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Dienstag, 17.04.2018

Zwischen Traumurlaub und Müllalbtraum

Alle wollen vom Reichtum des Mittelmeers profitieren. Doch niemand kümmert sich um dessen Schutz, zeigt eine Doku.

Von Lisa Forster

Mit vollen Stränden müssen Mallorca-Urlauber auch im Sommer 2018 rechnen. Doch für das Mittelmeer ist der Massentourismus eine ökologische Katastrophe.
Mit vollen Stränden müssen Mallorca-Urlauber auch im Sommer 2018 rechnen. Doch für das Mittelmeer ist der Massentourismus eine ökologische Katastrophe.

© dpa-tmn

Es ist schon irgendwie absurd: Man liegt auf einem Kreuzfahrtschiff im Pool, und außen schwappt das Meerwasser an den Schiffsrumpf. Oder man brutzelt sich mit Tausenden anderen auf demselben Strandabschnitt in Barcelona, kaum Platz, überhaupt das Strandtuch auszubreiten. Das sind zwei Szenen aus der Dokumentation „Mittelmeer in Gefahr“, die am Dienstag auf Arte läuft. Und für die Macher der Sendung zwei Gründe dafür, warum das Mittelmeer bedroht ist.

Massentourismus, der Boom der Kreuzfahrtschiffe, Umweltverschmutzung oder Ölförderung bedrohen das Mittelmeer immer stärker, wie die Dokumentation nachvollzieht. Regisseur Alexis Marrant spricht mit Umweltschützern, Fischern oder Politikern und besucht Küstenorte von Frankreich über Montenegro bis Libyen. 27 Millionen Passagiere aus der ganzen Welt machen nach Informationen der Doku jährlich Schiffsreisen auf dem Mittelmeer. Doch die großen Kreuzfahrtschiffe hätten eine katastrophale Umweltbilanz, wie Axel Friedrich von der Deutschen Umwelthilfe und Daniel Rieger vom Naturschutzbund (Nabu) in der Doku sagen. Die meisten Reedereien setzten nach wie vor auf Schweröl als Kraftstoff. Besonders dramatisch ist die Situation im arabischen Raum. Zum Beispiel vor Tripolis, Libyen. Die Wellen rauschen hinter Bergen von Plastikpartikeln, die sich in den Küstensand mengen. Der Strand ist von Müll übersät, sanft schlickert Öl auf dem Salzwasser. Im libanesischen Beirut sehen die Zuschauer den Müll direkt hinter Erdwällen am Meeresufer gelagert. Eigentlich eine Behelfslösung, doch die vorgesehene Betriebszeit der Halde ist überschritten, eine Lösung nicht in Sicht.

„Eine ganze Reihe wirtschaftlicher Aktivitäten nutzen das Mittelmeer und dessen Reichtümer“, resümiert Pascal Canfin, Politiker der französischen Grünen. „Angefangen bei der Fischerei. Dazu kommen die Öl- und Gasindustrie, der Tourismus, der Seehandel und vieles mehr.“ Die Summe dieser Aktivitäten führe dazu, dass das Mittelmeer als außergewöhnliches Naturerbe in großer Gefahr sei. (dpa)

„Mittelmeer in Gefahr“, 20.15 Uhr, Arte

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