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Montag, 19.06.2017

Zufälle sind niemals Zufälle

David-Lynch-Themenabend auf Arte: In „Lost Highway“ tötet ein Musiker seine sexbesessene Frau.

Von Rainer Kasselt

Pete befindet sich in seinem persönlichen Albtraum und kann ihm nicht entkommen. „Lost Highway“, das Meisterwerk von 1996, spielt mit der Irritierung der Zuschauer.
Pete befindet sich in seinem persönlichen Albtraum und kann ihm nicht entkommen. „Lost Highway“, das Meisterwerk von 1996, spielt mit der Irritierung der Zuschauer.

© Arte

Ein Mann wird zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Der Jazzmusiker Fred soll seine Frau Renee ermordet haben. Doch er beteuert seine Unschuld. Und dann geschieht etwas Verblüffendes. Als ein Wärter morgens in Freds Zelle schaut, sitzt dort ein verstörter junger Mann namens Pete. Wie ist er hereingekommen, und wohin ist der Todeskandidat verschwunden? Ein Polizist sagt entnervt: „Das kommt mir vor wie ein Horrorfilm.“

Meisterregisseur David Lynch drehte 1996 mit dem Psychothriller „Lost Highway“ einen seiner besten Filme. Gezeigt wird der mysteriöse Albtraum eines Mannes, der aus dem Labyrinth von Eifersucht und Frustration nicht herausfindet. Freds Ehe mit der attraktiven brünetten Renee wird zur Qual für beide, da er im Bett ihre Wünsche nicht erfüllen kann. Er dreht langsam durch und sieht in jedem Mann einen Rivalen, mit dem sie ihn betrügt. In seinen Visionen verwandelt Fred sich in den Automechaniker Pete, der aus dem Gefängnis entlassen wird. Als Pete beginnt Fred ein neues Leben und beginnt eine Affäre mit der blonden Gangsterbraut Alice, die seiner Frau verblüffend ähnelt. Pete strotzt vor Potenz, trifft sich mit Alice heimlich in Motels. Er will sie heiraten, doch sie flüstert in sein Ohr: „Du wirst mich nie kriegen.“

David Lynch zieht in diesem Meisterwerk viele Register seines Könnens. Traumsequenzen, Autojagden, Videoeinspiele, Sexszenen und Halluzinationen werden raffiniert verschachtelt. Das Ensemble ist bis in die kleinste Rolle gut besetzt. Patricia Arquette in der Doppelrolle als Renee/Alice ist kühle Lady, blonde Hexe und rätselhaftes Luder. Bill Pullmanns Fred bleibt gefangen im Kokon von Versagensangst, Wahnanfällen und blinder Wut.

Der Regisseur spielt mit der Irreführung der Zuschauer: „Zufälle sind niemals Zufälle“, lässt er eine Figur sagen. Rammstein-Titel prägen den düsteren Sound des Filmes, irre Kamerafahrten und Bildfetzen schaffen eine gespenstische Atmosphäre, der man sich schwer entziehen kann.

„Lost Highway“, 22.35 Uhr. Der Arte-Abend mit David Lynch beginnt 20.15 Uhr mit dem Mystery-Thriller „Mulholland Drive“.

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