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Donnerstag, 14.09.2017

Uraufführung nach dem Tod

Poltéra und Brautigam spielen Felix Mendelssohns Werke für Violoncello und Klavier.

Von Jens-Uwe Sommerschuh

Poltéra & Brautigam, Mendelssohn, Werke für Cello und Klavier (SACD: BIS/Klassikcenter Kassel)
Poltéra & Brautigam, Mendelssohn, Werke für Cello und Klavier (SACD: BIS/Klassikcenter Kassel)

Cellist Christian Poltéra war schon mehrfach in unseren Gefilden zu bewundern. Der Schweizer, der das legendäre „Mara“ von 1711 spielt, eines der wenigen erhaltenen Violoncellos aus der Werkstatt von Antonio Stradivari, gastierte auch diesen Sommer wieder beim Moritzburg-Festival. Im kommenden Frühling wird er als einer von 25 Cellisten aus aller Welt an der „Cellomania“ der Dresdner Festspiele mitwirken, dem speziellen „Fest im Fest“.

Einstweilen erfreut der Musiker aus Zürich die Freunde der Kammermusik mit einer exzellenten Einspielung von Mendelssohn-Kompositionen. Sein Partner ist der vielseitige niederländische Pianist Ronald Brautigam, der bereits zwei CDs mit Felix Mendelsohns „Liedern ohne Worte“ herausgebracht hat.

Eines der „Romances sans paroles“, wie die Folge im Original heißt, hat der Ausnahmekomponist der Romantik für Cello und Klavier eingerichtet. Das wurde allerdings erst im Nachlass entdeckt und mehr als zwei Jahrzehnte nach Mendelssohns Tod als Opus 109 veröffentlicht.

Außer diesem Kleinod erklingen hier die zwei großen Sonaten für Cello und Piano, Standards der Duo-Besetzung, sowie die „Konzertanten Variationen“ in D-Dur, die Felix mit 19 schrieb. Die zweite Sonate, 1843 vollendet und ebenfalls im festlichen D-Dur, bietet einige für das Genre ungewöhnliche Lösungen – vor allem im Adagio, in dem Mendelssohn einem arpeggierten Klavierchoral erzählerische Cello-Kantilenen gegenüberstellt: ein eigenwilliger Kontrast.

Diese suggestive Passage ist der emotionale Höhepunkt dieser Aufnahme, die zwei Könner auf der Höhe ihrer Kunst zeigt und auch klanglich von erhabener Qualität ist. Da die Scheibe als SACD produziert wurde, kann sie außer auf Stereogeräten auch auf Raumklang-Anlagen mit Fünfkanalwiedergabe abgespielt werden – ein besonderer Genuss!

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