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Donnerstag, 15.02.2018 Gerichtsbericht

Leere Pakete vor Weihnachten

Zwei Zusteller sollen zur Adventszeit Sendungen geplündert haben. Es gibt ein Video – aber auch Zweifel.

Von Yvonne Popp

© Symbolbild/dpa

Freital/Dippoldiswalde. Obwohl sich die Arbeitsbedingungen ständig verschlechtert hätten, sei ihm sein Job mehr wert gewesen als ein paar gestohlene Computerkabel, betont Roberto L. Er benutzt zwar die Worte „moderne Sklaverei“ wenn er über seinen Ex-Arbeitgeber, einen im Dresdner Umland ansässigen Paketdienst, spricht. Dennoch habe er die Arbeit gern gemacht. „Wir haben dort gut verdient.“

Doch am 15. Januar vergangenen Jahres erhielten er und Alexander W. überraschend die Kündigung. Man warf den beiden Deutschen vor, sich am 6. und 14. Dezember 2016 im zentralen Verteilungszentrum aus Paketen, die für einen Bautzener Elektronikhändler bestimmt waren, bedient zu haben. Computerzubehör wie Speichersticks, USB-Kabel und Eingabestifte für Tablets im Gesamtwert von 265 Euro waren daraus entwendet worden.

„Warum hätte ich das tun sollen?“, fragt Roberto L. am Amtsgericht in Dippoldiswalde und erklärt dann, dass ihm die Teile nichts genützt hätten, da er einen Laptop von Apple habe und sie an diesen nicht passen würden. Außerdem, so fügt der 38-Jährige hinzu, gehörten die Pakete nicht zu seinem oder dem Zustellbereich von Alexander W.

Staatsanwalt muss weiter ermitteln


Tatsache ist aber, dass beide Männer die betreffenden Pakete in ihren Händen hatten. Auf Überwachungsvideos ist zu sehen, wie sie die Sendungen vom Sortierband nahmen und aus dem Sichtbereich der Kamera trugen. Das bestreiten beide nicht. Sie sagen, dass sie die Pakete für einen Kollegen herunter genommen und in dessen Ladebucht gelegt hatten, um ihn zu unterstützen. Im Gegensatz zu ihnen hätte dieser nicht nur einen Transporter, sondern einen Lkw beladen müssen.

Auf den Videobändern ist zu sehen, dass die Postsendungen zu diesem Zeitpunkt verschlossen und unversehrt waren. Laut dem operativen Leiter des zentralen Verteilungszentrums tauchten sie zwei Tage danach wieder auf. Da seien sie aber geöffnet und teilweise leergeräumt gewesen.

Keine der anderen Überwachungskameras aber zeigt, ob die beiden Angeklagten tatsächlich etwas mit den Diebstählen zu tun hatten. Auf keiner Aufnahme sieht man, wie sie die Pakete öffnen, geschweige denn, dass sie die Sendungen überhaupt noch einmal angefasst hatten.

So muss der Leiter des Verteilungszentrums schließlich vor Gericht einräumen, dass die beiden Männer, die bis zu den Vorfällen immer tadellos und zuverlässig gearbeitet hatten, keineswegs die Einzigen waren, die die Möglichkeit hatten, sich aus den Paketen zu bedienen. Deshalb muss nun die Staatsanwaltschaft noch weiter ermitteln. So lange muss das Verfahren ausgesetzt werden.