstständige Heilpraktikerin. Foto: dpa/Caroline Seidel
Trauerrednerin Judith Kolschen war Krankenschwester und arbeitet inzwischen als selbstständige Heilpraktikerin. Foto: dpa/Caroline Seidel

© dpa-tmn

Judith Kolschen war lange Krankenschwester, bevor sie sich für das Thema Sterbebegleitung zu interessieren begann. Sie arbeitete ehrenamtlich im Hospiz, machte eine Weiterbildung zur Trauerbegleiterin und eröffnete ihre eigene Praxis. „Irgendwann hat mich eine Bestatterin angerufen und gefragt, ob ich nicht die Trauerrede auf einer Beerdigung halten will“, sagt sie. Seitdem spricht die selbstständige Heilpraktikerin immer wieder, wenn Angehörige sich von einem Verstorbenen verabschieden wollen.

Trauerredner kommen zum Einsatz, wenn der Verstorbene oder die Angehörigen keiner Konfession angehören und sich gegen eine religiöse Zeremonie bei der Bestattung entschieden haben. „Manche sind aus der Kirche ausgetreten, andere finden die Rituale zu leer oder sind mit den Umständen nicht zufrieden“, sagt Kolschen, die Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung ist. Wer Trauerreden hält, ist allerdings sehr unterschiedlich. „Das Berufsbild ist noch nicht so ausgeprägt“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer beim Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. Bisher gibt es keine einheitliche Ausbildung, sondern verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten – vom Wochenendkurs bis zum Teilzeitstudium. „Die meisten sind unzureichend“, sagt Annette Hundhausen, Vorsitzende der Bundes-Arbeitsgemeinschaft Trauerfeier (BATF), dem Berufsverband der Trauerredner.

„Momentan gibt es eine Flut von Ausbildungsangeboten“, sagt Birgit Janetzky, die selbst Trauerrednerin ist und ein eigenes Ausbildungsangebot ins Leben gerufen hat. Ihre Kunden kommen aus verschiedenen Bereichen. Heilpraktiker oder Theologen sind darunter, aber auch Menschen mit ganz anderem beruflichen Hintergrund. Manche arbeiten nicht nur auf Trauerfeiern, sondern bieten auch Hochzeits- oder Taufreden an.

Da es bisher keine einheitlichen Ausbildungsstandards gibt, sind Einsteiger auf Empfehlungen von Berufs- oder ähnlichen Interessenverbänden angewiesen. Bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier sind unter anderem psychologische und kulturgeschichtliche Grundlagen, Kommunikationstechniken und Rhetorik Teil der vom Verband angebotenen Ausbildung. Teilnehmer lernen rechtliche Voraussetzungen für die Tätigkeit und Grundlagen der Buchführung. „Ein Wochenendkurs reicht nicht. Man muss sich schon zwei Jahre Zeit für die Ausbildung nehmen, um den Beruf würdevoll ausüben zu können“, sagt Hundhausen, die selbst seit 14 Jahren Trauerrednerin ist. Sie wünscht sich das Angebot einer umfassenden Ausbildung, was es so bisher nicht gebe. Interessenten für den Beruf sollten Feinfühligkeit und die Fähigkeit zu Empathie und Reflexion mitbringen. Außerdem ist ein gutes Sprachgefühl und rednerisches Talent hilfreich. Es brauche aber genauso literarisches Wissen, Einblicke in Psychologie und Philosophie, Religion und Krankheitslehre, so Hundhausen. Insgesamt geht es bei der Trauerrede also um mehr als um schöne Worte.

„Ein Trauerredner ist ein seelsorgerischer, begleitender Mensch“, sagt Theologe Wirthmann. Er habe bereits Reden gehört, die sprachlich gut waren, aber nicht die Dimension der Begleitung erfüllt hätten, so Wirthmann. Und die ist seiner Ansicht nach Teil der Berufsbeschreibung. Während religiöse Trauerfeiern je nach Konfession einen eher fürbittenden oder verkündenden Charakter haben, liege der Schwerpunkt bei der weltlichen Trauerfeier auf der biografischen Deutung des Lebens des Verstorbenen.

Die Vermittlung von Rednern läuft meist über Bestattungshäuser. Sie stellen den Kontakt her und geben Empfehlungen. „Dann klärt man den Termin ab, nimmt Kontakt mit den Angehörigen auf und trifft sich zum Vorgespräch“, sagt Janetzky. Teilweise beschäftigen Bestattungsunternehmen auch angestellte Trauerredner, das ist allerdings die Ausnahme. Die Honorare für die Bestattungsfeier legen Trauerredner selbst fest. Hier sollte man sich an den Preisen der Konkurrenz orientieren. Für einen Auftrag sind aber einige 100 Euro normal.

Das persönliche Gespräch mit dem Auftraggeber bildet die Grundlage für die spätere Rede über den Verstorbenen. Schließlich kannten die Trauerredner den Toten meist nicht selbst. Deshalb geht es bei dem Termin um mehr als nur um organisatorische Dinge. „Das ist Teil der Trauerbegleitung“, sagt Janetzky. Außerdem können die Beteiligten hier den Ablauf der Feier festlegen, gegebenenfalls Musiktitel auswählen oder sich auf individuelle Gestaltungselemente verständigen.

Dabei gilt es, mit Konflikten umzugehen. Nicht zuletzt müssen Trauerredner belastbar sein. „Ich werde oft gefragt, wie ich das aushalte“, sagt Judith Kolschen. Man brauche einen festen Stand im Leben und Techniken, um sich die Dinge nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. (dpa/gfl)

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