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Montag, 04.09.2017 Kommentar

Lauter schreien als die Idioten

Nach all den Reaktionen auf die rechtsradikalen Ausfälle einiger Fans beim WM-Qualifikationsspiel in Prag bleibt für Daniel Klein die wichtigste Frage unbeantwortet: Wie kann man das künftig verhindern?

SZ-Sportredakteur Daniel Klein.
SZ-Sportredakteur Daniel Klein.

© Robert Michael

Es ist der immer gleiche Reflex: Man verurteilt, man distanziert sich, man fordert harte Bestrafung – alles richtig, alles gut. Die eigentliche Frage, die man sich nach rechtsradikalen Ausfällen wie die vom Freitagabend in Prag stellen sollte, bleibt jedoch meist unbeantwortet: Wie kann man das künftig verhindern?

Womöglich wird darüber auch deshalb wenig gesprochen, weil die Wahrheit eine unangenehme ist: Man müsste sich nämlich eine gewisse Ohnmacht eingestehen. Gänzlich raus bekommt man diesen braunen Spuk offenbar nicht aus den Stadien.

Die Probleme beginnen bei der Anreise. Natürlich hätte man sich Kontrollen auf der Autobahn nach Prag gewünscht. Aber was, wenn die Randalierer Nebenstraßen nutzen? Weiter geht es mit den Eintrittskarten. Solange die nicht personalisiert werden, kommen Fans mit langem Vorstrafenregister leicht ins Stadion.

Nun werden Forderungen laut, die Ordner hätten eingreifen müssen. Dabei wird offenbar vergessen, dass Tschechen mangels Deutschkenntnissen gar nicht unterscheiden können, wann Parolen gerufen werden, die einen Straftatbestand erfüllen und wann es nur ganz normale Anfeuerungen sind. Zumal es selbst für Muttersprachler schwer zu verstehen war, welcher Unsinn da skandiert wurde.

Nach den Vorfällen kommen nun die Forderungen nach drakonischen Strafen. Sicher wird es Ermittlungen geben, aber auch Verurteilungen? Unwahrscheinlich. Schließlich muss jedem Einzelnen zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er „Sieg heil“ gebrüllt hat. Das dürfte nicht einfach sein.

Das effektivste Mittel ist dagegen ganz simpel: Die Anständigen müssen einfach lauter sein als die Idioten. Damit bei der kleinen Minderheit nicht das Gefühl aufkommt, etwas erreicht zu haben.

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