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Donnerstag, 12.10.2017

Kutschke versteht die Enttäuschung

Er ist Dresdner und Dynamo-Fan. Trotzdem hat der Torjäger Dynamo im Sommer verlassen. Das lag nicht allein an ihm, sagt er in einem exklusiven Interview mit der SZ.

Von Sven Geisler

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Sein Blick ist nachdenklich. Stefan Kutschke hat viel einstecken müssen nach seinem Wechsel von Dynamo zum FCIngolstadt.
Sein Blick ist nachdenklich. Stefan Kutschke hat viel einstecken müssen nach seinem Wechsel von Dynamo zum FC Ingolstadt.

© robert michael

Es ist die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Stefan Kutschke hat vorige Saison für Dynamo 16 Tore in der zweiten Liga erzielt, dazu die zwei vielleicht emotionalsten im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. Erfolgreicher war seit 1990 nur Klemen Lavric, der 2004/05 einmal mehr getroffen hat. Der Slowene wechselte seinerzeit nach reichlichem Hickhack für die festgeschriebene Ablöse von einer Million Euro zum MSV Duisburg.

Auch Kutschke verließ den Verein, obwohl der Dresdner seit Kindertagen Dynamo-Fan ist. Doch das war nicht allein seine Entscheidung, wie er im exklusiven Interview mit der Sächsischen Zeitung sagt. Er könne die Enttäuschung verstehen, zumal er öffentlich erklärt hatte, in Dresden bleiben zu wollen. „Man darf jedoch nicht vergessen, dass ich nur ausgeliehen war, was manchen gar nicht bewusst war. Sie dachten: Stefan braucht nur einen Vertrag zu unterschreiben, dann ist das geritzt. Aber so einfach war es eben doch nicht.“

Kutschke war im Winter 2016 vom 1. FC Nürnberg zu Dynamo gekommen, der „Club“ zahlte anderthalb Jahre einen Großteil seines Gehalts. Möglicherweise hat das die Ablösesumme nach oben getrieben, die er in einer öffentlich gewordenen Sprachnachricht an einen Dresdner Kumpel auf 1,5 Millionen Euro beziffert hatte. Laut Informationen der SportBild hat Ingolstadt 1,2 Millionen sofort überweisen, durch Erfolgsklauseln könnten bis zu 600 000 Euro dazukommen. „Fakt ist: Die Ablöse, die Nürnberg aufgerufen hat, hätte bezahlt werden müssen. Ob die Summe gerechtfertig war oder nicht, sei dahingestellt“, meint Kutschke.

Dynamos Sportvorstand Ralf Minge hält jedoch dagegen, dass man sich mit Kutschke nicht auf einen neuen Vertrag habe einigen können. Dabei ging es außer um das Gehalt auch um die Laufzeit. In Dresden hätte er drei Jahre bekommen plus die Garantie für einen späteren Job in Verein, Ingolstadt bot vier plus Option auf ein fünftes. Er habe nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu Minge, sagt Kutschke im SZ-Gespräch, das in der Freitagausgabe sowie bei sz-online.de erscheint. „Über diese Situation haben wir uns noch nicht ausführlich unterhalten, werden das aber bei Gelegenheit tun.“

Dann lassen sich die Missverständnisse möglicherweise ausräumen, denn Kutschke geht offenbar davon aus, dass Minge nicht nachhaltig genug mit Nürnberg verhandelt hat. „Ich kann mich noch gut erinnern: Als wir Ende Februar in Aue spielten, hieß es, dass noch keiner von Dynamo auf Nürnberg zugegangen sei. Da habe ich mir gedacht: Hoi, was ist da los? Langsam müssen wir uns ja mal unterhalten“, erzählt der 28 Jahre alte Stürmer. „Dynamo und Ralf werden sicherlich einen Plan gehabt haben.“

Ob er am Sonnabend, 13 Uhr, im DDV-Stadion für den FC Ingolstadt gegen Dynamo aufläuft, wisse er noch nicht. Vor der Punktspielpause hat er sein erstes Tor für die „Schanzer“ erzielt: per Elfmeter zum 1:0 gegen Darmstadt, der FCI gewann das Duell der Bundesliga-Absteiger deutlich mit 3:0. Natürlich nehme er sich vor, auch gegen den Verein in seiner Heimat zu treffen. „Es wäre doch unprofessionell, wenn ich sagen würde, in Dresden will ich das nicht.“ Wie er jubeln würde und was er über ein mögliches Pfeifkonzert denkt - darüber spricht er in dem Interview.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. SGD72

    Warum diese Widersprüche in den Aussagen? Wer erzählt hier nicht die Wahrheit? Es macht doch bei Dynamo keinen Sinn mit Nürnberg zu verhandeln, wenn man mit dem Spieler noch nicht einig ist. Die Ablöse stand ja erst einmal fest. Sollte Herr Minge erst mit Nürnberg verhandeln und dann hätte Herr Kutschke nicht gewollt? Auf jeden Fall muss ja Herr Kutschke noch extreme Schmerzen in der Brustgegend vom vielen Klopfen auf des Dynamoemblem haben. Und das bei Dynamo erfolgreiche Spieler in anderen Mannschaften nicht oder kaum funktionieren sieht man schon an vielen seiner Vorgänger...

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