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Donnerstag, 07.12.2017

Lass es rollen

Der Kreis will eine Radwegskonzeption auf den Weg bringen. Dabei sollen die Gemeinden kräftig mit anschieben.

Von Anja Beutler

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Wo könnte es in Zukunft im Kreis Radwege geben? Und wie werden die aussehen? Das soll unter anderem im Radwegekonzept des Landkreises beschrieben werden. Wer diese Ziele dann in welchem Tempo umsetzt, ist allerdings die große Unbekannte.
Wo könnte es in Zukunft im Kreis Radwege geben? Und wie werden die aussehen? Das soll unter anderem im Radwegekonzept des Landkreises beschrieben werden. Wer diese Ziele dann in welchem Tempo umsetzt, ist allerdings die große Unbekannte.

© dpa

Region. Gerold Seifert geht es um reichlich fünf Kilometer. Der Spitzkunnersdorfer wünscht sich schon lange einen Radweg zwischen seinem Wohnort und Niederoderwitz. „Wir haben im Ort leider nur noch einen Fleischer, viele Leute fahren deshalb nach Oderwitz zum Einkaufen“, sagt er. Dass offiziell schon über einen Radweg nach Leutersdorf nachgedacht wurde, ist ihm bekannt. Seifert sieht Richtung Oderwitz aber viel größeren Bedarf und deshalb hat er am Dienstag dieser Woche auch genau zugehört, was der Kreis in einer Informationsveranstaltung über das anstehende Radwegskonzept zu sagen hatte:

Warum stellt der Kreis jetzt eine Radwegskonzeption auf?
Auf Bundesebene ist in diesem Jahr über Radwege diskutiert worden, der Freistaat hat seit 2014 konkrete Pläne – fehlt also noch auf der Ebene des Landkreises und der Städte und Gemeinden ein Konzept. Und das soll nun mit Hilfe des Dresdener Ingenieurbüro Ivas entstehen. Bislang beschäftigt sich der Kreis vor allem mit der Analyse der vorhandenen Radwege, aber auch mit dem Einsammeln der Wünsche, die in den einzelnen Orten bestehen. Dabei unterscheiden die Projektverantwortlichen grundsätzlich zwischen Radwegen, die vorrangig für die Alltagsnutzung nötig sind und denen für Radtouristen.

Wie ist der Stand der Dinge im Süden des Kreises?
Im Vergleich zum Nordteil des Landkreises steht das Radwegenetz im Süden hintenan. Der Grund dafür ist einfach: In den vergangenen Jahrzehnten ist im Norden in großem Umfang in Radverbindungen investiert worden – durchaus auch, weil es leichter war, den dafür nötigen Raum zu bekommen. „Allein mit Blick auf die Topographie ist das so hier nicht möglich“, bestätigte Jeannette Türpe, die für das Kreisentwicklungsamt das Projekt koordiniert. Im Klartext: Radwege an großen Straßen, die auch baulich extra abgetrennt sind, werden schon mit Blick auf die natürlichen Gegebenheiten nicht überall möglich sein. Generell verfügt der Südkreis mit dem Oder-Neiße-Radweg oder dem Radfernweg Zittau-Aachen über attraktive Routen. Insgesamt ist aber auch das durchaus ausbau- und stärker vermarktungsfähig – was auch die anschließende Diskussion bei der Informationsveranstaltung zeigte. Während Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker noch Luft nach oben sieht, ist Martin Noack, Radwegewart aus Löbau, durchaus zufrieden mit vielem, was in den vergangenen Jahren bereits erreicht wurde. Unstrittig ist aber, dass das Alltagsradwegenetz mehrere weiße Flecken aufweist. Rund um Bernstadt als Verbindung zwischen Ostritz und Herrnhut zum Beispiel, aber auch entlang der B 6 zwischen Markersdorf und Löbau oder im Zittauer Gebirge, gerade mit Blick auf grenzübergreifende Routen. „Wo genau Bedarf besteht, sammeln wir derzeit und bewerten es“, erklärt Jan Schubert vom Ingenieurbüro Ivas. Fast alle Gemeinden haben bereits ihre Listen eingereicht, noch ist die präsentierte Grafik aber ein Zwischenstand von Ende November, betont Frau Türpe.

Wird das Konzept dann gleich in die Tat umgesetzt?
Dies ist der wunde Punkt des aktuellen Projektes: Der Kreis sammelt, prüft und koordiniert die Wünsche und Vorstellungen zwar. Fertig sein soll das Konzept in rund einem Jahr. Das heißt aber nicht, dass es dann mit Bauen losgeht: Denn umsetzen kann der Kreis die Pläne ohnehin nicht in Gänze: „Das müssen die zuständigen Baulastträger tun“, erklärt Jens Ziegler vom Kreisbauamt. Konkret kann das bei einer Kreisstraße der Kreis sein. Möglich ist aber auch die Zuständigkeit von Bund und Land – vor allem aber der Kommunen. Gerade für die ist es eine enorme finanzielle Herausforderung – auch mit guten Fördersätzen von bis zu 90 Prozent, die derzeit möglich sind. Schwierig ist in vielen Fällen, das nötige Land zu erwerben oder mit der natürlichen Enge der Straßen auszukommen. Bundesweit wird deshalb derzeit getestet, ob man Radwege auch außerhalb von Ortschaften auf einer Straße nur mit einer gestrichelten Linie abtrennen kann. Auch das setzt Grundmaße voraus und wird von den Radfahrern als unsicher eingeschätzt.

Welche konkreten Vorhaben hat der Kreis im Visier?

Hoffnung auf eine große Investitionsliste konnte Jens Ziegler den Zuhörern der Infoveranstaltung in Oderwitz nicht machen: Rund 50 000 Euro habe der Kreis für Radwege jährlich im Haushalt eingestellt. Selbst bei einer 90-prozentigen Förderung reiche das gerade einmal, um die bereits bestehenden in Schuss zu halten. Dennoch sind einige Projekte fest im Visier: Am Plan für den Bahnradweg zwischen Niedercunnersdorf über Herrnhut nach Oberoderwitz will der Kreis festhalten. Allerdings geht es hier noch immer um den Grunderwerb. Entlang der B 6 zwischen Löbau und Görlitz will der Kreis seit Jahren bauen – etwas Konkreteres ist allerdings noch immer nicht im Plan.

Kontakt: Jeannette Türpe: 03581 6633307 oder gis@kreis-gr.de

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