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Freitag, 13.10.2017

Wenn die Fruchtbarkeits-App versagt

In der ARD-Komödie „Ellas Baby“ wird eine Patchworkfamilie ordentlich auf den Kopf gestellt.

Von Ulrike Cordes

Ella (Tijan Marei) ist schwanger, die Familie gespalten. Roman (Benno Fürmann, l.), Ariane (Katharina Schüttler), Ellas Tante (Milena Dreißig, 2.v.r) und ihr Mann (Jürg Plüss) diskutieren, was zu tun ist.
Ella (Tijan Marei) ist schwanger, die Familie gespalten. Roman (Benno Fürmann, l.), Ariane (Katharina Schüttler), Ellas Tante (Milena Dreißig, 2. v. r) und ihr Mann (Jürg Plüss) diskutieren, was zu tun ist.

© dpa

Sprachkurs in Frankreich für einen Trupp Teenager – doch deren Zielvorgabe lautet nicht etwa „Französisch lernen“. Sondern: „endlich Sex haben“. Die 16-jährige Ella besteht diese Prüfung quasi mit Auszeichnung. Von einem Unbekannten auf einem Zeltplatz wird sie schwanger. Zurück in Berlin wirbelt ihr Zustand, den das Mädchen zunächst mit einer Abtreibung beenden will, das fragile Gefüge ihrer Patchworkfamilie durcheinander. Die ernste, dabei den Zeitgeist gut treffende Geschichte erzählt David Dietl unter dem Titel „Ellas Baby“ am Freitag im Ersten mit viel Feingefühl und Dialogwitz. Prominenteste Darsteller sind Benno Fürmann als Vater Roman und Katharina Schüttler als dessen Freundin Ariane.

Beide Erwachsene möchten der Jugendlichen zur Seite stehen, der Vater begleitet sie sogar zur Abtreibungsberatung. Doch Ella, von der 1996 geborenen Tijan Marei in ihrer ersten Hauptrolle als so verstockt wie liebenswert verkörpert, hat nicht nur mit dem in ihrem Bauch wachsenden menschlichen Wesen ihre Probleme.

Ironischerweise versuchen der eher lässige Fahrradhändler Roman und die geradezu hysterisch zielstrebige Zahnärztin Ariane derweil, selbst ein Kind zu produzieren – unter anderem mithilfe einer Fruchtbarkeits-App. Daher neidet die 38-Jährige dem Teenie seine Schwangerschaft. Vertrauen schenkt Ella nur ihrem Großvater, einem knorrigen früheren Arzt. Eher positiv auf ihr aufgewühltes Gemüt wirkt aber auch der kiffende Nachbarssohn Matti.

Teenager-Schwangerschaft und Abtreibungswunsch sind nur vordergründig die wesentlichen Themen in Dietls Werk. Vor allem analysiert der 37-jährige Sohn von Film- und Fernsehlegende Helmut Dietl hier präzise ein modernes familiäres Beziehungsgeflecht, in dem Eheprobleme, Langeweile und neue Partner, das Sterben der Alten und hemmungslose Erbschaftsdebatten für ständige Reibungen sorgen. Dabei ist Dietls Blick ein versöhnlicher. Und seine mit der Handkamera in stimmungsvollen Bildern aufgenommene Geschichte ein ganz unkitschiges Plädoyer für Selbstkritik, Verzeihen und Gespräche. (dpa)

„Ellas Baby“, Freitag, 20.15 Uhr, ARD

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