• Einstellungen
Samstag, 13.01.2018

Lessing-Akzente vor dem Start

Das Programm beginnt am 21. Januar mit einer Lesung und der traditionellen Geburtstagsfeier im Kamenzer Röhrmeisterhaus.

Judith Schalansky, Lessingförderpreisträgerin von 2013, liest am 21. Januar aus zwei Büchern im Röhrmeisterhaus. Damit starten die Lessingakzente.
Judith Schalansky, Lessingförderpreisträgerin von 2013, liest am 21. Januar aus zwei Büchern im Röhrmeisterhaus. Damit starten die Lessingakzente.

© Susanne Schleyer

Kamenz. Am Vortag zu Lessings 289. Geburtstag starten am 21. Januar die diesjährigen Lessing-Akzente, gewissermaßen die kleine Schwester der Lessing-Tage. Vorbereitet wurden die Lessing-Akzente durch das Lessing-Museum Kamenz in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek G. E. Lessing, dem Kamenzer Klub und dem Kamenzer Geschichtsverein.

Es ist gewissermaßen schon Tradition, dass zu Lessings Geburtstag meist die Gegenwartsliteratur im Blickpunkt steht. So wird es auch diesmal sein. Zu Gast ist die Schriftstellerin, Illustratorin und Herausgeberin Judith Schalansky. 2013 erhielt sie in Kamenz den Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates. Judith Schalansky liest aus ihrem erfolgreichen Roman „Der Hals der Giraffe“ und stellt die Reihe „Naturkunden“ vor, die sie seit 2013 herausgibt.

Die Schule war in der Literatur schon oft der Schauplatz des Irrwitzigen. So auch in „Der Hals der Giraffe“. Im Mittelpunkt des Romans steht die Lehrerin Inge Lohmark. Sie unterrichtet seit mehr als dreißig Jahren Biologie in einer Stadt im hinteren Vorpommern. Dass ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – die Stadt schrumpft, es fehlt an Kindern. Aber noch vertreibt Inge Lohmark, Lehrerin vom alten Schlag, mit ihrem Starrsinn alles Störende. Als sie schließlich Gefühle für eine Schülerin entwickelt und ihr Weltbild ins Wanken gerät, versucht sie, in immer absonderlicheren Einfällen zu retten, was nicht mehr zu retten ist. In der Reihe „Naturkunden“ wiederum erscheinen Bücher, die von der Natur erzählen, von Tieren und Pflanzen, von Pilzen und Menschen, von Landschaften, Steinen und Himmelskörpern, von belebter und unbelebter, fremder und vertrauter Natur. Der Name der Reihe ist Programm: Hier wird keine bloße Wissenschaft betrieben, sondern die leidenschaftliche Erforschung der Welt: kundig, anschaulich und im Bewusstsein, dass sie dabei vor allem vom Menschen erzählt – und von seinem Blick auf eine Natur, die ihn selbst mit einschließt.

Die acht Akzente

1 von 8

Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr im Röhrmeisterhaus: „Der Hals der Giraffe/Naturkunden“‚ Lesung mit Judith Schalansky (Berlin), Trägerin des Förderpreises zum Lessing-Preis 2013 – Geburtstagsfeier in Kooperation mit dem Kamenzer Klub ‘Gotthold Ephraim Lessing, Eintritt frei

Mittwoch, 24. Januar, 19 Uhr im Lessing-Röhrmeisterhaus: „Lessing im Gedicht“‚ Vortrag von Dr. Helmut Berthold (Lessing-Akademie Wolfenbüttel), Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

Donnerstag, 1. Februar, 19 Uhr in der Galerie im Sakralmuseum: „Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie im Werk von Georg Baselitz“‚ Vortrag Dr. Konstanze Rudert (Staatl. Kunstsammlungen Dresden), Eintritt: 3 Euro (1,50 Euro)

Freitag, 9. Februar, 19 Uhr im Theater: „Die Marquise von O.“, nach Heinrich von Kleist, Gastspiel des Turmalintheaters Kunreuth, Eintritt 17 Euro (9 Euro), an der Abendkasse 18,50 Euro

Mittwoch, 14. Februar, 19 Uhr im Malzhaus: Textilkunst von Danjana Brandes, Ausstellungseröffnung, Eintritt frei

