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Freitag, 08.12.2017

Lessingschule begeht zwei Jubiläen

Vor 120 Jahren wurde das Haus an der Zittauer Dr.-Friedrichs-Straße als III. Bürgerschule eingeweiht.

Von Heike Schwalbe

Die Lessingschule in Zittau. Im Obergeschoss kann das Schulmuseum besichtigt werden, mit Exponaten aus allen Epochen seit ihrem Bestehen.
Die Lessingschule in Zittau. Im Obergeschoss kann das Schulmuseum besichtigt werden, mit Exponaten aus allen Epochen seit ihrem Bestehen.

© Heike Schwalbe

Zittau. Als im 19. Jahrhundert in Deutschland viele Fabriken gebaut wurden und Schornsteine zunehmend die Stadtbilder prägten, nahm auch in Zittau die Zahl der Einwohner zu. 1834 zum Beispiel wohnten in der Stadt 9 100 Menschen, 1910 waren es bereits 37 000. Der Ruf nach besserer Bildung und neuen Schulen wurde laut. Der Zittauer Stadtrat reagierte, und so entstand das erste große Schulgebäude am Stadtring, das 1866 als I. Bürgerschule eingeweiht wurde. Bald genügte diese nicht mehr, und in der Folgezeit entstanden weitere stattliche Schulgebäude: 1871 das Gymnasium am Haberkornplatz, 1893 die II. Bürgerschule, auch „rote Schule“ genannt, 1897 die III. Bürgerschule in der West-, 1901 die IV. Bürgerschule in der Südvorstadt und 1920 an der Allee zur Weinau ein zweites Gymnasium.

1895 kaufte die Stadt in der Westvorstadt ein Grundstück auf der heutigen Dr.-Friedrichs-Straße 5 und baute hier dieses Schulhaus im Gründerzeitstil. Es hat einen vorgezogenen viergeschossigen Mittelbau. Drei Stufen führen an der Ostseite zu den beiden imposanten Eingangstoren mit Oberlicht-Bogenfenstern. Ebenfalls in drei Geschossen befinden sich die Klassenräume. Gekrönt wird das Gebäude durch zwei Uhren, geschmückt durch Simse und Türmchen. Zur Turnhalle an der Westseite führt ein geschlossener Verbindungsbau mit zwei Gängen.

Das Schulgebäude wurde 1897 feierlich mit Festumzug, Schlüsselübergabe und Weiheakt als III. Bürgerschule übergeben. In den Jahren des Ersten Weltkrieges fiel der Unterricht wegen Kohlenmangels oft aus, auch fehlten Lehrer, und viele Klassen wurden zusammengelegt.

1920 beschloss der Zittauer Stadtrat die Schuluntersuchung, Auch auf Zahngesundheit wurde Wert gelegt und in diesem Gebäude ein Extraraum dafür eingerichtet. Sechs Jahre später gab es Schwimmunterricht für Kinder der zweiten und dritten Klassen. 1929 feierte die III. Bürgerschule ihren neuen Namen „Lessingschule“, den sie anlässlich des 200. Geburtstages des Literaten verliehen bekam. Die Mädchen hatten in dieser Zeit im rechten Teil des Gebäudes ihre Klassenräume, die Jungen im linken. 1935 wurde hier eine Lichtbildstelle eingerichtet und Projektoren, Filme und Lichtbilder angeschafft. Ab 1940 kamen Vertriebene nach Zittau und wurden auch in diesem großen Gebäude untergebracht. Hamburger Kinder gingen ebenfalls hier zur Schule. Bis 1946 gab es im Haus eine Quarantänestation, ehe der Schulbetrieb langsam wieder begann. Die Klassenstärke damals lag bei etwa 47 Kindern.

Zur DDR-Zeit gab es ein neues Bildungssystem. 1955 wurde das Gebäude geteilt, der linke Teil wurde die 3. Polytechnische Oberschule (POS), der rechte die 7. POS, Trennwände wurden eingezogen. 1958 führte man das zehnklassige Schulsystem ein. Es gab spezielle Unterrichtsräume, sowie den Kulturraum mit Podesten. Vorn stand ein Flügel für den Musikunterricht. Als die Klassenräume in der 3. POS nicht mehr ausreichten, wurde dieser Raum 1967 in zwei Klassenräume umgewandelt. Die Schüler beider Schulen waren aktiv in den Chören, im Fanfarenorchester, bei der Schul- und Kreismesse sowie bei Sportwettkämpfen. Nachdem die 3. POS 1982 in ein neues Schulgebäude zog, verblieb in der Lessingschule die 7. POS und die Musikschule, andere Einrichtungen kamen hinzu. Trennwände wurden teilweise entfernt, auch die im ehemaligen Kulturraum.

Nach der Wende änderte sich erneut vieles für diese Schule, die nun wieder „Lessingschule“ heißt. Zuerst wurde 1990 der Sonnabend als Schultag abgeschafft, später die zehnklassige Oberschule, denn ab 1992 gab es in diesem Haus eine Grund- und eine Mittelschule. Letztere wurde 2004 geschlossen, auch die Musikschule war längst ausgezogen. Von 2009 bis 2014 erfolgte die Sanierung des gesamten Schulhauses, jedoch ohne Fahrstuhleinbau, und neue Sportstätten entstanden im Hof.

Seit 2007 beherbergt dieses Haus im Obergeschoss auch ein gut sortiertes Schulmuseum, welches Christian Fröde engagiert leitet, unterstützt von der Grundschulleiterin Carla Renner. In zwei großen Räumen können hier zahlreiche Exponate des Schulsystems von 1897 bis 1945 sowie der DDR angeschaut werden.

Das große Gebäude begeht in diesem Jahr also gleich zwei Jahrestage. Das Schulhaus steht 120 Jahre, und das Museum hier gibt es bereits seit zehn Jahren. Eine Ausstellung im Treppenhaus weist auf beide Jubiläen hin.

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