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Freitag, 12.01.2018

Kulturhauptstadt: Der Weg ist das Ziel

Der OB und eine Professorin haben für eine Bewerbung geworben. Und alle regionalen Partner hörten zu.

Von Thomas Mielke

Thomas Zenker an seinem erster Arbeitstag als Zittauer OB in seinem Büro
Thomas Zenker an seinem erster Arbeitstag als Zittauer OB in seinem Büro

© Matthias Weber

Zittaus Oberbürgermeister und die österreichische Professorin Elisabeth Leitner haben beim Neujahrsempfang ein Plädoyer für eine Zittauer Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ gehalten. Unter den mehreren Hundert Zuhörern im Theater waren wichtige Adressaten für diesen Appell: Alle potenziellen, für die Bewerbung nötigen Partner waren am Mittwoch nach Zittau gekommen – die Oberbürgermeister des Sechs-Städte-Bundes, Vertreter aus Polen und Tschechien vom Liberecer Bezirkshauptmann bis zum Bogatyniaer Bürgermeister, der Landrat und nicht zuletzt viele Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und Vertreter der heimischen Wirtschaft und Kultur. Ihnen rief der OB zu: „Wir brauchen Sie!“

Das Ziel der Bewerbung ist weniger der Titel an sich. Er wäre nur die Krönung. Vielmehr geht es darum, einen Prozess anzuschieben, in dem sich die Region neu erfindet. Bisher werde sie in bestimmte Schubladen gesteckt, sagte der OB. Dazu zählen sicher „wirtschaftlich abgehangen“, „überaltert“, „Armenhaus Deutschlands“ und einige mehr. Zum Teil „sehen wir uns selbst in diesen Schubladen“, beklagte er. Mit der Bewerbung soll über die touristische und wirtschaftliche Vermarktung der Region hinaus eine Debatte angestoßen werden, an deren Ende wieder „stolze Oberlausitzer“ stehen, sagte der OB. Zu diesem Prozess gehören auch die Nachbarn in Polen und Tschechien. In diesem Zusammenhang betonte Zenker, dass die Öffnung Europas die größte Chance für Zittau ist.

Der OB machte klar, dass die Bewerbung nicht aussichtslos ist, obwohl Zittau weder die größte, noch wichtigste aller Städte sei. Zittau und die Region haben seiner Ansicht nach so einen starken Europa-Bezug wie kein anderer der deutschen Bewerber, die sich derzeit abzeichnen. Er fasste seine Ausführungen mit zwei Sprichwörtern zusammen: „Der Weg ist das Ziel“ und „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

Wie der Weg das Ziel sein kann, verdeutlichte Prof. Elisabeth Leitner von der Fachhochschule Kärnten, die seit 15 Jahren zum Thema Kulturhauptstadt forscht und die Diskussionsplattform kulturhauptstadt2024.at für Österreich ins Leben gerufen hat. Bei der Bewerbung geht es nicht um neue Bauten. „Diese Zeit ist vorbei“, sagte sie. Vielmehr geht es um einen Entwicklungsprozess, der viele Jahre wirkt. So hat sie zum Beispiel festgestellt, dass 2012 noch 67 von einst 111 Projekten in Graz wirkten – neun Jahre, nachdem die österreichische Metropole Kulturhauptstadt Europas war. Die Region soll sich in diesem Prozess unter Beteiligung der Bürger zum Beispiel fragen: Wie wollen wir in Zukunft gemeinsam leben? Was macht der demografische Wandel? Welchen Einfluss sollten unsere Geschichte und unser Wissen auf die Entwicklung der Region haben? Was bedeuten Grenzen für unser Leben? Und vor allem: Wozu brauchen wir den Titel? Aus den Antworten sollen Ziele abgeleitet und diese umgesetzt werden. Dass dieser Prozess nicht einfach ist, weiß die Professorin. „Kulturhauptstadt muss weh tun“, sagte sie. Sonst bringe es nichts.

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