Donnerstag, 22. Februar, 9 bis 15 Uhr im Röhrmeisterhaus: „Tierischer Scherenschnitt“‚ Ferienwerkstatt mit Christiane Latendorf (Dresden) für Schüler von 8 bis 13, Gebühr mit Mittagessen 8 Euro

Freitag, 23. Februar, 19 Uhr im Malzhauskeller: „Barockskulpturen sächsischer Landsitze“‚ Vortrag von Dr. Hartmut Ritschel (Landesamt für Denkmalpflege Dresden), Eintritt frei

Sonnabend, 24. Februar, 15 Uhr im Malzhauskeller: „Das Schokoladenmädchen“ – musikalisches Kammerspiel‚ Lese-Café mit Anne Schierack, Gesang, und Frank Petersen, Gitarre (Dissen/Leipzig), Eintritt 10 Euro inklusive Kaffeegedeck.

Auf Zuckerkuchen und Rotwein kann man sich aber ebenfalls wieder freuen. Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen dem Lessing-Museum Kamenz und dem Kamenzer Klub „Gotthold Ephraim Lessing“ statt. Der Eintritt ist kostenlos, Platzkarten sollte man sich jedoch rechtzeitig im Lessing-Museum sichern.

Nach der Lesung mit Judith Schalansky stehen noch sieben weitere, ganz unterschiedliche und anregende Veranstaltungen auf dem Programm der Lessingakzente. Sie sind von der Erkenntnis getragen, dass ja auch die Wirkungen Lessings erstaunlich vielfältig sind. So nahmen sich Dichterkollegen verschiedener Generationen seiner an und machten ihn selbst zum Gegenstand der Poesie. Darüber spricht Dr. Helmut Berthold aus Wolfenbüttel in seinem Vortrag „Lessing im Gedicht“ am 28. Januar im Röhrmeisterhaus.

Im Rahmen der Lessing-Akzente kann man auch einem anderen namhaften Künstler aus Kamenz begegnen. Dr. Konstanze Rudert von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hält anlässlich des 80. Geburtstages von Georg Baselitz einen Vortrag zum Thema „Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie im Werk von Georg Baselitz“. Diese Veranstaltung, zugleich Bestandteil des dem Künstler gewidmeten Festprogramms, findet am 1. Februar in der Galerie im Sakralmuseum statt.

Das Turmalintheater Kunreuth wiederum gastiert am 9. Februar im Stadttheater Kamenz. Auf dem Programm steht „Die Marquise von O.“ von Heinrich von Kleist. Eine Novelle, die für die Bühne bearbeitet wurde. Ausgangspunkt des Stücks ist die skandalöse Begebenheit einer unwissentlich zustande gekommenen Schwangerschaft. Die Geschichte beginnt mit einer sehr ungewöhnlichen Zeitungsannonce, in der „eine Dame von vortrefflichem Ruf“ bekannt machen ließ, „dass sie, ohne ihr Wissen, in andere Umstände gekommen sei, dass der Vater sich melden solle; und dass sie entschlossen wäre, ihn zu heiraten.“ Eine atemberaubende Folge von Ereignissen nimmt dann ihren Lauf. Ein Wechselbad von spannenden und überraschenden Augenblicken zieht den Zuschauer in den Bann der vielleicht ungewöhnlichsten Geschichte einer Liebe. Da dürfte sich ein Theaterbesuch lohnen.

Auch die weiteren Veranstaltungen haben es in sich. Die Sonderausstellung im Malzhaus widmet sich der Textilkunst von Danjana Brandes, die Ferienwerkstatt für Schüler von 8 bis 13 Jahren im Röhrmeisterhaus der Herstellung von Scherenschnitten zu Fabeltieren. Und am 23. Februar spricht Dr. Hartmut Ritschel vom Landesamt für Denkmalpflege in der Reihe „Lessings Lebenswelten“ auf Einladung des Kamenzer Geschichtsvereins im Malzhauskeller über „Barockskulpturen sächsischer Landsitze“, ehe es einen Tag später den Schlusspunkt im „Lese-Café“ der Lessingbibliothek mit dem musikalischen Kammerspiel „Das Schokoladenmädchen“ gibt. Karten für die Theateraufführung am 9. Februar gibt’s in der Kamenz-Info, für alle anderen Veranstaltungen im Lessing-Museum und an den Abendkassen. Die Organisatoren freuen sich auf große Resonanz. (SZ)

Desktopversion des Artikels