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Samstag, 13.01.2018 TV-Tipp

Zwei Herren teilen sich eine Gräfin

„Bei Mozart kann man nicht mogeln“, meinen drei Musiker und bereiten ihm bei Arte ein kleines, originelles Fest.

Von Rainer Kasselt

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Die Musiker Anna Prohaska, Andreas Ottensamer (l.) und Caspar Frantz wollen dem Publikum ganz zwanglos ihre Sicht auf Mozart und seine Musik nahebringen.
Die Musiker Anna Prohaska, Andreas Ottensamer (l.) und Caspar Frantz wollen dem Publikum ganz zwanglos ihre Sicht auf Mozart und seine Musik nahebringen.

© © Bernhard von Hülsen

Sie haben in der Musikwelt einen guten Namen und geben mit der Kammerakademie Potsdam ein Ständchen für Mozart: Koloratursopranistin Anna Prohaska, 34, Klarinettist Andreas Ottensamer, 28, und Pianist Caspar Frantz, 37. Die drei Musiker sind befreundet und treffen sich im Berliner Säälchen zu einer zwanglosen Zusammenkunft, um dem Publikum ihre Sicht auf Mozart nahezubringen.

Im Säälchen wird die Distanz zwischen Zuhörern und Künstlern aufgehoben. Man spielt auf engstem Raum und sitzt auf gleicher Ebene beieinander. Zwischen den Stücken plaudern die Interpreten über den Salzburger Komponisten. Anna Prohaska führt locker durch das Programm und singt berückend einige seiner schönsten Arien. Sie zitiert eine Liebeserklärung des evangelischen Theologen Karl Barth: „Wenn die Engel für Gott musizieren, spielen sie Bach. Aber wenn sie unter sich sind, spielen sie Mozart.“ Pianist Caspar Frantz, der als Professor in Leipzig Studenten unterrichtet, interpretiert mitreißend einen Satz aus Mozarts 23. Klavierkonzert. „Bei ihm kann man nicht mogeln“, sagt er. „Bei Mozart spielt man gewissermaßen in der Unterkleidung.“

Andreas Ottensamer, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, bedauert sehr, dass es für sein Instrument nur ein einziges Konzert aus der Feder des früh verstorbenen Genies gibt, und er begeistert das Publikum mit dem Adagio aus diesem Werk. Ottensamer, von einer Kritikerin der Tageszeitung Welt als „schönster Klarinettist der Welt“ hofiert, kann mit Begriffen wie Wunderkind oder Götterliebling wenig anfangen. Er weist auf das Wilde und Radikale von Mozart hin: „Er war kein Heiliger, da ist man auf dem Holzweg.“

Zum Schluss wartet das Trio mit einer eigens für den Abend arrangierten originellen Bearbeitung des berühmten Briefduetts aus der Oper „Figaros Hochzeit“ auf. „Ich singe, wie gewohnt, die Susanna“, sagt Anna Prohaska lächelnd, „und die Gräfin wird zwischen den beiden Herren aufgeteilt.“

„Die Mozart-Session“, 18.25 Uhr, Arte

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Marc Brossmann

    Danke Herr Kasselt für den TV-Tipp. Mozart für den Hörgenuss und Herr Ottensamer als Augenweide - so geht Sonntag!

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